20 Jahre Bestandsoptimierung bei Elektro-Material AG

von Ludger Schuh

Von Stift und Papier zur intelligenten Optimierungssoftware.

1996 - Das ZDF erklärt in einem Kurzbeitrag "Was ist das Internet", Larry Page und Sergey Brin beginnen an der Suchmaschine BackRub, dem Vorläufer von Google, zu arbeiten und Computer sind in den meisten Büros noch eher eine Seltenheit. Bei INFORM begannen wir in diesem Jahr die Zusammenarbeit mit einem der führenden Unternehmen aus dem Bereich Elektrogroßhandel in der Schweiz, der Elektro-Material AG (EM). Und zwanzig Jahre später? Google ist in aller Munde, Big Data wurde längst weitergedacht und wir bei INFORM feiern gemeinsam mit EM eine zwei Jahrzehnte lange, erfolgreiche Kooperation, durch die auch wir ein Stück gewachsen sind.

Von links: Dirk Lennertz, Daniele Albisetti, Ludger Schuh, Rudolf Gassmann, René Rahm, Serge Doyen, Markus Schnyder, Dustin Schwinning

Software anstelle von Papierbergen

Schon Mitte der 90er Jahre hatten Kunden von EM wie Elektroinstallateure, Schaltanlagenbauer und Industriebetriebe den Anspruch auf eine geringe Lieferzeit und ein umfassendes Artikelsortiment. Schließlich hat ein Großteil dieser Unternehmen nur ein geringes eigenes Lager, bezieht die Waren bedarfsgerecht von EM und spart sich somit aufwändiges Materialhandling am eigenen Standort und obendrein die Kapitalkosten für die Lagerbestände.

Liefertreue und ein Vollsortiment sind bei solchen Kunden eine Grundvoraussetzung. Schon damals hatte EM daher mehr als 70.000 verschiedene Artikel angeboten, die bei etwa 600 Lieferanten eingekauft wurden. Dieses Artikel- und Lieferantenspektrum stellte die Disponenten von EM vor eine schwierige Aufgabe: Sie mussten für mehr als 40.000 Lagerartikel den Bedarf prognostizieren, Bestellmengen und -zeitpunkte optimieren und dabei die Kosten im Auge behalten. Dafür hatten sie ein ERP-System und gedruckte Artikellisten zur Verfügung. Als ein Disponent schließlich begann mit einem noch sehr einfachen, selbst entwickelten Dispositionssystem zu arbeiten, erkannte EM schnell den Vorteil in einer Software-gestützten Datenverarbeitung. Bei ihrer Suche nach einer speziellen Software, mit der sich Bestellvorschläge optimieren und Bestandsdaten visualisieren ließen, stieß EM schließlich auf add*ONE Bestandsoptimierung.

Ich kann mich noch sehr gut an die ersten, sehr intensiven Gespräche mit EM erinnern. Der Schweizer Elektromaterialspezialist hatte zu diesem Zeitpunkt branchenspezifische Anforderungen an die Software, die für unser Bestandsmanagementsystem noch neu waren. Durch den engen Austausch mit dem Kunden haben wir unsere Software anhand dieser Ansprüche weiterentwickelt und konnten so das Produkt an die Besonderheiten der Branche anpassen.

Büro und Warenausgang bei EM, 1996

Bestandsoptimierung mit Überraschungseffekt

Der Beginn unserer Zusammenarbeit mit EM war vom Pioniergeist geprägt. Schließlich war die computergestützte Datenverarbeitung Mitte der 90er Jahre für viele Unternehmen noch absolutes Neuland und brachte nie dagewesene Vorteile, wie beispielsweise die Automatisierung von Prozessen. add*ONE verarbeitete schon damals relevante Verbrauchs- und Bestandsdaten des Warenwirtschaftssystems über Nacht und lieferte den Disponenten am nächsten Tag fertige Bestellvorschläge, die sie entweder bestätigen oder manuell weiter bearbeiten konnten. Durch die Implementierung der Software konnte die Lieferfähigkeit beim Kunden von mehr als 40.000 Lagerartikeln von 95 auf 98 Prozent gesteigert werden. Gleichzeitig reduzierte EM den Dispositionsaufwand um mehr als 50 Prozent. Zudem machte sich die neue Software aufgrund der hohen Rationalisierungs- und Einspar-Effekte innerhalb eines Jahres bezahlt, was EM natürlich freute und ich glaube, auch zum Teil überraschte. Heutzutage wissen unsere Kunden um die Fähigkeiten einer ausgereiften Software, damals konnten sie oft nicht glauben, dass wir das, was wir ihnen vorab versprachen, auch tatsächlich halten konnten. Bis heute haben wir daher ein sehr freundschaftliches und vertrauensvolles Verhältnis zu EM.

Auf die nächsten 20 Jahre - Agiles Handeln für zukunftsfähige Logistik

In den letzten zwanzig Jahren sind sowohl EM als auch INFORM stetig gewachsen. Die Elektro-Material AG gliederte sich 2006 in die weltweit führende REXEL-Gruppe ein und hat mittlerweile neun Niederlassungen in der ganzen Schweiz sowie das EM Elevite Lichtkompetenzzentrum, welches für innovative Beleuchtungslösungen agiert. Mittlerweile umfasst das Sortiment von EM nicht mehr 70.000 sondern 250.000 Artikel - wovon etwa 50.000 lagerhaltig geführt werden - die von rund 900 Lieferanten bezogen werden.

Wir bei INFORM haben unser Know-how in der Agilen Optimierung mittlerweile in sieben Bereichen, von der Flughafenlogistik über die Intralogistik und Produktionsoptimierung bis zum Supply Chain Management, ausgebaut und weiterentwickelt. Denn die gesamte Logistik-Branche ist in den letzten zwanzig Jahren nicht stehen geblieben und vollzieht auch aktuell im Rahmen der Digitalisierung einen starken Wandel, u.a. weil sich Kundenwünsche und -verhalten völlig neu erfinden. So ist zum Beispiel die Bestellung von Waren über mobile Geräte immer und an jedem Ort zur Selbstverständlichkeit geworden. Auch EM hat eine App entwickelt, mit der die Kunden überall und jederzeit vollen Zugriff auf das Angebot und die Produktinformationen haben. Viele Prozesse sind auch durch den steigenden Wunsch nach immer kürzeren Lieferzeiten beeinflusst worden. Dies führte im ersten Schritt nicht nur bei EM zu einer größeren Transparenz hinsichtlich der Warenverfügbarkeit und -zustellung. Auch der Wunsch nach prompten, individuell ausgerichteten Lieferungen ist ständig gewachsen.

Wie die Entwicklungen der letzten Jahre zeigen, wird die Supply Chain immer mehr von Geschwindigkeit und Liefertreue beeinflusst, die mittlerweile entscheidende Wettbewerbsvorteile geworden sind. Wer auf Störungen beispielsweise in der Materiallieferung nicht schnell reagieren kann, riskiert wichtige Aufträge. Die Verantwortlichen benötigen daher ein Tool, das ihnen agiles Handeln in einer zukunftsfähigen Logistik ermöglicht.

In den letzten zwanzig Jahren haben wir und unser Kunde EM Prozesse agil optimiert, um mit den Marktentwicklungen und Trends Schritt zu halten. Ich bin sehr gespannt, was die nächsten zwanzig Jahre bringen.

Wie haben sich Ihre Prozesse in den letzten zwei Jahrzehnten gewandelt? Haben Sie auch eine Überholung von Stift und Papier hinter sich?



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Über den Autor

  • Ludger Schuh

    Ludger Schuh († 19.06.2017) war Mitglied der Geschäftsleitung bei der INFORM GmbH. Von 1993 - 2016 war er verantwortlich für die Produkte aus dem Bereich Inventory and Supply Chain. Im Januar 2017 hat er die Aufgaben des zweiten Geschäftsführers der INFORM GmbH übernommen.

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