5 Tipps für Autoterminal-Betreiber

von Luisa Walendy

Mit 265 Meter Länge und einer Höhe von, 54 Meter ist die MV Parsifal ein imposantes Schiff. Zurzeit ist das weltweit größte Autotransportschiff, das etwa 6.000 Autos transportieren kann, in der Nähe von Panama unterwegs, auf dem Weg zu den größten Autoterminals der Welt. Eines dieser Terminals befindet sich im belgischen Seebrügge. Allein im letzten Jahr wurden hier etwa 2,4 Millionen Autos verschifft.

Wenn mehrere Schiffe von der Größe der MV Parsifal gleichzeitig an dem Terminal in Seebrügge anlegen, ist einen Platz für die riesigen Autotransporter zu finden, nur eine von vielen logistischen Herausforderungen der Terminal-Betreiber. Diese müssen alle Fahrzeugbewegungen auf dem Yard einschließlich der Ent- und Beladung sowie dem Parken schnellstmöglich dirigieren. Um dabei Effizienz und Durchlauf zu erhöhen, sollten Autoterminal-Betreiber dabei folgende fünf Hinweise befolgen:

 1) Integrieren Sie alle wichtigen Parameter

Es ist wichtig, nicht alleine den Platz auf dem Terminal zu berücksichtigen, um die optimale Parkposition für jedes einzelne Fahrzeug zu finden, sondern auch die Prozesse, die nachfolgend für das jeweilige Fahrzeug anstehen. Muss das Auto noch gewartet werden? Ist es beschädigt? Mit welchem Transportmittel soll es weitertransportiert werden? Diese Fragen sollten beachtet werden, um die jeweilige Parkposition auf dem Terminal zu optimieren und kostspielige, unnötige Kilometer der Fahrzeuge zu vermeiden.

Falls ein Auto nämlich noch auf dem Terminal umgebaut werden muss, bevor es verschifft wird, muss sein Werkstatttermin in die Planung integriert werden. Diese Termine können dann unter Berücksichtigung der aktuellen Logistik- und Inventursituation auf dem Terminal entsprechende Priorität erhalten. Auf diese Weise können sowohl personelle als auch materielle Ressourcen in den Werkstätten möglichst effizient eingeplant werden.  

Ist das Auto dann fertig für die Abreise, ist das nächste Ziel, die verschiedenen Transportmittel wie Zug oder Schiff optimal auszulasten. Maximale Auslastung kann dabei durch eine intelligente Gruppierung der Fahrzeuge entsprechend Ihres Liefertermins, des geplanten Transportmittels und Zielort erreicht werden. So wird jede Beladung beim Verlassen des Yards maximiert und der Durchlauf erhöht.

2) Gewährleisten Sie maximale Transparenz

Als Terminal-Betreiber oder Angestellter auf dem Autoterminal wissen Sie sicherlich schon, dass weder die Organisation aller Stellplätze noch die der Fahrzeugbewegungen manuell oder in Excel geplant werden können. Diese Prozesse sind einfach zu komplex und die Kundenanforderungen zu hoch. Jede Verspätung erhöht zudem unnötig die Kosten. Um die Abläufe auf dem Terminal möglichst effizient zu planen, müssen jederzeit die Position der Fahrzeuge transparent und deren Status verfügbar sein. Diese Transparenz wird auf dem Terminal mit Hilfe der FIN-Nummer gewährleistet, die durch entsprechende Technologien ausgelesen und die Fahrzeuge dementsprechend durchgehend nachverfolgt werden können. Diese Transparenz über jedes Fahrzeug ist die Basis für eine optimale Planung und Steuerung der Prozesse.

3) Planen Sie in Echtzeit

Die Planung der Prozesse auf einem Autoterminal sollte dynamisch und flexibel sein sowie in Echtzeit stattfinden. Denn häufig passiert es, dass wegen unvorhersehbaren Ereignissen vom eigentlichen Plan abgewichen werden muss. Beispielsweise, wenn Mitarbeiter in den Werkstätten krank werden oder Teile zu spät geliefert werden. Dann ist es wichtig, dass schnell reagiert und neu geplant wird. Nur so können mögliche Engpässe frühzeitig vermieden werden. Echtzeitplanung erlaubt den Verantwortlichen auf den Autoterminals die nötige Flexibilität, um auf das dynamische Terminal-Umfeld schnell zu reagieren.

4) Optimieren Sie auch die vor- und nachgelagerten Prozesse

Da unvorhersehbare Ereignisse in der Automobillogistik oft aus den vor- und nachgelagerten Prozessen resultieren, hilft es, alle Prozesse zusammen zu betrachten. Mit Hilfe von Lösungen, die logistische Netzwerke strategisch aufbauen und die gesamte Fahrzeugdistribution zentral steuern, können Verantwortliche reibungslose Prozesse auf dem Terminal gewährleisten und den Kundenanforderungen sowie Lieferverpflichtungen nachkommen. Eine zentrale Automatisierung und Optimierung der Prozesse ist möglich, wenn alle Daten der Logistikprozesse in einem System zusammengetragen werden.

5) Haben Sie keine Angst vor Software

Wenn Sie die Überschriften der ersten vier Tipps lesen, erkennen Sie schnell, dass die Planung von Autoterminal-Prozessen sehr komplex und kaum von einer einzelnen oder auch mehreren Personen zu managen ist. Softwarebasiertes Autoterminal Management hilft, die Prozesse zu optimieren, verschiedene Funktionen zielgerichtet miteinander zu verbinden sowie Kosten zu reduzieren und Effizienz zu erhöhen. Die Lösungen steuern die Prozesse auf dem Terminal automatisch und in Echtzeit.

Außerdem kann ein intelligentes System alle wichtigen Kennzahlen generieren, welche die Performance des Terminals visualisieren, sowie das Reporting und die Rechnungen der Terminal-Services abwickeln. Der gesamte Datenaustausch mit den OEMs, Zulieferern und anderen Partnern kann so über eine einzelne Datenschnittstelle stattfinden.

Fazit

Qualität und Pünktlichkeit sind wichtige Erfolgsfaktoren auf einem Autoterminal. Im Gegensatz zu anderen Logistikprozessen ist die Automobillogistik wegen der besonderen Fracht, der Handhabung von Schäden und Wartungen einzigartig. Ein Auto ist häufig “work in progress”, da es viele Accessoires und Anpassungen erst auf dem Weg zum Kunden erhält. Dadurch, dass die Terminals und Prozesse zunehmend komplex werden, ist Software nötig, um die Logistik effizient zu steuern. Dabei müssen alle wichtigen Bedingungen miteinbezogen, die vor- und nachgelagerten Prozesse in Echtzeit integriert und Transparenz ermöglicht werden.  

 

 

 

 

 



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Über den Autor

  • Luisa Walendy

    Luisa Walendy arbeitet seit 2015 für die INFORM GmbH und schreibt hauptsächlich zu den Themen Produktion und Industrielogistik.

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