App-Müdigkeit? In der Intralogistik erwecken mobile Applikationen eine schnelle Planung zum Leben

von Luisa Walendy

Smartphone-Nutzer verbringen immer mehr Zeit mit ihren Apps, während die Anzahl der genutzten Anwendungen stetig zurückgeht. Ein Großteil der Nutzer haben mittlerweile lediglich etwa fünf Apps regelmäßig in Gebrauch. Viele der heruntergeladenen Applikationen werden nur einmal angewendet und dann wieder gelöscht. Denn die Begeisterung lässt häufig schnell nach, wenn die Anwendung keinen großen Nutzen bringt. Zudem hat sich nach jahrelangem Smartphone-Konsum für den Nutzer oft schon herauskristallisiert, welche App er tagtäglich braucht und welche nicht.

Während Apps die Nutzer im privaten Umfeld bereits ermüden, haben sie im Bereich Intralogistik erst seit kurzer Zeit ihren Eroberungszug begonnen. Mit der Entwicklung und zunehmenden Bedeutung des Internets der Dinge und vernetzter logistischer Prozesse im Sinne von Logistik 4.0 nimmt auch die Anwendung der mobilen Anwendungen langsam Fahrt auf. Gerade im Bereich der innerbetrieblichen Logistik spielt das Thema Mobilität eine wichtige Rolle. Da das Material hier ständig in Bewegung ist, erleichtert es die Arbeit der Fahrer ungemein, wenn die Aufträge mobil erfasst werden können. Denn ob Tablet oder Smartphone - eine übersichtliche Darstellung aller Transporte ist ausschlaggebend für eine optimale Planung. Der eher chaotischen Spontanplanung per Zuruf im Werksverkehr kann damit ein Ende gesetzt werden.

Ein wichtiger Vorteil der mobilen Anwendungen sind ihre Schnelligkeit und Flexibilität: Die relevanten Kennzahlen erreichen ohne Verzögerung den Logistikmitarbeiter, der sie benötigt. Kritische Situationen können so schnellstmöglich erkannt und dementsprechend behandelt werden. Die Informationsverarbeitung in Echtzeit wird durch die mobile Datenerfassung und praktische Darstellung auf mobilen Endgeräten wesentlich unterstützt. Verspätungen dringend benötigter Materialien für die Produktion spielen im Werksverkehr dann keine Rolle mehr. Die werksinternen Transporte können insgesamt wirtschaftlicher gesteuert werden.

Ein Beispiel: Die Schunk Kohlenstofftechnik GmbH

Ein erfolgreiches Beispiel für den Einsatz einer mobilen Applikation in der innerbetrieblichen Logistik ist die Schunk Kohlenstofftechnik GmbH. Mit der cloud-basierten Version des Staplerleitsystems SyncroTESS konnte der Hersteller von Kohlenstoffprodukten wie Schleifstücken, Kohlebürsten oder Keramikringen die Effizienz seiner Staplereinsätze steigern und gleichzeitig die Kosten und Implementierungsdauer eines großen IT-Projektes vermeiden. Die sehr heterogene Produktpalette der Firma verlangt dabei hohe Flexibilität von der Transportlösung.

Innerhalb von Sekunden können die Mitarbeiter in der innerbetrieblichen Logistik am Standort in Heuchelheim bei Gießen jetzt Transportaufträge vergeben. Vorher sah die Situation anders aus: Eine zentrale Steuerung des Werkverkehrs fehlte komplett, was zu vielen unnötigen Leerfahrten und entsprechend verlorener Zeit führte.

Heute erhalten die Fahrer im Werk die Transportaufträge auf ihr Handy. Der Optimierungsalgorithmus der Software weist die Aufträge so zu, dass die Routen möglichst effizient sind. Ganz mobil bleibt es bei Schunk jedoch auch nicht. Ausgedruckte Transportbegleitzettel werden von den Auftraggebern an die transportbereiten Paletten geheftet, damit die Fahrer den vorhergesehenen Auftrag schnell erkennen können, ohne abzusteigen.

Der nächste Schritt in Richtung Wearables

Und die Entwicklung steht sowohl in der Praxis als auch in der Weiterentwicklung neuer Anwendungsszenarien nicht still. Zumal sich die Applikationen im Bereich Logistik nicht nur für die gängigen mobilen Endgeräte anwenden lassen. Moderne Wearables wie zum Beispiel Datenbrillen können ebenfalls in Zukunft von den Anwendungen profitieren. Mit ihnen könnten die Warenströme in der Kommissionierung sehr einfach dargestellt werden, beispielsweise wenn Barcodescanner in die Brillen eingebaut sind.

Der große Vorteil der Wearables liegt darin, dass die Mitarbeiter die Hände frei haben und sich so besser bewegen können. Ein Tablet oder Smartphone kann hier teilweise hinderlich sein. Dagegen sprechen zurzeit leider noch kurze Akkulauf- sowie lange Latenzzeit und kleine Displays mit bislang schlechter Grafikleistung.

Fazit

Von einer optimal berechneten Auftragszuweisung und Übersicht über alle Transporte sowie Materialbewegungen kann jedes Unternehmen profitieren. Eine schnelle mobile Weitergabe der Aufträge an den jeweiligen Fahrer in Echtzeit beschleunigt den Werksverkehr und Reaktionen auf unvorhergesehene Ereignisse im innerbetrieblichen Transport. So wird die Termintreue erhöht, Durchlaufzeiten, Leerfahrten und Fahrstrecken werden reduziert. Hinzukommt eine bessere Auslastung der Fahrzeuge und eine einfachere Kommunikation unter den Mitarbeitern. Während mobile Applikationen im privaten Umfeld bereits für Müdigkeit sorgen, sollten Sie sich also für ihren Einzug in die Intralogistik bereit machen.

Nutzen Sie bereits mobile Endgeräte in der Intralogistik?



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Über den Autor

  • Luisa Walendy

    Luisa Walendy arbeitet seit 2015 für die INFORM GmbH und schreibt hauptsächlich zu den Themen Produktion und Industrielogistik.

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