Automatische Transportdisposition: Wie Sie das Potenzial Ihrer innerbetrieblichen Logistik optimal nutzen

von Luisa Walendy

Die Investitionen in die Digitalisierung von Fertigungsstätten nehmen zu. Das zeigt eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers von April dieses Jahres. Laut der Studie investieren 91 Prozent der befragten Industrieunternehmen bereits in eine digitalisierte Produktion und Logistik. In der Praxis haben aktuell jedoch erst sechs Prozent dieser Firmen ihre Prozesse digitalisiert. 98 Prozent der Studienteilnehmer möchten insbesondere in neue Technologien wie Cobots, digitale Zwillinge, eine vorausschauende Wartung ihrer Anlagen sowie die Vernetzung des gesamten Maschinenparks investieren.

Das Ziel dabei sind schlankere Produktionsprozesse. Eine sogenannte „Lean Production“ bezeichnet ein „integriertes soziotechnisches System, dessen Kernzielsetzung die Beseitigung von Verschwendung ist, indem gleichzeitig lieferantenseitige, kundenseitige und interne Schwankungen reduziert oder minimiert werden“. Kurz zusammengefasst ist mit dieser etwas komplizierten Formulierung gemeint, dass ein ganzheitliches Produktionssystem entsteht, bei dem die Prozesse so aufeinander abgestimmt sind, dass möglichst wenig Ressourcen verschwendet werden. Hier gibt es mehrere Gestaltungsprinzipien, die in der Praxis angewendet werden können. Als Verschwendung gilt dabei jede Aufwendung, für die der Kunde nicht bereit wäre zu zahlen – also alles, das nicht für den unmittelbaren Kundennutzen wichtigen Kernprozess und dessen Abläufe von Bedeutung ist. Zu den definierten Verschwendungsarten zählen unter anderem Überproduktion, Wartezeit oder Fehlproduktionen.

Doch neben den direkt die Produktion betreffenden Verschwendungen zählen auch lange Wege und überflüssige Transporte zu den Verschwendungsarten. Es wird deutlich, dass neben einer intelligenten Produktion auch die vorgelagerten Prozesse eine wichtige Rolle spielen. Denn auch die innerbetriebliche Logistik – Grundvoraussetzung für eine termintreue Fertigung – fließt in die Gesamteffizienz der Produktion mit ein. Auch die verschiedenen Transportmittel vom Stapler bis zum Hänger müssen in der Fertigungshalle so gesteuert werden, dass das Material rechtzeitig zu Produktionsbeginn bereitsteht.

Konventionellen Staplerleitsystemen fehlen intelligente Optimierungsalgorithmen

Herkömmliche Staplerleitsysteme können Stapler steuern. Doch ist die Zielsetzung einer schlanken Produktion nicht mehr nur das alleinige Steuern, sondern eine Kombination aus optimaler Produktionsversorgung und minimalem Ressourceneinsatz. Daher benötigen Unternehmen Transportleitsysteme mit intelligenten Optimierungsalgorithmen.

Ziel ist es dann, die insgesamt gefahrene Strecke der Stapler zu minimieren und gleichzeitig die Termintreue zu maximieren. Dabei treffen verfügbare Transportressourcen auf spontane oder regelmäßige Transportaufträge, die unterschiedliche Anforderungen hinsichtlich Zeit, Zielort, Ladung, Fahrerqualifikation und Dringlichkeit haben. Die Ressourcen haben umgekehrt Eigenschaften wie Ladekapazität, Geschwindigkeit oder Verfügbarkeit. Ergebnis ist ein ganzheitlich optimiertes Transportnetz. Dieses kann wiederum so auf die Produktionsprozesse abgestimmt werden, dass ein ganzheitlich optimiertes Produktionssystem entsteht.

Einfache Staplerleitsysteme können diese Gesamtsituation im Werk nicht übersichtlich darstellen. Die Planung aller Fahrstrecken über die Gesamtsituation hinweg oder auch nur des gesamten Weges eines einzelnen Staplers über alle bestehenden Aufträge ist dann kaum möglich.

Eine automatische Disposition in Echtzeit dank intelligenter Algorithmen

Beispielsweise kann es durchaus sein, dass es sinnvoller ist, zunächst längere Anfahrtswege zum Quellplatz in Kauf zu nehmen, wenn sich dadurch eine insgesamt kürzere Fahrstrecke für alle Stapler ergibt. Dabei müssen jedoch die gesamte Auftragslage und alle vorhandenen Ressourcen berücksichtigt werden. Im Hinblick auf eine optimale Planung ist es am besten, wenn das System die Dispositionsentscheidung bis zum letzten Moment aufschiebt und in Echtzeit entscheidet, um kurzfristige Veränderungen, wie beispielsweise eine neu entstandene Transportaufgabe, miteinzukalkulieren.

Die Gesamtfahrzeiten von Staplern lassen sich bei gleichem Transportvolumen und gleicher Termintreue stärker reduzieren als mit Verfahren ohne intelligente Optimierung. Durch das Pooling der Ressourcen in einem System müssen nicht mehr für jeden einzelnen Bereich Transportkapazitäten vorgehalten werden, sondern nur noch für ein Werk (oder eine ähnliche Einheit) insgesamt. Da sich nicht mehr die maximal notwendigen Kapazitäten der Einzelbereiche addieren, verringert sich die vorzuhaltende Gesamtkapazität. Beide Effekte zusammen addieren sich, so dass Unternehmen ihre Staplerflotte stark reduzieren können.

Fazit

Viele Unternehmen sind bereits überzeugt, dass eine digitale Fabrik zu mehr Effizienz führt und wünschen sich schlanke Prozesse in ihren Fertigungshallen. Vor allem niedrigere Kosten durch Automation und integrierte Planung sind hier die Gründe. Eine intelligente Transportsteuerung setzt genau hier an und ist die Grundlage für eine reibungslose und termintreue Fertigung. Das Bewusstsein für eine digitale Fabrik ist bereits vorhanden. Jetzt wird es Zeit, es in Taten umzusetzen.

Wie planen Sie die innerbetrieblichen Transporte in Ihrer Fertigung?

 

 



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Über den Autor

  • Luisa Walendy

    Luisa Walendy arbeitet seit 2015 für die INFORM GmbH und schreibt hauptsächlich zu den Themen Produktion und Industrielogistik.

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