Darf ich vorstellen? Dr. Roboter.

von Luisa Walendy

Was würden Sie tun, wenn Sie sich krank fühlen und ein Computer Ihnen eine Woche Bettruhe und Medikamente verschreibt? Würden Sie dem Computer trauen, wenn es darum geht, Ihre Krankheit zu diagnostizieren?

Zu der Bettruhe würden Sie sich vermutlich noch überreden lassen, aber nach eigenem Ermessen bewerten, wann diese enden soll. Die Verschreibung von Medikamenten geht einen deutlichen Schritt weiter: Ich persönlich hätte ein Problem damit, Medikamente einzunehmen, die mir ein Roboter aufgrund verschiedener Algorithmen und Kalkulationen verschreibt. Dennoch könnte die Zukunft so aussehen, denn die Bedeutung der Digitalisierung im Gesundheitswesen nimmt zu. Schon heute reicht die Palette der digitalen Services in Krankenhäusern von der elektronischen Patientenakte bis zum virtuellen Assistenzarzt. Zusammenfassen lassen sich diese Angebote unter dem Begriff E-Health. Gemeint sind damit „alle Hilfsmittel und Dienstleistungen, bei denen Informations- und Kommunikationstechnologien zum Einsatz kommen und die der Vorbeugung, Diagnose, Behandlung, Überwachung und Verwaltung im Gesundheitswesen dienen“.

Der virtuelle Assistenzarzt ist wie gesagt bereits Realität. Die Universitätsklinik Marburg hat ein kognitives System eingeführt, das vor dem Arzt eine erste Diagnose erstellt und Therapievorschläge macht. Hierzu muss der behandelnde Arzt nur das Krankheitsbild eingeben, die Ergebnisse kommen durch die Verknüpfung mit medizinischen Daten und den Zugriff auf eine Datenbank mit weltweitem medizinischem Wissen. Doch damit nicht genug: In dem Marburger Krankenhaus können Patienten außerdem per App Blutzucker messen, Puls bestimmen oder das Gewicht überwachen. Doch ganz ohne persönlichen Kontakt zum Arzt geht es auch hier nicht. Ein vorheriger persönlicher Besuch soll bei den meisten digitalen Angeboten nicht ausbleiben und ist in Deutschland per Fernbehandlungsverbot vorgeschrieben.

Die Digitalisierung solcher Prozesse soll kostenintensive Fehlzuweisungen von Patienten verhindern. Denn neben der Vernetzung von Krankenhäusern, Arztpraxen und Apotheken, die den schnellen Zugriff auf Patientendaten in Notfällen erleichtert, wirkt sich die Digitalisierung auch auf die Wirtschaftlichkeit der Krankenhäuser aus. Vor allem kleinere Kliniken kämpfen oft mit Finanzproblemen, da sie im Einkauf, bei Dienstleistungen oder der Logistik nicht von Größenvorteilen profitieren können. Dennoch können auch hier durch die Digitalisierung der Prozesse Kosten eingespart werden.

Prozessverbesserung durch Digitalisierung – auch in der Krankenhauslogistik

Doch will man Einbußen in der Versorgung der Patienten vermeiden, sind Kostensenkungen im Bereich der medizinischen Leistungen Grenzen gesetzt. An dieser Stelle rückt vor allem die Verbesserung der internen logistischen Abläufe in den Blickpunkt. So werden beispielsweise durch die intelligente Optimierung der Krankenhauslogistik nicht nur Wartezeiten, sondern auch die Transportkosten gesenkt. Denn durch die Kombination aus einem zentralen Transportdienst mit einer intelligenten Transportsteuerung können Synergien aus Waren- und Patiententransporten genutzt und Kosten eingespart werden.

Intelligente Systeme, die die Transporte im Krankenhaus optimieren und zentral steuern, verhindern außerdem, dass sich das ohnehin knappe Pflegepersonal um die Organisation der Transporte anstelle der Patienten kümmern muss. Denn der gesamte Ablauf aller Transporte wie Regeltransporte, Hol- und Bringdienste sowie Serviceleistungen wie beispielsweise Reinigung, Technik oder Bettenaufbereitung werden in Echtzeit geplant. Durch diese automatische Leitstelle im Krankenhaus können die Leerfahrten im Krankenhaus minimiert werden und die Transportmitarbeiter werden gleichmäßig ausgelastet. Die Patienten profitieren von wesentlich verkürzten Wartezeiten und das Personal hat konsequent einen Überblick über die aktuelle Transportsituation. Der verbesserte Kommunikationsfluss zwischen Stationen und dem Transportdienst und die automatische Verteilung der Transportaufträge führen zu pünktlichen Patienten- und Materialtransporten. Auch unvorhersehbare Ereignisse, wie sie in Krankenhäusern ständig auftreten, können in Echtzeit mit in die Planung einbezogen werden. Ärzte und Pflegekräfte verbringen ihre Zeit nicht mehr mit logistischen Planungen und Transporten, sondern können sich vollständig der Pflege der Patienten widmen.

Fazit

Die Digitalisierung hat großes Potenzial im Gesundheitswesen. Logistische Prozesse im Krankenhaus lassen sich mit Hilfe von Software einfach steuern und zentral optimiert organisieren. Die verbesserten Prozesse führen zu Kostensenkungen und bedeuten eine Entlastung für das Personal sowie einen besseren Servicegrad. Denn der Kontakt zu den Patienten und deren Pflege sollte in Krankenhäusern nicht unter anderen Aufgaben leiden. Es ist sogar wissenschaftlich bewiesen, dass sich ein intensiver, persönlicher Austausch mit den Patienten positiv auf den Heilungs- und Genesungsprozess auswirkt. Während man die Logistik eines Krankenhauses also bereits fast vollständig automatisieren kann, sollten daher Roboterärzte meiner Meinung nach noch nicht ganz alleine auf Visite gehen.

Wie sehen Sie die Digitalisierung des Gesundheitswesens? Haben Sie hier schon Erfahrungen gemacht?

 



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Über die Autorin

  • Luisa Walendy

    Luisa Walendy arbeitet seit 2015 für die INFORM GmbH und schreibt hauptsächlich zu den Themen Produktion und Industrielogistik.

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