Das sommerliche Weihnachtsgeschenk - Wie sich Produktion und Logistik auf Konsumspitzen im Dezember vorbereiten

von Luisa Walendy

Schon vor einigen Wochen konnte man in den Supermärkten den Einzug der ersten Weihnachtsartikel beobachten. Hin und hergerissen zwischen Gefühlen der Vorfreude auf die weihnachtliche Zeit und einer gewissen Verärgerung, sich bei Temperaturen von über 20 Grad schon mit der winterlichen Jahreszeit auseinandersetzen zu müssen, folgte zwangsläufig der stets drängende Gedanke an die vielen Besorgungen, die mit dem Fest einhergehen.

Nachdem ich dieses kurze Gefühlschaos überwunden hatte, beschloss ich, dieses Jahr alle Geschenkartikel frühzeitig beisammen zu haben. Ein jährlich wiederkehrender Vorsatz, welcher aber in der Vergangenheit relativ regelmäßig durch logistische Fehlschläge seitens Paketversand oder ausverkaufte Geschäfte sabotiert wurde. Und bei diesen Erinnerungen war ein Gefühl zurück – die Verärgerung.

Dass die Weihnachtszeit hohe Ansprüche an die Logistik stellt, ist für mich als Endverbraucher natürlich erst einmal nebensächlich. Dennoch ist eine pünktliche Lieferung gerade zu dieser Zeit des Jahres eine besondere logistische Leistung. Und auch für produzierende Unternehmen stellt die wachsende Nachfrage eine spezielle Herausforderung dar. Das jedoch wesentlich früher im Jahr - die Produktionen laufen bereits ab Sommer auf Hochtouren, um uns in den Geschäften rechtzeitig an die bevorstehende Weihnachtszeit zu erinnern. Lebkuchen beispielsweise wird vom Einzelhandel schon Anfang September in den Regalen eingeplant.

Produzierende Unternehmen bereiten sich also früh auf die steigende Nachfrage um die Weihnachtszeit herum vor, um pünktlich liefern zu können. Nur durch diese Vorproduktion können die Bedarfsspitzen während der Weihnachtszeit überhaupt bedient werden, da die meisten Fertigungen auf einen deutlich niedrigeren maximalen Output ausgelegt sind. In Ausnahmefällen reicht aber auch die Vorproduktion nicht aus, um unerwartet hohe Nachfragen kurz vor Weihnachten zu decken. Beispiele aus den letzten Jahren hierfür sind Legosteine oder das neue iPhone X. Manche Produkte wiederum setzen der Vorproduktion durch Produkteigenschaften Grenzen. Vor allem Lebensmittelhersteller müssen hier zusätzlich auf Haltbarkeitsdaten achten - es kann nicht beliebig vorproduziert werden. Die Industrie erwartet nämlich eine bestimmte Restlaufzeit bis zum Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums.

Wie man sieht, sind vorschnell die sogenannte letzte Meile der Logistik oder das Bestandsmanagement im stationären Handel als Prügelknabe ausgemacht, wenn es mit dem besonderen Wunsch zu Weihnachten dann doch nicht klappt. Dabei spielt die Produktion hier eine ebenso gewichtige Rolle, denn wenn der erste Wunsch erst gar nicht verfügbar ist, dann sind wir als Endverbraucher schnell bei „gutem Standard“ unter dem Weihnachtsbaum. Da können im schlimmsten Fall aus dem neuen Smartphone ganz schnell ein paar selbstgestrickte Socken werden.

Doch da Weihnachten mit bestechender Regelmäßigkeit jedes Jahr wiederkehrt, können sich auch Produzenten auf das Fest vorbereiten. Sehen wir uns also genauer die Probleme an, die während der Vorproduktion für die innerbetriebliche Logistik und Produktion entstehen und wie sich die Verantwortlichen auf ein frohes Fest vorbereiten können.

Fehleinschätzung der Nachfrage

Wie in den oben genannten Beispielen hängen schwerwiegende Lieferprobleme rund um die Weihnachtszeit häufig mit einem unerwarteten Hype um die aufgeführten Produkte und einer entsprechend falsch prognostizierten Nachfrage zusammen. Solche eher überraschenden Nachfragespitzen, die die eigene Hoffnung auf Erfolg übertreffen, sind natürlich schwer zu prognostizieren. Dennoch gibt es bestimmte Richtwerte, unter anderem von ähnlichen zuvor verkauften Produkten, an denen man sich bei der Prognose orientieren kann. Um möglichst genaue Nachfrageprognosen abgeben zu kommen, sollten zusätzlich zu vergangenen Verbrauchsmustern die mutmaßlichen Auswirkungen zu aktuellen Trends herangezogen werden. Eine optimale Absatzplanung kombiniert an dieser Stelle die mathematische Grundlage der Prognosen mit menschlicher Marktexpertise.

Fehlerhaftes Lieferanten- und Bestandsmanagement

In der Produktion ist außerdem noch zu beachten, dass auch die Produktion der Lieferanten von Zukaufprodukten stark ansteigt. In einer solchen Abhängigkeitsbeziehung kann es schnell zu kurzfristigen Störungen kommen, die die Lieferfähigkeit massiv beeinträchtigen können. Beim iPhone X hieß es beispielsweise, die Komponenten für die 3D-Kamera seien schuld an dem Produktionsengpass. Solchen Problemen kann z.B. durch eine entsprechende Diversifizierung der Lieferanten vorgebeugt werden. Teilweise konkurrieren aber viele Unternehmen um dieselben Zukaufteile oder Rohstoffe wo ein rechtzeitiges Aufstocken der Bestände notwendig ist – natürlich ohne für Überbestände zu sorgen. Ein Risikomanagement der Lieferanten sowie ein intelligentes Bestandsmanagement können hier unterstützen, um anhand historischer Absätze und daraus abgeleiteter Prognosen sowie einem Alert-Mechanismus besser zu planen.

Stau im Werk

Nicht nur beim Endverbraucher entscheidet eine reibungslose Logistik über Freud und Leid beim Weihnachtsfest, denn die innerbetriebliche Logistik sichert die Produktionsversorgung. Und wenn die Produktion hochfährt, müssen auch die Transportaufträge dementsprechend flexibel und schnell geplant werden. Das ist auch abgesehen von saisonalen Hochzeiten manuell kaum zu bewältigen, in den Hochphasen wird es nahezu unmöglich. Wenn der Weihnachts-Boom also schon im Sommer in den Produktionen einschlägt, sollte im besten Fall bereits ein intelligentes Transportleitsystem implementiert sein, das die Transportaufträge so plant, dass Material rechtzeitig in der Produktion ankommt. Die Suche nach Material hat dann ein Ende.

Fazit

Weihnachten ist eine stressige Zeit, für Endkonsumenten und viel mehr noch für Produktions- und Logistikunternehmen. Hier beginnt schon Monate bevor sich die Konsumenten Gedanken über Geschenke machen die Vorbereitung. Es gibt aber Möglichkeiten diesem Stress vorzubeugen, um die festliche Stimmung dennoch zu genießen, wie unter anderem detaillierte Prognosen in der Absatz- und Bestandsplanung. Zudem sollte – und das nicht nur für Weihnachten – eine intelligente Planung der logistischen Transportmittel implementiert sein, damit der Weihnachtsstress nicht die Transportaufträge und folglich die Produktion beeinflusst.

Welche Herausforderungen sehen Sie für die Logistik und Produktion durch saisonale Schwankungen? Welche Erfahrungen haben Sie hier bereits gemacht?

 

 



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Über den Autor

  • Luisa Walendy

    Luisa Walendy arbeitet seit 2015 für die INFORM GmbH und schreibt hauptsächlich zu den Themen Produktion und Industrielogistik.

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