Der Kunde ist König – Individualisierte Produktion mit Losgröße 1

von Adrian Weiler

Die meisten Produkte in Industrie und Handel durchlaufen einen vielschichtigen Prozess, bevor sie den Endverbraucher erreichen. Ein fertiggestelltes Fahrzeug etwa ist das Ergebnis einer weit verzweigten Wertschöpfungskette, oft global vernetzt und zunehmend komplex. Doch während individuelle Kundenwünsche beim Fahrzeugbau oder auch bei Computerhardware (wie beim Geschäftsmodell von Dell) schon lange Beachtung finden, setzt sich der Trend zur personalisierten Ware und größerer Variantenvielfalt auch in Branchen fort, die sich erst seit Kurzem mit dieser neuen Entwicklung auseinandersetzen müssen. Der Gesellschaftstrend der Individualisierung gepaart mit neuen Technologien, die die enthaltenen Erwartungen tatsächlich erfüllen können, erzeugt einen Marktdruck, der viele Produktionsprozesse nachhaltig verändern wird.

Wie das Arbeitsvolumen tendenziell in einzelne, kleinere Aufgaben zerfällt, beobachten wir beispielsweise an neuen Verfahren, die sich den 3D-Druck zu Nutze machen. Konkrete Anwendung finden sich etwa in der Kunststoffindustrie: 3D-Drucktechnologie statt Feingussverfahren, um Kleinserien oder Einzelfertigungen wirtschaftlich herzustellen. Nun steht der 3D-Druck stellvertretend für eine ambitionierte Vision, nämlich die einer Massenfertigung in Losgröße 1. Können sich Unternehmen auf eine Weise entwickeln, die solch individualisierte Kundenangebote und effiziente Fertigung miteinander vereint? Was bedeutet diese Entwicklung und wie lässt sich die Produktion unter diesen Umständen auch in Zukunft noch optimal koordinieren?

Produktion in kleinen Losen, bis hin zur Losgröße 1

Massenware als Einzelstück - Ein Oxymoron, was nach vollständiger Wunscherfüllung bei geringen Kosten klingt, ein Garant für Kundenzufriedenheit bei hohen Gewinnen. Vermutlich werden die meisten Unternehmer aber eher an die zahlreichen Probleme denken, die mehr Auswahl und kleinere Losgrößen in der Herstellung verursachen:

  • Höhere Variantenvielfalt bedeutet ein ansprechendes Produktportfolio für die Kunden, doch während der Umsatz häufig nur geringfügig wächst, steigen die Kosten signifikant aufgrund höherer Lagerbestände.
  • Die Rüstkosten und -zeiten steigen deutlich, wenn die Produktionsanlagen häufiger an individuelle Anforderungen angepasst werden müssen.
  • Kleinere und deshalb zahlreichere Lose resultieren in zunehmender Komplexität der Prozesse, die wiederum besser koordiniert werden müssen. Häufig ist leider das Gegenteil der Fall: Komplexe Abläufe wirken sich in der Regel negativ auf die Güte der Koordination aus.
  • Auftragsdurchlaufzeiten werden wesentlich von den Liegezeiten der Produkte zwischen Bearbeitungsvorgängen bestimmt. Komplexität und suboptimale Planungsqualität führen aber dazu, dass sich diese unnötig in die Länge ziehen.
  • Mehr Varianten bei gleicher Nachfrage führen zu kleineren Losen. Für jede Variante müssen aber separat Sicherheitsbestände vorgehalten werden, die insgesamt einen größeren Bestand verursachen. Auch mit Lieferanten kann es zu Problemen kommen, wenn diese nur in einer bestimmten Mindestlosgröße liefern können, ohne Mindermengenzuschläge zu verlangen.

Grundsätzlich bedeutet individualisierte Massenproduktion, dass viele Entscheidungen, die früher durch das produzierende Unternehmen weit im Voraus getroffen werden konnten, heute relativ kurzfristig durch den Kunden erfolgen. Das führt naturgemäß zu einer deutlichen Zunahme von Unsicherheit in der Planung. Die klassischen Wertschöpfungsketten brauchen deshalb mehr Agilität, also eine hohe Anpassungsfähigkeit und Geschwindigkeit. Gleichbleibende Verfügbarkeit aller gewünschten Teile, ohne überhöhte Bestände in Kauf nehmen zu müssen, lässt sich nur durch optimierte Wertschöpfungsnetzwerke sicherstellen. Die Lösung liegt in abteilungsübergreifender, optimierter Planungsqualität gestützt auf Algorithmen mit künstlicher Entscheidungsintelligenz, um die wachsende Anzahl einzelner Aufgaben blitzschnell koordinieren zu können.

Planungsqualität in der Fertigung durch Agile Optimierung

Eine erfolgreiche Supply Chain muss darauf ausgerichtet sein, schnell zu reagieren und auch kleine Losgrößen wirtschaftlich produzieren zu können. Schnell eine Lösung zu finden hilft aber nur dann, wenn diese auch von hoher Qualität und gut realisierbar ist. "Agile Optimierungssoftware" basiert auf Algorithmen aus Operations Research und Fuzzy Logic. Diese hochentwickelten Optimierungsverfahren ermöglichen es, Millionen von alternativ möglichen Ablaufsequenzen und Handlungsalternativen tagesaktuell zu vergleichen und nach der sinnvollsten Sequenz zu untersuchen. Für die Produktion bedeutet das, auch bei zunehmender Komplexität bei kleinen Losgrößen auf plötzlich auftretende Störungen oder Veränderungen zu jedem Zeitpunkt reagieren zu können. Wenn etwa Produktionsteile fehlen oder Ersatzteile nicht rechtzeitig geliefert werden können, muss eine situative Umplanung der Prozesse kostenoptimiert und flexibel möglich sein. Algorithmen sind dafür das notwendige Werkzeug, das Unternehmen optimale Entscheidungshilfen an die Hand gibt.

Ein Blick in die Zukunft

Produktion in kleinen Losen bis hin zur Losgröße 1 bleibt auch in Zukunft eine herausfordernde Art der Fertigung. Doch die weitere Entwicklung von 3D-Druckverfahren und die Möglichkeiten einer individuellen Konfiguration von Aufträgen über das Internet werden den Trend zu individualisierten Produkten auch weiterhin fördern. Wenn Unternehmen deshalb umdenken und sich neuen Verfahren wie "One-Piece-Flow-Lösungen" zuwenden, um die Ansprüche ihrer Kunden zu erfüllen, sind sie auf effektive Softwarelösungen angewiesen, die ihnen helfen, mit der neuen Situation umzugehen. Die Notwendigkeit einer Losgröße 1 rückt näher, Planungsansätze auf der Basis entscheidungsintelligenter Algorithmen sichern den strategischen Rahmen.

Fertigen Sie schon Serienprodukte in Losgröße 1? Welche Schwierigkeiten begegnen Ihnen dabei in der Produktion und wie gehen Sie diese an?



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