Der Produktionsplaner von morgen: eine eierlegende Wollmilchsau?

von Stefan Auerbach

In produzierenden Unternehmen versteht man die Position des Produktionsplaners bzw. der Produktionsplanerin schon lange als elementaren Bestandteil einer integrierten Supply Chain. Theoretisch. Praktisch kochen Produktionsverantwortliche wie auch Beschaffung, Vertrieb und Einkauf oft noch ein ganz eigenes Süppchen – aber dazu später mehr.

Was muss ein Produktionsplaner mitbringen?

Erst einmal sieht die Stellenbeschreibung des klassischen Produktionsplaners vor, dass er eine Kapazitätsplanung und -steuerung der Produktionsressourcen vornimmt, Absprache mit der Produktionsfeinplanung hält, Prioritäten in den Aufträgen setzt und Lagerbestände und die Produktionsaufträge immer im Blick behält. Für den Fachmann und die Fachfrau klingt das grundsätzlich nach der Umsetzung des lange angeeigneten theoretischen Fachwissens. In der Praxis und der operativen Arbeit erschweren aber viele weitere Einflüsse diese Aufgaben: Das Datenmanagement spielt heutzutage auch in der Produktionsplanung eine entscheidende Rolle, sodass der Produktionsplaner auch Kennzahlen steuern und die Datenpflege im Auge behalten muss. Darunter fällt zum Beispiel auch die Entscheidung, welche Kennzahl denn überhaupt so planungsrelevant ist, dass sie manuell gesteuert und gepflegt werden muss und welche vielleicht automatisiert eingestellt werden kann, wie zum Beispiel Mindestbestellmengen beim Lieferanten. Außerdem pocht das Management zunehmend auf Wirtschaftlichkeit. Der heutige Produktionsplaner muss also bei allem, was er tut, auch noch Kosten einsparen, ohne Effizienz oder Performance einzubüßen. Wie schwierig das ist, zeigt der Konflikt des Rüstens ganz deutlich: Wird wenig gerüstet, spart dies Zeit und reduziert Stillstandzeiten der Maschine. Aber gleichzeitig bedeutet wenig Rüsten auch große Losgrößen, die wiederrum viel Lagerplatz in Anspruch nehmen und oft über dem tatsächlichen Bedarf liegen. Auch durch die angestrebte individuelle Produktion mit kleinen Losen und großer Variantenvielfalt balanciert der Produktionsplaner fortwährend auf dem Hochseil.

Software als Notwendigkeit

Ohne technische Unterstützung müssen Produktionsverantwortliche also schon eierlegenden Wollmilchsäuen gleichen, um all diese Anforderungen zu bewältigen. Damit ist klar, dass eine Produktionsplanung, die den Zielen der Wirtschaftlichkeit oder neuen Herausforderungen wie Individualisierung und Industrie 4.0 gerecht werden soll, intelligente IT benötigt. Dies führt uns zur nächsten erforderlichen Qualifikation: „Digital Skills“. Damit Software die Aufgaben in der Produktionsplanung optimal unterstützt, müssen Verständnis und Akzeptanz für ihren Einsatz vorhanden sein. Oft bilden mehrere Softwaresysteme für jede Abteilung (Beschaffung, Vertrieb, Produktion) die IT-Landschaft in einem Unternehmen. Eine Inselplanung ist weit verbreitet. Ein einheitlicher Wissensstand und eine Planung, die allen Zielen gerecht wird, scheitern schon an der Datenübertragung von einer in die andere Abteilung.

Zusammenarbeit entlang der Kette

Das Ziel muss eine Planung auf einheitlicher Informationsbasis sein. Was der Vertrieb plant, darüber muss die Produktion Bescheid wissen. Informationen darüber, wieviel die Produktion fertigt, benötigt wiederrum die Beschaffung. So bilden sich zahlreiche Abhängigkeiten entlang der internen Lieferkette. Medienbrüche sind eine Fessel für die ganzheitliche Planung. Alle Ziele von Vertrieb, Beschaffung, Produktion und Management müssen in eine gemeinsame Planungssoftware eingespeist werden. Nur so werden Interdependenzen erkannt, nur so werden manuelle Umstrukturierungen im Plan, verspätete Lieferungen und unnötige Kosten vermeidbar.

Die höchste Disziplin: simultane Planung

Befinden sich alle Verantwortlichen der Planungsabteilungen auf einem gemeinsamen Wissensstand, kann es dennoch zu fehlerhaften Produktionsplänen kommen, weil die zahlreichen Restriktionen und Ziele jeder Abteilung in einer gewöhnlichen Schritt-für-Schritt Betrachtung nicht optimal aufeinander abgestimmt werden können. Ein Planungsergebnis, das jede Bedingung berücksichtigt und für jeden Prozess der internen Supply Chain optimiert ist, erreicht man daher nur durch simultane Planung. Bei der Simultanplanung werden nämlich bereits zu Beginn der Planung alle Nebenbedingungen entlang der gesamten Liefer- und Produktionskette gleichzeitig betrachtet. Warenverfügbarkeit und kapazitive Machbarkeit werden dabei bereits für die Losgrößenbestimmung simultan berücksichtigt. Das Ergebnis ist ein kostenoptimiertes und robustes Produktionsprogramm.

Fazit

Mit der richtigen Unterstützung in Form einer intelligenten Software für die simultane Produktionsplanung müssen Produktionsplaner und -Planerinnen keine Wunder vollbringen. Durch die ganzheitliche Betrachtung aller Schwierigkeiten entlang der Lieferkette, die moderne Optimierungsalgorithmen leisten können, und durch ein Management-by-Exception Konzept, können sie ihre volle Aufmerksamkeit den wirklich wichtigen und kritischen Situationen widmen.



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Über den Autor

  • Stefan Auerbach

    Stefan Auerbach ist seit 2015 bei der INFORM GmbH tätig und beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Themenschwerpunkt Simultane Produktionsplanung.

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