Diagnose Digitalisierungsmangel - wann wird die Krankenhauslogistik endlich digital?

von Luisa Walendy
Arzt zeigt auf Datensheet
Headerbild: PopTika/shutterstock.com

Deutschland hinkt bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen hinterher. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung erreicht Deutschland einen Digital-Health-Index von 30,02 Punkten. Zum Vergleich: Spitzenreiter Estland erreicht 81,92 Punkte, der Mittelwert liegt bei 58,99. Damit belegt Deutschland Rang 16 von 17 untersuchten Ländern. Untersucht wurde, wie aktiv die Gesundheitspolitik in den Ländern bei der Digitalisierung handelt, welche Strategien es gibt, ob sie funktionieren, welche technischen Voraussetzungen vorhanden sind und inwieweit diese tatsächlich genutzt werden.

Noch fehlen digitale Technologien in deutschen Kliniken

Der digitale Fortschritt kommt dementsprechend in Deutschland nicht wirklich beim Patienten an. Beispielsweise werden in anderen Ländern wie Kanada oder Dänemark Rezepte bereits digital übermittelt und wichtige Gesundheitsdaten der Patienten in elektronischen Akten gespeichert, sodass Ärzte und Kliniken direkt darauf zugreifen können. Die Patienten können dort ihre Untersuchungsergebnisse oder Medikationspläne auch online einsehen und Zugriffsmöglichkeiten selbst verwalten. In Israel und Kanada sind Ferndiagnosen und Fernbehandlungen per Video bereits selbstverständlicher Teil der Gesundheitsversorgung. Hier besteht in Deutschland noch Nachholbedarf.

Wo soll man anfangen?

Es gibt sicherlich verschiedene erfolgreich digitalisierte Länder, an denen man sich hier ein Beispiel nehmen und lernen könnte. Laut der Bertelsmann-Studie fehlen in Deutschland in erster Linie eine zentrale Stelle für die Digitalisierung des Gesundheitswesens, ein klarer politischer Rahmen sowie eine schrittweise Einführung einzelner Prozesse.

Aus individueller Sicht von Krankenhäusern stellt sich jedoch meist zunächst die Frage, welche Prozesse man bei schrittweiser Vorgehensweise als erstes angehen sollte. Ein Bereich, der viel Potenzial bietet, ist beispielsweise die Krankenhauslogistik.

Wichtig für eine erfolgreiche Digitalisierung ist hier die Koordination der Prozesse von zentraler Stelle. Die verschiedenen Informations- und Arbeitsabläufe benötigen eine effektive Steuerung, damit sich das Krankenhauspersonal komplett auf die Behandlung und Pflege der Patienten konzentrieren kann. Patiententransporte, Waren- und Regeltransporte, Hol- und Bringdienste sowie verschiedene Serviceleistungen wie Bettenaufbereitung oder Reinigung sind komplex in der Planung und ein zentraler Überblick notwendig, um möglichst effizient agieren und auf Notfälle reagieren zu können.

Moderne Softwarelösungen unterstützen

Es gibt intelligente Softwaresysteme, die genau diese Steuerung und Koordination der komplexen Prozesse übernehmen. Transporteure sowie Betten, Rollstühle und Wagen können mithilfe dieser Lösungen zentral gesteuert und geplant werden. Dafür betrachtet die Software alle offenen Aufträge und weist dann unter Berücksichtigung aller festgelegten Rahmenbedingungen und der aktuellen Einsatzsituation den Transporteuren die jeweiligen Aufträge über ein mobiles Kommunikationsgerät wie zum Beispiel ein Smartphone zu.

Das Ergebnis sind Prozesse, welche so geplant sind, dass die Pünktlichkeit von Patienten- und Materialtransporten signifikant verbessert wird. Außerdem ermöglicht ein zentraler Überblick über die aktuelle Transportsituation eine Vernetzung aller Beteiligten – Funktionen, Stationen und Transportdienst. Leerlaufstrecken werden minimiert und bei unvorhergesehenen Ereignissen kann besser und vor allem schneller reagiert werden. Durch die Entlastung der Ärzte und Pflegekräfte von nicht-medizinischen Aufgaben kann der Fokus wieder voll und ganz auf den Patienten und deren Wohlbefinden liegen sowie deren Wartezeiten auf Transporte vor und nach Untersuchungen reduziert werden.

Zusätzliche Vorteile

Die Digitalisierung ist aber nicht das einzige, was das deutsche Gesundheitswesen zurzeit beschäftigt. So hat die Gesundheitsbranche mit einem Personalmangel zu kämpfen, die Suche nach geeignetem und qualifiziertem Fachpersonal stellt Krankenhäuser täglich vor Herausforderungen. Moderne Logistiksysteme können auch dieses Problem bis zu einem gewissen Grad auffangen. Durch die Entlastung des Personals von patientenfernen Aufgaben entsteht neue Kapazität und die vorhandenen Mitarbeiter können effizienter eingesetzt werden.

Eine weitere Herausforderung von Krankenhäusern ist der steigende Kostendruck. Daher sollten Arbeitsabläufe wirtschaftlicher gestaltet werden. Hier kann eine gut organisierte und gesteuerte Krankenhauslogistik helfen, intern Transportkosten bis zu 40 Prozent einzusparen. Ein Krankenhauslogistiksystem ermöglicht außerdem die reibungslose Zusammenarbeit von Mitarbeitern verschiedener Arbeitsgruppen.

Fazit

Das deutsche Gesundheitswesen hat Optimierungsbedarf hinsichtlich der Digitalisierung. Kostendruck und Personalmangel verstärken den Bedarf an digitalen, effizienten Prozessen. Die Krankenhauslogistik ist ein Bereich, in dem noch viel ungenutztes Potenzial zur Effizienzsteigerung in den täglichen Prozessen steckt und der Chancen bietet, die Herausforderungen einer besseren Patientenversorgung und Wirtschaftlichkeit in Krankenhäusern anzugehen. Schritt für Schritt kann man von hier aus den Weg zum digitalen Krankenhaus starten.

Welche Erfahrung haben Sie mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen? Wo liegen Ihrer Meinung nach noch Potenziale brach?

 



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Über den Autor

  • Luisa Walendy

    Luisa Walendy arbeitet seit 2015 für die INFORM GmbH und schreibt hauptsächlich zu den Themen Produktion und Industrielogistik.

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