Die KI und Ich – die Zukunft technologisch unterstützender Entscheidungsfindung

von David Stolzenberger

Der Konflikt zwischen Altbewährtem und neuer Technologie ist etwas, welchem wir regelmäßig neu begegnen. Natürlich greift auch die Filmindustrie dieses Topos gerne auf, wie z.B. im Indie-Film "Robot and Frank" aus dem Jahr 2012. Der einst berühmte Juwelendieb und heute demente Frank - der nichts von der sich wandelnden Welt wissen möchte - bekommt von seinem Sohn einen Haushaltsroboter, welcher ihn im Alltag unterstützen soll. Frank wehrt sich anfangs gegen diese vermeintliche Hilfe, denn er möchte lieber in seiner alten vertrauten Welt leben. Schnell erkennt Frank jedoch, dass dieser Roboter ihm neben Hausarbeit und Essen machen auch bei seiner früheren Lieblingsbeschäftigung helfen kann – Juwelen zu stehlen. Zwischen den beiden entsteht eine wahre Freundschaft und sie wachsen zusammen.

Zwar dürfte die Zahl der Personen, die mit ihrem Haushaltsroboter auf Juwelenraubzug gehen, eher gering sein. Dennoch erleben wir alle in den letzten Jahren einen Einzug von künstlicher Intelligenz in viele Arbeitsbereiche, die vorher eher analog organisiert waren.

 

Studie zur Entscheidungsfindung mit KI

So wie Frank nach anfänglichen Schwierigkeiten die Vorzüge von künstlicher Intelligenz für sich erkennt, gibt es auch bei Führungs- und Fachkräften einen Wandel bezüglich der Akzeptanz von KI, welche mehr und mehr in Ihren Alltag rückt. Die spannende Frage ist daher:

Entwickelt sich hier echte Kollaboration? Wie werden menschliche Intelligenz und KI in Zukunft zusammenarbeiten?

Dieser Frage ging das Beratungsunternehmen Kienbaum Consulting gemeinsam mit der Plattform für innovative Organisationsentwicklung ada nach. In der kürzlich veröffentlichten Studie mit dem TitelLeadership in the Age of Technologically Assisted Decision-Making“ - "Führung im Zeitalter der technologisch unterstützten Entscheidungsfindung", wurden 500 hauptsächlich Führungs- aber auch Fachkräfte, welche im Arbeitsalltag mit technologisch unterstützter Entscheidungsfindung konfrontiert sind, befragt. Die Befragten arbeiten verteilt in Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 2 Milliarden Euro und Mitarbeiterzahlen zwischen 100 und 100.000. Hervorzuheben ist, dass alle Befragten ein Bewusstsein in Bezug auf die Verantwortung für Gesellschaft, Nachhaltigkeit und Ethik im Umgang mit künstlicher Intelligenz aufweisen.

 

KI hat starke strategische Relevanz

Allgemein dürfte es wenig überraschen, dass der aktuelle Trend in Richtung des Einsatzes von KI-Systemen geht. Deutschland galt lange in puncto Digitalisierung als veraltet und hinterher. Dies wurde nicht zuletzt im Zuge der Corona Pandemie besonders deutlich. Der dadurch erzeugte Druck gab Aufwind für entsprechende Systeme. KI gilt heute als wichtigste Zukunftstechnologie.

Diesen Trend bestätigt auch die Studie. In etwa 2/3 der befragten Unternehmen werden bereits KI-Systeme eingesetzt. Rund die Hälfte erklärt, dass der Einsatz von „technologisch unterstützender Entscheidungsfindung“ für sie von „starker strategischer Relevanz“ sei, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

 

Mehrheit sieht Entscheidungsautonomie gefährdet

60% der Befragten sehen ihre Entscheidungsautonomie in Zukunft durch den Einsatz von KI gefährdet. 45% gaben jedoch an, in Zukunft „eng“ mit KI zusammenzuarbeiten, wenn sie die letztendliche Entscheidungshoheit behalten würden. 17% der Befragten sind „voll und ganz bereit“ und weitere 47% „eher bereit“ Entscheidungen von einer KI übernehmen zu lassen.

In einem Interview mit der Zeitung brandeins erklärt Prof. Markus Giesler von der Schulich School of Business der York University in Toronto, Firmen sollten die Angst bei Mitarbeitenden hemmen, indem diese erklären, wie KI die Zusammenarbeit verbessern kann und nicht welche Jobs bald der Vergangenheit angehören. Die Angst, dass KI den Menschen ablöst, sei eine der größten unserer heutigen Zeit. Es gehe dabei um Verlustangst, eben das zu verlieren war uns als Menschen ausmacht - Entscheidungsautonomie und Individualität.

Generell neigen Menschen in brenzligen oder unbekannten Situationen dazu, auf ihr Bauchgefühl zu hören. Im Fall der „unbekannten“ KI würde eine rationale Herangehensweise zeigen, dass KI viele Prozesse optimiert und die Zusammenarbeit zwischen Menschen und Maschine verbessert – anstatt Jobs auszulöschen.

 

KI: operativ oder strategisch?

Welche Entscheidungen eine künstliche Intelligenz übernehmen soll, bleibt laut den Ergebnissen der Studie unklar.

Auf der einen Seite gaben 32% der Befragten an, dass KI strategische und operative Entscheidungen treffen wird. Weitere 30% sagten, sie solle nur strategische Entscheidungen übernehmen. 53% gaben zudem an, dass KI von „starker“ und 39% von „teilweiser Relevanz“ sei. Dieses Ergebnis ist erstaunlich, denn KI ist für strategische Entscheidungen prinzipiell weit weniger geeignet als für operative Fragestellungen. Strategische Entscheidungen beruhen in der Regel auf komplexen Kontexten, die nur sehr schwierig in KI-Modelle gegossen werden können.

Auf der anderen Seite gaben 46% an, es sollen operative Entscheidungen zunehmend von einer KI und strategische vom Menschen übernommen werden.

Klar ist, KI wird sich mehr und mehr in unseren Alltag integrieren. Wir sehen, egal ob in operativen oder strategischen Bereichen - KI wird sich in den kommenden Jahren weiter in deutschen Unternehmen festigen.

Doch wie sehen Entscheidungen im Alltag aus? Einige deutsche Unternehmen zeigen schon heute, wie grundsätzlich eine Zusammenarbeit zwischen KI und Management-Ebene aussehen kann.

 

2 Gabelstapler - 3 Milliarden Möglichkeiten

Ein Anwendungsfeld, wo operative Entscheidungen von KI effizient abgenommen werden können, ist die Werkslogistik. KI kann zum Beispiel beim Steuern von Gabelstaplern entscheiden: welcher Gabelstapler soll welche Güter von A nach B bringen? In einem Werk mit 10 Aufträgen und 2 Gabelstaplern gibt es allein mehr als 3 Milliarden (10 Fakultät) mögliche Reihenfolgen diese optimal und effektiv einzusetzen. Eine Zahl, die ein Disponent unmöglich alle abwägen könnte, um richtig entscheiden zu können. KI berücksichtigt in diesem Fall bei ihren Entscheidungen viel mehr Parameter als ein Mensch im Blick behalten könnte. Zudem muss KI hunderte Bewegungen am Tag gleichzeitig berücksichtigen und auch auf ungeplante Veränderungen schnell reagieren können. Bei solchen Einsatzmöglichkeiten arbeitet künstliche Intelligenz den Mitarbeitenden zu, wodurch deren Arbeit optimiert und erleichtert wird.

 

Planung erleichtern – strategische eingesetzte KI Hilft

Wie bereits erwähnt, sind strategische Entscheidungssituationen häufig sehr komplex und daher extrem schwierig automatisierbar. Jedoch kann KI hier eine wertvolle Entscheidungsbasis bieten. So ist z.B. die Absatzplanung ein Prozess, welcher eher für einen mittelfristigen Zeitraum angesetzt ist und bei dem der einzelne Planer aus einer Vielfalt von Daten aus Produktion, Vertrieb oder Management in verschiedenen Dimensionen (z.B. Länder, Werke oder Produktgruppen) Entscheidungen für die nächsten Tage, Wochen oder Monate treffen muss. KI kann hier mit entsprechenden Prognosemodellen helfen, Trends frühzeitig zu identifizieren und die Planung entsprechend anzupassen. Mit Hilfe von Machine-Learning-Methoden können hier z.B. auch externe Einflüsse wie Wetterabhängigkeiten beim Absatz bestimmter Lebensmittel (wie z.B. der Grillwurst an heißen Sommertagen) viel genauer kalkuliert werden als es das eigene Bauchgefühl vermag.

 

Arbeiten mit KI ist unumgänglich

Die von Kienbaum und ada durchgeführte Studie legt die Schlussfolgerung nahe, dass Führungskräfte verstanden haben, dass es Heute und in Zukunft unumgänglich ist, mit KI zusammenzuarbeiten. Künstliche Intelligenz im richtigen Maße kann sie bei vielen ihrer Prozesse und Entscheidungen unterstützen und diese verbessern.

Anders als bei Juwelendieb Frank bereichern sich die Führungskräfte nicht mit Edelsteinen. Vielmehr sind die Juwelen vergleichbar mit den Ergebnissen einer agilen Optimierung der Prozesse: Schnellere und gleichzeitig bessere Entscheidungen – stets in Zusammenarbeit mit der KI.

Die Studie hat aber auch gezeigt: Der Mensch will weiterhin die letzte Instanz bei Entscheidungen sein und das ist sicherlich in den meisten Fällen auch sinnvoll. Die Frage der Verantwortung einer Entscheidung ist – und das nicht zuletzt aufgrund ambitionierter Projekte wie autonomem Fahren – eine sehr komplexe, die gesellschaftlich in den nächsten Jahren diskutiert werden muss.

Wie halten Sie es mit KI?
Haben sie in ihrem Alltag mit KI zu tun und welche Entscheidungen würden Sie einer Maschine überlassen und was würden Sie immer selbst entscheiden wollen?



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Über den Autor

  • David Stolzenberger war zwischen April 2022 und August 2022 im Marketing und im Business Development von INFORM tätig. Er hat sich dabei speziell mit den Themen Vehicle Logistics, Projekt- und Produktmanagement sowie Künstliche Intelligenz beschäftigt.

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