Die speziellen Herausforderungen an ein flexibles Projektmanagement im Maschinen- und Anlagenbau

von Markus Günther

Das Projektmanagement im Maschinen- und Anlagenbau gleicht häufig einem Puzzle. Aus tausenden von Teilen soll am Ende ein harmonisches Bild entstehen. Diese Aufgabe wirkt auf den ersten Blick unlösbar – sie ist auch zugegebenermaßen sehr viel herausfordernder als ein „Standard“-Puzzle. Der große Unterschied: Man kauft normalerweise alle Puzzleteile gesammelt in einer Kiste. Im Maschinen- und Anlagenbau steigt die Komplexität jedoch zusätzlich mit der Kombination aus Zukaufteilen und selbsthergestellten Teilen. Ein Maschinen- und Anlagenbauer benötigt daher oft ein umfangreiches Projektmanagement. Denn von der Komplexität ist meist nicht nur die Fertigung selbst betroffen. Vor- und nachgelagerte Bereiche wie Einkauf oder Konstruktion beeinflussen einen reibungslosen Projektablauf ebenfalls maßgeblich. Gerade in der Montage ist es ausschlaggebend, dass alle Teile zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zur Verfügung stehen. Deshalb ist es wichtig, dass der Maschinen- und Anlagenbau eine einheitliche Planung von der Projektierung und Konstruktion bis zur Außenmontage und Inbetriebnahme umsetzen kann.

Einen zentralen Überblick schaffen

Grundsätzlich gibt es in großen Produktionsunternehmen nicht nur eine einzige Informationsquelle, die in der Projektplanung berücksichtigt werden muss. Daher sollten alle Informationsquellen zentral zusammengeführt und vernetzt werden, damit eine Transparenz über den gesamten Wertschöpfungsprozess entsteht. Einzellösungen z.B. in Excel sind hier nicht zielführend, da sie zu einem höheren Pflegeaufwand und Redundanz führen können. Durch die zentrale Übersicht können alle Daten dann in sinnvolle Projektprozesse umgesetzt werden.

Branchenspezifisch entstehen für das Projektmanagement im Maschinen- und Anlagenbau – neben der Einhaltung von Budgets und Terminen – zusätzlich ganz besondere Herausforderungen in der Planung.

Die speziellen Herausforderungen im Projektmanagement

  • Montageplatz: Maschinen und Anlagen benötigen während der Montage über eine längere Zeit einen Stellplatz. Auch dieser Platz kann ein Engpass sein und muss im Einklang mit der Termin- und Fehlteilsituation geplant werden.
  • Außenmontage: Häufig müssen Maschinen und Anlagen am endgültigen Einsatzort montiert und in Betrieb genommen werden. Dazu wird häufig das gleiche Personal verwendet, das auch intern montiert. Daher muss auch die Außenmontage dementsprechend geplant werden, um hier eine vernünftige Personalplanung ohne Doppelverwendung zu erreichen.
  • Mitarbeitereinsatz: Mitarbeiter werden bestimmten Maschinen und Anlagen oder auch konkreten Vorgängen zugeordnet. Dabei müssen bestimmte Bedingungen wie zum Beispiel die Qualifikation oder die zeitliche Verfügbarkeit berücksichtigt werden.
  • Materialverfügbarkeit: Neben Platz und Personal ist die Teileverfügbarkeit ein wichtiger Teil der Planung. Hierbei geht es darum, frühzeitig zu erkennen, wo Fehlteile drohen, um proaktiv agieren zu können.
  • Einbindung der Konstruktion in die Planung: Am Anfang der meisten Projekte im Maschinen- und Anlagenbau steht ein konstruktiver Teil. Um eine ideale Planung des Projektablaufes sichern zu können, sollte auch die Konstruktion kapazitiv und terminlich geplant werden, um hier frühzeitig drohende Engpässe und Verschiebungen erkennen zu können.

Die aufgeführten Punkte werden dem ein oder anderen Projektverantwortlichem aus dem Maschinen- und Anlagenbau bekannt vorkommen. Neben der Budget- und Termineinhaltung sowie einer abteilungsübergreifenden Informationstransparenz sind diese Herausforderungen nicht außer Acht zu lassen.

Fazit

Das Projektmanagement im Maschinen- und Anlagenbau ist eine komplexe Aufgabe, bei der alle Bereiche vom Einkauf bis zur Konstruktion und Montage zentral überblickt und geplant werden müssen. Um diese Transparenz zu schaffen und auch bei Änderungen in jedem der Bereiche reagieren zu können, ist eine flexible Planung nötig. Ansonsten droht eine zeitverzögerte und fehleranfällige Kommunikation über die verschiedenen Fachbereiche hinweg. Daher ist es wichtig, dass die Daten übergreifend in Echtzeit zusammengeführt werden, um so eine bereichsübergreifende Projektplanung für ein umfassendes Planungskonzept von der Konstruktion bis zur Montage zu erreichen. Im Maschinen- und Anlagenbau kommen noch einige branchenspezifische Herausforderungen hinzu: Die Verfügbarkeit von Material, Kapazitäten, Urlaubs- und Schichtplanung sowie Stellplätze müssen integriert werden.

Die Planung des Projektmanagements wirkt zunächst wie ein unlösbares Puzzle, bei näherer Betrachtung ist es vor allem wichtig, den weitläufigen Prozess komplett zu überblicken. Dafür eignen sich Produktionsplanungstools mit entsprechendem branchenspezifischem Leistungsportfolio. So kann man Schritt für Schritt zu einem stimmigen Gesamtbild kommen – ohne Verspätungen und Terminverschiebungen.

Was sehen Sie als größte Herausforderung im Projektmanagement des Maschinen- und Anlagenbaus?

 

 



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Über den Autor

  • Markus Günther

    Markus Günther arbeitet seit 1999 bei der INFORM und beschäftigt sich hauptsächlich mit der Weiterentwicklung von Lösungen für den Bereich Advanced Planning & Scheduling sowie Produktionsplanung.

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