Die Supply Chain in der Cloud

von Ingo Steinhaus

Die Steuerung unternehmensübergreifender Prozesse wird im Supply Chain Management immer wichtiger, die klassische lineare Lieferkette verwandelt sich demzufolge zu einem Liefernetzwerk aus kooperierenden Partnern. Dieser Wandel verläuft parallel zu dem Aufstieg des Internets der Dinge und der zunehmenden Vernetzung industrieller Komponenten.

Cloud-Plattformen als zentraler Umschlagplatz für Daten

Diese Entwicklung zeigt sich auch in den IT-Anwendungen, die von Logistikunternehmen eingesetzt werden. Ein wichtiges Konzept ist das Plattform-Modell, bei dem alle Mitglieder der Supply Chain die relevanten Daten an die Plattform senden. Sie bietet dadurch jedem einzelnen Teilnehmer Rohdaten für seine eigene Informationsverarbeitung an.

Voraussetzung ist ein zentraler Umschlagplatz für Daten, denn es ist leicht einsichtig, dass dies nicht zufriedenstellend über die IT-Organisation eines einzelnen Unternehmens innerhalb der Supply Chain erledigt werden kann. Letztlich würde das dazu führen, dass zumindest jedes größere Unternehmen eine eigene Plattform aufbauen müsste. Umgekehrt benötigt dann jeder Dienstleister den Zugriff auf Dutzende solcher Plattformen.

Dieses Szenario ist unrealistisch. Die im Moment beste Lösung sind Cloud-Technologien. Sie eignen sich dank der leichten und kosteneffizienten Skalierbarkeit besser als herkömmliche IT-Systeme für den Aufbau von zentralen Umschlagplätzen für Daten, die über digitale Prozesse verarbeitet werden. Deshalb setzt inzwischen jedes zweite Logistikunternehmen auf die Cloud. Dies ergab eine Online-Befragung von 218 Cloud-Experten aus 15 europäischen Ländern durch das Institut für Cloud Computing unter der Leitung von Prof. Dr. Uwe Hanning von der Universität Ludwigshafen. Spitzenplatz beim Einsatz der Cloud haben Anwendungen für das Supply Chain Management (SCM), vor allem in Firmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern.

Elastische Infrastruktur zu verbrauchsabhängigen Kosten

Ein großer Vorteil von Cloud-Anwendungen ist die einfache Möglichkeit, von zahlreichen Standorten auf Daten zuzugreifen und eine unternehmensübergreifende Zusammenarbeit zu etablieren. Dabei vernetzen sich die Logistik-Dienstleister, Cloudprovider und einzelne Teilnehmer der Supply Chain untereinander und interagieren via Cloud.

Ein weiterer Vorteil: Planungslösungen können schnell und mit geringem Personalaufwand eingerichtet werden. Dadurch können die Unternehmen betriebliche Abläufe optimieren, schnell auf neue Herausforderungen im Markt reagieren und Kosten senken. So erlauben Cloud-Lösungen eine leichtere Digitalisierung und Automatisierung von Logistikprozessen im Rahmen von Industrie 4.0.

Hinzu kommen allgemeine Vorteile: In erster Linie sind das die Elastizität und Skalierbarkeit von IT-Services durch die On-Demand-Kapazitäten eines Cloud-Rechenzentrums. Letztlich sind die IT-Ressourcen der Cloud „unendlich“, da sie jederzeit auf Anforderung hinzugebucht werden können. Und natürlich ist auch das Gegenteil möglich: Wer weniger IT benötigt, kann sie jederzeit wieder abbauen.

Bei den Nutzern einer Cloud-Anwendung werden zudem IT-Ressourcen entlastet. Für einen Cloud-Service entfällt die Wartung und Aktualisierung von Hardware und Software, was einen großen Teil der IT-Kosten ausmacht. Außerdem müssen keine Räumlichkeiten für Server bereitgehalten werden, wodurch die Kosten für die IT begrenzt werden.

Deutscher Standortvorteil

Doch es gibt auch eine zweite Seite der Medaille: Datenschutz und Informationssicherheit. Ein Unternehmen hat durch das Outsourcing an Cloud-Dienstleister nicht mehr jede Phase seiner Prozesse selber im Griff, sondern muss den Dienstleistern vertrauen.

Und Vertrauen ist eine sehr hoch gehandelte Währung bei Cloud-Services. Nicht umsonst sind die großen Anbieter wie Amazon Web Services (AWS) oder Microsoft, aber auch Betreiber von einzelnen Cloud-Apps wie Dropbox dazu übergegangen, in Deutschland eigene Rechenzentren aufzubauen.

Das bedeutet nicht zwangsweise, dass Rechenzentren außerhalb von Deutschland per se unsicherer wären. Die unterschiedlichen Auffassungen von Datenschutz hierzulande und in den USA befördern dennoch eine Skepsis vieler deutscher Unternehmen gegenüber einem Cloud-Service bei Nicht-EU-Dienstleistern. Ob begründet oder nur ungutes Gefühl– diese Skepsis hat auch ihren Preis, denn Cloud-Services, die deutschem sowie EU-Datenschutz unterliegen, sind tendenziell teurer als jene aus amerikanischen Standorten oder auch anderen EU-Staaten.



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Über den Autor

  • Ingo Steinhaus

    Ingo Steinhaus arbeitet seit 1991 als Freier IT-Journalist. Er ist Autor zahlreicher Computerbücher und veröffentlicht in bekannten Fachzeitschriften. Sein Interesse gilt allen technischen und digitalen Themen, vor allem digitaler Transformation, Innovation und Entrepreneurship. Diesen Themen widmet er sich auch in seinem Blog "Digital Heartland"

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