Digitale Nachverfolgung von Infektionsketten am Arbeitsplatz – wie CoronaTracer unterstützen

von Oliver Biel
Workers are talking with protective masks for coronavirus (covid-19) epidemic in the construction field. In humans, coronaviruses cause respiratory tract infections that can range from mild to lethal.
(c) GCShutter - Getty Images

Was hat Infektionsschutz mit Digitalisierung zu tun? Mit den Corona-Lockerungen, der Rückkehr aus dem Homeoffice und dem Wiederanlauf der Produktion in vielen Wirtschaftszweigen haben Arbeits- und Infektionsschutz eine vielleicht größere Dringlichkeit als jemals zuvor. Entsprechend umsichtig müssen Unternehmen nun handeln und Vorgaben des Gesundheitsschutzes umsetzen. So müssen Arbeitgeber gemäß des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales herausgegebenen SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard u.a. dafür Sorge tragen, dass Mitarbeiter weiterhin auf Distanz bleiben, um die Reproduktionszahl des SARS-CoV-2-Virus auch zukünftig unter der kritischen Marke von 1,0 halten zu können. Können sie dies nicht vermeiden, ist eine entsprechende Dokumentation der Mitarbeiterkontakte äußerst hilfreich. Digitale Lösungen können im Rahmen des betrieblichen Infektionsschutzes dabei unterstützen, nicht nur mögliche Übertragungswege des Virus einzuschränken, sondern auch Infektionsfälle zu verfolgen und die rechtzeitige Isolation eventueller Verdachtsfälle sicherzustellen – das alles mit dem Ziel, größere Betriebsschließungen möglicherweise vermeiden zu können.

Contact Tracing: Die Rückverfolgung von Infektionsketten

Covid-19 Social Bubble or Family Group

Im Rahmen der schrittweisen Wiederöffnung von Schulen, Kindergärten, Gastronomie, Freizeiteinrichtungen usw. bemühen sich Gesundheitsbehörden um die Nachverfolgung von Übertragungsketten, z. B. im Falle von Superspreading-Events. So soll die Verbreitung des SARS-CoV-2-Virus weiter eingedämmt und eine zweite Welle verhindert werden. Bei diesem sogenannten „Contact Tracing“ werden Menschen mit engem Kontakt zu einer infizierten Person identifiziert und müssen in Quarantäne. Erkrankte Personen wiederum gehen in Isolation. Dadurch lässt sich die Infektionskette des SARS-CoV-2-Virus unterbrechen.

Das Contact Tracing ist nicht nur im Rahmen des öffentlichen Lebens hilfreich, sondern gerade auch in der Arbeitswelt – insbesondere dort, wo Mitarbeiter nicht im Homeoffice arbeiten, sondern physisch vor Ort sind, wie es beispielsweise bei gewerblichen Mitarbeitern in Produktion und Logistik der Fall ist. Grundsätzlich können solche Betriebe versuchen, die Ansteckungsgefahr einzudämmen, indem sie Team- und Schichtgruppen trennen, auf deren Basis schließlich Annahmen über Mitarbeiterkontakte erfolgen. Kommt es zu einem Infektionsfall in einer bestimmten Schichtgruppe, kann das Unternehmen diese isolieren und seine Mitarbeiter nach Hause schicken, um möglicherweise größere Betriebsschließungen zu vermeiden.

Die Tücken des manuellen Contact Tracings im betrieblichen Kontext

Nichtsdestotrotz gibt es viele Unternehmen, in denen ein größerer Austausch zwischen Kollegen verschiedener Team- oder Schichtgruppen z.B. bei bestimmten Arbeitsgängen unvermeidbar ist, Mitarbeiterkontakte können dann unter Umständen nicht mehr exakt eingegrenzt werden. Dass die Infektionsketten durch Gesundheitsbehörden in solchen Fällen teilweise nur schwer nachverfolgbar sind, belegen einige Beispiele aus Fleischbetrieben und der Logistik der letzten Wochen. Manuell zu erfassen, wer mit wem in Kontakt stand ist mitunter nicht nur langsam und mühselig, sondern auch äußerst fehleranfällig, da viele Kontakte nicht genau zurückverfolgt und somit nicht erkannt werden können. Dies wiederum erhöht die Gefahr einer Betriebsschließung.

Auch aus diesem Grund werden derzeit mobile Apps zum digitalen Contact Tracing stark diskutiert. Tracing-Apps zeichnen mittels Bluetooth-Low-Energy (BLE) auf, wer sich in der Nähe ihrer Nutzer aufhält. Wenn sich jemand nach einem bestätigten Testergebnis als infiziert meldet, erhalten alle Kontaktpersonen, die die App ebenfalls installiert haben, eine Benachrichtigung. Britische Forscher haben berechnet, dass digitales Contact Tracing über das Smartphone die gegenwärtige SARS-CoV-2-Epidemie eindämmen und größere Lockdowns vermeiden könne. In Österreich, Norwegen, China und den USA wurden COVID-19-Apps bereits eingeführt. In Deutschland geht die entsprechende App diese Woche an den Start.

Dennoch sind mobile Apps für den betrieblichen Infektionsschutz, genau wie im öffentlichen Raum umstritten. Zum einen muss die Applikation auf dem Smartphone installiert werden. Dies gestaltet sich schwierig, wenn Mitarbeiter nicht über ein Firmenhandy verfügen, da Arbeitgeber die Installation einer App zum betrieblichen Infektionsschutz auf dem Privathandy nicht erzwingen können. Zum anderen zeichnen Contact-Tracing-Apps die Daten anonym auf. Welcher Mitarbeiter mit wem in Kontakt stand, kann mit den Apps also nicht namentlich aufgelöst werden, was jedoch für den betrieblichen Infektionsschutz dringend erforderlich ist. Denn letztendlich müssen Betriebe die Namen der möglichen Infizierten kennen, um Infektionsketten gegenüber den Gesundheitsämtern nachzuweisen und geeignete Quarantänemaßnahmen umsetzen zu können. Wer hier differenziert vorgeht, ist klar im Vorteil, um nicht gleichzeitig mehrere Schichtgruppen nach Hause schicken oder ganze Betriebe schließen zu müssen.

CoronaTracer für digitales Contact Tracing im Betrieb

Im betrieblichen Kontext eignen sich sogenannte „CoronaTracer“, die INFORM gemeinsam mit SafeDrivePod auf den Markt gebracht hat und die ähnlich wie App-Lösungen funktionieren. CoronaTracer sind kleine, tragbare, wartungsfreie Geräte, die anonym und auf Basis von BLE Kontakte zwischen Mitarbeitern erfassen, die sich näher als ca. 2 Meter kamen – dies geschieht allerdings nur während der Arbeitszeit. Mitarbeiter können die CoronaTracer wie Mitarbeiterausweise um den Hals tragen. Die Aufzeichnung erfolgt dabei anonym und datenschutzkonform.

Kommt es zu einer Infektion, lassen sich die Daten des CoronaTracers des entsprechenden Mitarbeiters auslesen. An einer vertrauenswürdigen Stelle im Unternehmen wie beispielsweise der Personalabteilung ist das Mapping zwischen den verschiedenen Geräte-IDs und den Mitarbeitern hinterlegt, sodass die Kontaktpersonen aufgelöst und zielgerichtete Maßnahmen je nach Kontaktintensität eingeleitet sowie Personaleinsatzpläne aktualisiert werden können. Durch den Einsatz von CoronaTracern können Unternehmen die Transparenz gegenüber den Gesundheitsämtern erhöhen und im Falle einer Infektion möglicherweise vermeiden, großflächig Mitarbeiter nach Hause schicken oder ganze Betriebe oder Betriebsteile schließen zu müssen. Daneben zeugt gutes Contact Tracing nicht nur von einer hohen Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, sondern kann auch zu einem größeren Sicherheitsgefühl in der Belegschaft beitragen.

Sie möchten wissen, wie Sie das betriebliche Contact Tracing effizient umsetzen können? Sprechen Sie mich gerne an. Weiterführende Informationen zum CoronaTracer erhalten Sie außerdem in unserem On-Demand-Webinar „CoronaTracer – Technologie für den Infektionsschutz am Arbeitsplatz“.



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Über den Autor

  • Oliver Biel

    Oliver Biel ist bei INFORM für Strategic Relations verantwortlich. Kurz gesagt befasst er sich damit, relevante Themenfelder für „Digital Decision Making“ zu identifizieren, um Unternehmen dabei zu unterstützen, operative und strategische Unternehmensentscheidungen datengeschützt besser und schneller treffen zu können, die gesellschaftliche und ökologische Wirkung zu optimieren und gleichzeitig wirtschaftliche Nachhaltigkeit sicherzustellen.

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