Digitale Stellschrauben für mehr Nachhaltigkeit der Transportlogistik

von Matthias Wurst
Foto eines LKW, der von einem Gabelstapler entladen wird
Lkw und Stapler stoßen CO2 aus. Mit intelligenten Systemen können Emissionen reduziert werden.

Der Güterverkehr wächst seit Jahren und Prognosen zufolge wird sich der Trend in naher Zukunft weiter fortsetzen. Dabei ist der Lkw weiterhin das Rückgrat des Güterverkehrs in Europa. Doch wie entwickelt sich der Klima-Fußabdruck des Lkw-Verkehrs?

Viele Konzepte und Ideen für die nachhaltige Gestaltung des Lkw-Verkehrs wurden bereits von staatlichen und privaten Institutionen entwickelt und umgesetzt. Diese reichen von der Verkehrsvermeidung, Verkehrsverlagerung auf umweltverträglichere Verkehrsträger, der Verkehrsoptimierung bis hin zur Förderung energieeffizienter und/oder CO2-armer Nutzfahrzeuge (EEN).

Jeder einzelne Betrieb ist gefragt, wenn es um mehr Nachhaltigkeit in der Logistik geht. Und auch Betriebe ohne eigene Lkw-Flotte verfügen über viele Stellschrauben, die zur Nachhaltigkeit der Logistik beitragen können.

Der Begriff Nachhaltigkeit und sein Anfang

Nachhaltigkeit ist heute allgegenwärtig und beschreibt einen zufriedenstellenden Lebensstil für alle, ohne die Aussichten künftiger Generationen zu gefährden. Ursprünglich stammt der Begriff aus der Forstwirtschaft und deutet auf eine Ressourcen-Nutzung mit Blick auf die Regenerationsfähigkeit und Stabilität des Waldes.

In kaum einer anderen Branche stehen die Klimaauswirkungen so im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte wie im Transportwesen. Der Verkehr ist einer der größten Klimaschädlinge. Neue Technologien und Kraftstoffe reduzieren den Schadstoffausstoß je Tonnenkilometer. Allerdings wird durch die stetig zunehmende Fahrleistung ein Rebound-Effekt erzeugt. Laut Umweltbundesamt ist der Lkw-Verkehr in den letzten 25 Jahren von 280 auf 507 Mrd. Tonnenkilometer gestiegen, ein Plus von 81 Prozent. Umso wichtiger ist es, alle möglichen Stellschrauben für nachhaltigen Transport zu identifizieren und zu justieren, um den CO2-Ausstoß weiter zu reduzieren.

Green Logistics – ökologischer in kleinen Schritten

Heute wissen wir, dass „Grüne Logistik“ kein kurzfristiger Trend, sondern ein fester Bestandteil des Handelns vieler Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette ist. Die (Un-)Möglichkeit klimaneutraler Logistik wird in Expertenkreisen heftig diskutiert. Entsprechendes Handeln sichert eine hohe Wettbewerbsfähigkeit und langfristiges Bestehen.

Dabei gibt es verschiedenste Maßnahmen, die Unternehmensprozesse effizienter und somit nachhaltiger gestalten können. Einige dieser Maßnahmen sind kostenintensiv und somit nur auf längere Sicht umsetzbar; wie zum Beispiel die Anschaffung von elektrisch oder mit (grünem) Wasserstoff angetriebenen Zugmaschinen. Andere wiederum sind von jedem Unternehmen selbstständig umsetzbar und kostengünstiger, wie die Digitalisierung der Logistikprozesse. Zudem bietet die Planung und Steuerung von Transporten viel Optimierungspotenzial – nicht nur im Sinne der Effizienz, sondern auch der Nachhaltigkeit.

Digitalisierte Yard Prozesse als Stellschraube für nachhaltiges Wirtschaften

Jeder Betrieb kann Maßnahmen zur Digitalisierung seiner Logistik, angefangen zum Beispiel bei der Lkw-Abfertigung am Werk, einleiten, um nachhaltiger zu wirtschaften. Ein intelligentes Zeitfenstermanagement kann die erste Digitalisierungsstellschraube bei der Planung der Lieferlogistik sein. Ziel ist es, Lieferspitzen über den Tag zu glätten und Ladestellenressourcen besser auszulasten. Abgestimmte und optimierte Ein- und Ausfahrtprozesse führen zur Reduzierung von Lkw-Staus und Wartezeiten. Am Liefertag unterstützt eine Hoflogistiksteuerung, die Durchlaufzeiten sowie unnötiges Umparken und Rangieren zu minimieren.

Ein Yard Management-System spart Zeit. Schon eine Ersparnis von 10 Minuten Wartezeit pro Lkw-Anfahrt im Leerlauf hat einen bemerkenswerten Klimaeffekt. Die dabei erzielte CO2-Einsparung entspricht allein mit den heute täglich von INFORM-Systemen gesteuerten 25.000 Lkw-Anfahrten den jährlichen CO2-Ausstoss von 1050 Bürgern in Deutschland. Dabei sind in der Praxis die Warte- und Durchlaufzeiteinsparungen, die intelligente Zulaufsteuerungssysteme erzielen, weit höher.

Infografik-25.000 LKW die täglich durch Inform-Systeme gesteuert werden stoßen durch die Reduzierung der Durchlaufzeit insgesamt ca. 8.300 t CO2 weniger pro Jahr aus

Verfügt ein Betrieb außerdem noch über einen Traileryard, kann die Verweildauer der Lkw auf dem Werksgelänge weiter reduziert werden. So können Traileryards die Lieferlogistik auf dem Werksgelände noch wesentlich nachhaltiger gestalten. Die eingesetzten internen Zugmaschinen können elektrisch betrieben werden. Auch der Einsatz autonom fahrender Umsetzfahrzeuge ist auf dem Werksgelände einfacher umzusetzen als im öffentlichen Straßenverkehr. So ist eine weitere CO2-Reduzierung durch geringeren und umweltfreundlicheren Werksverkehr erreichbar.

Nachhaltigere Produktionslogistik

Eine weitere Stellschraube zu mehr Nachhaltigkeit in der Werkslogistik ist die optimierte Steuerung der innerbetrieblichen Fahrzeugflotte. Die Produktionslogistik ist für die Be- und Entladeprozesse sowie die Produktionsversorgung zuständig. Alle Hersteller von Flurförderzeugen arbeiten an umweltschonenden Antrieben und Elektrostapler und -routenzüge sind bereits heute Standard im Lager. Trotzdem haben Stapler einen vergleichsweisen hohen CO2-Ausstoß von durchschnittlich ca. 8,5 kg/h, was vor allem dem energieintensiven Start-Stopp Betrieb und dem Hubvorgang (berechnet bei durchschnittlich 60 Ladevorgängen pro Stunde) geschuldet ist.

Somit ist die Digitalisierung der innerbetrieblichen Logistik durch ein Transportleitsystem keine unbedeutende Stellschraube für mehr Nachhaltigkeit. Durch Bündelung von Aufträgen und Reduzierung von Suchfahrten werden die Produktivität der Flotte erhöht und Fahrstunden reduziert. So kann mit einem Transportleitsystem z. B. eine Staplereinsatzminimierung von durchschnittlich 25% erreicht werden, was eine Anschaffung von zusätzlichen Transportmitteln vermeidet und zur nachhaltigeren Logistik beiträgt.

Infografik-bis zu 25% CO2 Emissionen werden pro Stapler eingespart

Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit

Heute ist die Nachhaltigkeit im Sinne der UN-Nachhaltigkeitsziele entlang der Wertschöpfungskette eines Unternehmens neben dem Preis, der Qualität und der Lieferzeit ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor. Unternehmen, die langfristig erfolgreich bestehen wollen, verstärken ihren Einsatz in Hinblick auf ihre ökologische und gesellschaftliche Verantwortung. Auch der energie- und ressourcenschonende Weg der Transport- und Logistikbranche ist vorbestimmt. Die Digitalisierung kann und sollte ein wichtiger Hebel zur Transformation zur Nachhaltigkeit sein.

Welche Stellschrauben in der Logistik setzen Sie bereits zur Senkung des CO2-Footprint Ihres Betriebes ein?

 



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Über den Autor

  • Matthias Wurst

    Matthias Wurst arbeitet seit 2014 bei INFORM und interessiert sich als Head of Business Development  Industrie insbesondere für die Optimierung der Lieferlogistik und interner logistischer Prozesse.

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