​​​​​​​Digitaler Pioniergeist – Wohin geht die Reise?

von Adrian Weiler

INFORM zählt zu den „Digitalen Pionieren des Mittelstands 2020“. Diese Auszeichnung verdanken wir der WirtschaftsWoche, die im Rahmen einer Studie 4.000 mittelständische Unternehmen bewertet und die besten 50 ausgezeichnet hat. Jeder Mittelständler erhielt in der Studie einen „Digital Score“, der sich zu zwei Dritteln aus der digitalen Leistungsstärke und zu einem Drittel aus der Wachstumskraft des Unternehmens zusammensetzt. 2019 belegte INFORM Platz 15 im Ranking der Studie, dieses Jahr sogar Platz 5.

Ich freue mich für alle unsere Mitarbeiter über diese Ehrung. Es wäre aber seltsam, wenn ich INFORM nicht immer schon als einen digitalen Pionier verstanden hätte. Denn was bedeutet digitaler Pioniergeist überhaupt? Zum Beispiel brachten wir bereits 1991 erfolgreich mathematische Optimierungssoftware für die termintreue Kapazitäts- und Reihenfolgeplanung in der auftragsorientierten Produktion zum Einsatz, obwohl die Daten liefernden ERP-Systeme damals den Markt noch längst nicht erobert hatten. Das ist Pioniergeist. Aus der rasanten Markdurchdringung der ERP-Systeme einen ebenso rasanten Bedarf für digitale Entscheidungsintelligenz (Digital Decision Making) abzuleiten, auch das ist Pioniergeist.

Obwohl unsere Firmengeschichte viele weitere Beispiele dieser Art bietet, möchte ich mich nicht auf Vergangenes konzentrieren, sondern über die Zukunft sprechen.

Die Digitalisierung steht immer noch am Anfang

Digitale Entscheidungsintelligenz (Digital Decision Making) kombiniert Technologien der Künstlichen Intelligenz und des Operations Research sowie menschliche Expertise und Branchen-Know-how, um operative Geschäftsprozesse zielgerichtet an genau den Stellen zu optimieren, die für die Wirtschaftlichkeit und Resilienz eines Unternehmens entscheidend sind. Das betrifft vor allem durch eine hohe Komplexität und hohe Dynamik gekennzeichnete Geschäftsumgebungen, wo gute und zugleich schnelle Managemententscheidungen zu treffen sind.

Das kann die Planung und Echtzeit-Disposition von Warenströmen in Post- und Paketzentren sein – gerade jetzt in der Weihnachtszeit – die optimierte Steuerung industrieller Güterverkehre oder das Berechnen optimaler Reihenfolgen in unvorstellbar kleinteiligen Abläufen; die Bodenabfertigung eines Flughafens oder die zehntausende Mitarbeiter umfassende Personaleinsatzplanung eines großen Konzerns.

Trotz unserer langen Erfolgsgeschichte über mehr als fünf Jahrzehnte und mit weit mehr als 1.000 Kunden auf der ganzen Welt könnte man die These vertreten, dass die Zeit für digitale Entscheidungsintelligenz jetzt gerade erst begonnen hat. Die Datenverfügbarkeit, Rechenleistung und natürlich auch Qualität der Algorithmen sind in den vergangenen Jahren so vehement gestiegen, dass heute bereits jedes zweite Unternehmen Künstliche Intelligenz (KI) als Schlüsseltechnologie für seine Wettbewerbsfähigkeit sieht. Während digitale Geschäftsmodelle und Prozesse branchenübergreifend mehr und mehr zum selbst­verständlichen Aspekt des betrieblichen Alltags und Lebens werden, vervielfältigen sich die Anwendungsmöglichkeiten des Digital Decision Making enorm. Gerade auch vor dem Hintergrund ubiquitärer Megatrends, wie zunehmender Komplexität, Dynamik, Volatilität, und letztlich Unvorhersehbarkeit vieler Entscheidungsparameter, die agile Planungs- und Managementmethoden erfordern.

Innovationen fördern

Mit welchen Ideen blicken wir also nach vorne? Ich bin davon überzeugt, dass digitale Entscheidungsintelligenz einen enormen Beitrag zu einer besseren Welt leisten kann. Finanztransaktionen innerhalb von Millisekunden auf möglichen Betrug zu überprüfen, und auf diese Weise Finanzkriminalität mittels KI bekämpfen zu können, ist dafür ein gutes Beispiel.

Ein Innovationsmodell für die Zukunft könnten außerdem Plattformen sein. Als die Corona-Pandemie die Welt zu einem ersten Lockdown gezwungen hat, ist beispielsweise in kürzester Zeit und in Zusammenarbeit mit der IHK die Plattform „TeamTausch“ entstanden. Die Idee war, dass Unternehmen mit Personalmangel oder -überschuss einander helfen können. Zugegeben, nur in den ersten Monaten wurde das kostenlose Angebot aktiv genutzt, danach ebbte das Interesse ab. Die Plattform ist inzwischen wieder offline, ich bin trotzdem stolz auf die Initiative.

Zwei wichtige Prinzipien lassen sich hieran veranschaulichen: Zum einen brauchen Innovationen die Möglichkeit zum Experimentieren, eine wertschätzende Unternehmenskultur und Strukturen, bei denen sich Menschen mit ihren Ideen einbringen können. Vielleicht durften wir uns 2018 auch deshalb über das Gütesiegel „Deutschlands beste Jobs mit Zukunft“ des Wirtschaftsmagazins Focus Money freuen. Zum anderen können Plattformen, vor allem wenn sie mit Optimierungstechnologie verknüpft werden, echte Win-Win-Situationen für alle Beteiligten schaffen. Ist es beispielsweise auch in Zukunft noch sinnvoll, unternehmens­zentriert zu planen oder könnte eine unternehmensübergreifende Optimierung noch viel mehr Verbesserungen hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit bieten?

Ein solch nachhaltiges Wirtschaften scheint noch weit entfernt. Deshalb braucht es digitale Pioniere, die mutig in die Zukunft blicken und sich für die Herausforderungen kommender Jahre rechtzeitig rüsten.

Mit welchen Ideen schreiten Sie voran?



Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

Kreislaufwirtschaft in Logistik und Produktion

Lesen

Nachhaltige Logistik an Flughäfen – geht das?

Lesen

Kaizen: alter Hut oder Wegweiser in eine nachhaltige Zukunft?

Lesen

Nach oben