Effectuation: Mit Agiler Optimierung die Macht des Zufalls nutzen

von Adrian Weiler

Innovationsfähigkeit war schon immer ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Industrie. In Zeiten der individualisierten Produktion und dem schnellen technologischen Wandel müssen Unternehmen nicht nur innovativ sein, sondern auch immer schneller auf neue Technologietrends eingehen, um auf dem globalen Markt bestehen zu können. Es wundert mich daher nicht, dass deutsche Unternehmen 2014 bereits 145 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung, Marketing, Prototypen oder Produktionsaufbau investiert haben, wie eine Studie des Bundesministeriums für Forschung und Bildung BMBF zeigt.

Ein neues Produkt geht jedoch nicht zwingend mit Unternehmenserfolg einher. Laut BMBF haben es trotz des hohen Investitionsvolumens 2014 nur 37% der befragten Unternehmen geschafft, ihre neuen Produkte und Dienstleistungen auch erfolgreich am Markt zu etablieren. Da stellen sich verschiedene Fragen: Was machen diese erfolgreichen Unternehmen anders? Liegt es „nur“ an der Produktentwicklung oder gibt es weitere Erfolgsfaktoren, beispielsweise im Management?

Mich beeindruckte schon immer der Gedanke der „Effectuation“, einer von der amerikanischen Wissenschaftlerin Saras Sarasvathy geprägten Theorie zum erfolgreichen unternehmerischen Handeln angesichts einer nicht wirklich vorhersehbaren Zukunft. Sarasvathy hat dafür die Denk- und Handlungsweise erfolgreicher Unternehmer empirisch untersucht und festgestellt, dass diese „die Macht des Zufalls“ nutzen. Anstatt ihre Energie in die Vermeidung von Zufällen zu stecken, erkennen führende Manager in ihnen die Chance auf Verbesserung und nutzen sie entsprechend zu ihrem Vorteil.

Mittel zum Ziel

Die Entscheidungslogik der Effectuation basiert auf fünf Prinzipien. Das Bird in Hand Principle stellt die verfügbaren Mittel des Unternehmens in den Mittelpunkt und leitet daraus realistisch erreichbare Ziele ab. Leitfragen sind: Wer bin ich? Was weiß ich? Wen kenne ich? Daraus abgeleitete Ziele lassen sich immer wieder umformen und an die aktuell verfügbaren Mittel anpassen. Bei INFORM haben wir uns von Anfang an nur auf das fokussiert, womit wir uns wirklich gut auskennen – agile Optimierungssoftware. Nach dem Motto „be focused yet diversified“ haben wir dazu bereits Anfang der 90er Jahre Geschäftsfelder gesucht, wie beispielsweise die Echtzeit-Disposition von Fahrzeugflotten in der Logistik, in denen Agilität immer schon eine große Rolle spielte. Nachdem wir in diesem Bereich erfolgreich waren, haben wir unsere Produkte auf andere Bereiche, wie etwa Produktionssteuerung, Supply Chain Management, oder die Steuerung von Materialflüssen, Distributionsnetzen, Containerterminals oder Verkehrsflughäfen übertragen. Mittlerweile bieten wir in sieben Geschäftsbereichen rund 20 verschiedene Produkte  an. Diese Diversifikation ist für die nachhaltige Stabilität eines Unternehmens sehr wichtig, aber der Fokus auf vorhandene Kenntnisse und Mittel ist fast noch wichtiger.

Beim zweiten Prinzip der "Effectuation", dem Crazy Quilt Principle, geht es darum, vertrauenswürdige Partner einzubinden, um die eigenen Fähigkeiten in Hinblick auf ein umfassendes Marktangebot zu steigern.

Risiko und Ressourcen

Verluste zu begrenzen, dabei geht es bei dem Affordable Loss Principle. Statt den Blick einseitig nur auf mögliche Erfolge zu richten, betrachtet man auch das Risiko und tätigt lediglich Investitionen, deren Verlust für das Unternehmen verschmerzbar ist. Projekte starten, deren Ausgang hinreichend sicher erscheint, und mögliche Verluste auf das Leistbare begrenzen – denn damit behalten wir immer die nötige Anpassungsfähigkeit, die es braucht, um auch bei kurzfristigen, aber einschneidenden Veränderungen in unseren Märkten gut agieren zu können.

Die Macht des Zufalls

„Beschert Dir das Leben Zitronen, so mach Limonade daraus!" Nach diesem Lemonade Principle sehen erfolgreiche Unternehmen den Zufall nicht als Nachteil, sondern als Chance, die Zukunft besser zu gestalten. Viele Marktentwicklungen kann man nicht voraussehen. Das Experimentieren mit und die Suche nach neuen Produkten, Features und Einsatzmöglichkeiten ist deshalb wichtig als Puffer gegen unerwartete Marktentwicklungen. Durch derartige Investitionen in neue Fähigkeiten und Ressourcen bleibt man widerstandsfähig gegenüber unvorhersehbaren Rückschlägen – und gleichzeitig offen zum Wahrnehmen unerwarteter Marktchancen.

Menschen kreieren die Zukunft

Beim Pilot in the Plane Principle steht der Mensch mit seiner Kreativität im Mittelpunkt. Erfolgreiche Unternehmer versuchen laut Sarasvathi nicht, die Zukunft möglichst genau vorherzusagen, sondern ihre Unternehmen so aufzustellen, dass sie flexibel und kreativ mit Veränderungen umgehen können. Denn Unplanbarkeit ist ein immer wichtigeres Phänomen in der Geschäftswelt. Das haben auch unsere Kunden erkannt: Viele der klassischen Planungsmethoden, die einige Manager noch in ihrem Studium erlernt haben, sind heute mit Blick auf die Unberechenbarkeiten einer dem schnellen Wandel ausgesetzten, hochvernetzten Wirtschaft obsolet.

Als Alternative bietet sich das Konzept einer agilen Optimierung, unterstützt durch darauf abgestimmte Software, an. Wenn man hinreichend schnell neu planen und aus vielen alternativen Handlungsoptionen die jeweils beste blitzschnell berechnen kann, dann verliert das Unvorhersehbare viel von seinem Schrecken.

Effectuation und agile Optimierung

Die fünf Prinzipien der Effectuation steigern die Wettbewerbskraft, vor allem in technologiegetriebenen Unternehmen. Dies bestätigte bereits vor Jahren ein Team der RWTH Aachen, das Saravathys Theorie überprüfte und die Erkenntnis erlangte, dass Effectuation sich besonders für Firmen mit hohem Innovations­grad eignet.

Agile Optimierungssoftware hilft, den Unberechenbarkeiten des betrieblichen Alltags angemessen entgegen zu treten: In optimierter Weise, blitzschnell und interaktiv konkrete Handlungsvorschläge zu berechnen, wenn wieder einmal Zulieferteile zu spät eintreffen, Maschinen gestört sind, oder ein unerwarteter Eilauftrag die Planung durcheinander wirbelt.

Beide Konzepte, Effectuation und IT-gestützte agile Optimierung steigern nicht nur die Wirtschaftlichkeit, sondern insbesondere auch Prozess­sicherheit und Resilienz von Unternehmen in der heutigen Zeit.



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