Effiziente Krankenhauslogistik ermöglicht eine schnelle Behandlung abseits des Spielfeldes

von Luisa Walendy

Bei der diesjährigen EM sind nicht nur Freudentränen geflossen. Fouls sind trotz Regelwidrigkeit fester Bestandteil eines Fußballspiels und auch dieses Jahr kam es zu einigen Verletzten. Insgesamt wurden bei der EM 2016 1287 Fouls begangen. So kann es auch mal vorkommen, dass der erste Dank eines Spielers nach einem Tor an seine Ärzte geht. Diese sind bei Profi-Turnieren für den Fall der Fälle natürlich anwesend, um in Notsituationen direkt vor Ort zu behandeln. Der Otto-Normalverbraucher hingegen kann sich bei Sportverletzungen und anderen Krankheiten leider nicht darauf verlassen, dass ein Arzt immer vor Ort ist, um schnellstmöglich Hilfe zu leisten. Ganz im Gegenteil: Gerade an einem Ort mit einer ziemlich hohen Ärztedichte – dem Krankenhaus – kann es zu sehr langen Wartezeiten kommen, die genug Zeit lassen, um sich teilweise stundenlang zu fragen, was zu dieser Geduldsprobe geführt hat.

Häufig ist eine mangelnde oder fehlerhafte Logistik der Kliniken schuld. Denn die Ursachen für unnötige Wartezeiten liegen vor allem in langen Wegen und Transportzeiten innerhalb des Krankenhauses. Erhebungen zufolge verbringen neu eingetroffene Patienten in fast einem Drittel der befragten Krankenhäuser häufig mehrere Stunden in der Notaufnahme. Nur jedes fünfte Krankenhaus kann sein Patientenaufkommen über den Tag und während der Woche so verteilen, dass extreme Wartezeiten ausbleiben.

Patienten und Mitarbeiter leiden unter fehlender Logistik

Nicht nur die Patienten spüren die mangelnde Logistik. Oft beansprucht die Organisation der Patiententransporte die Mitarbeiter in einer Art und Weise, dass sie für die Pflege der Patienten kaum Zeit finden. Dabei sollte die Krankenhauslogistik eigentlich so organisiert sein, dass sie die Mitarbeiter entlastet, anstatt ihnen unnötig Zeit zu rauben.

Dank intelligenter Systeme lassen sich logistische Abläufe in Krankenhäusern so planen, dass sich sowohl die Wartezeiten der Patienten als auch der organisatorische Aufwand des Personals wesentlich reduzieren. Dank solcher Systeme kann sich der Pflegedienst auf seine Kernaufgaben – die Pflege der Patienten – konzentrieren, die Termine für die Abholung und das Zurückbringen von Patienten können besser eingehalten werden. Ein solches System plant die Auslastung des Transportdienstes so, dass die Mitarbeiter „gerecht“ verteilt sowie Leergänge und –fahrten wesentlich reduziert werden.

Beispielsweise konnte das St. Vincenz-Krankenhaus in Paderborn rund ein Drittel seiner Transportkosten durch den Einsatz der Software SyncroTESS senken. Pro Jahr führt das Krankenhaus rund 220.000 Transporte mit einer durchschnittlichen Dauer von neun Minuten durch. 90 Prozent davon sind jetzt pünktlich. Hier erhält jeder Mitarbeiter mit Hilfe mobiler Endgeräte überall schnell seine Transportaufträge und kann sie mobil ganz einfach als „erledigt“ oder „begonnen“ markieren. Auch Unvorhersehbares wie „Patient ist nicht bereit“ kann gemeldet werden. Nur wenige Tastenkombinationen genügen den Mitarbeitern, um Transportaufträge einzugeben, diese mit Terminen zu versehen oder auf Abruf zu setzen. Vorher festgelegte organisatorische und technische Rahmenbedingungen können für jedes Krankenhaus individuell festgelegt werden.

Zusätzlich können sich die Ärzte auf die Transportdienste verlassen und pünktlich mit Untersuchungen, Behandlungen und Operationen beginnen. Und auch die IT-Abteilung freut sich: Eine einfache Integration in die bestehende EDV-Umgebung ist durch die Unterstützung aller wichtigen Standards und Protokolle problemlos möglich.

Nicht nur Patiententransporte werden geplant

Eine leistungsfähige und wirtschaftliche Krankenhauslogistik ist wichtig, um sich vollkommen auf die Behandlung und Pflege der Patienten konzentrieren zu können. Doch neben den Patiententransporten können auch Waren- und Labortransporte effizient gesteuert und somit die Materialversorgung verbessert werden. Analysen und Prognosen mit Hilfe dieser Informationen ermöglichen eine rechtzeitige Auffüllung der Bestände in den Pflegestationen und vereinfachen die Kommunikation von Controlling- sowie Buchungsinformationen.

Durch die vereinfachte Echtzeit-Kommunikation, die intelligente Systeme bieten, können sämtliche Funktionsbereiche und Stationen der Kliniken miteinander vernetzt und schwer planbare Transportaufträge automatisch zugeteilt werden. Außerdem können auch unerwartete Ereignisse wie Zwischenuntersuchungen oder Notfälle in die Organisation integriert werden.

Fazit

Auch wenn bei der täglichen Patientenabwicklung – anders als auf dem Spielfeld - in der Regel keine Minuten oder Sekunden zählen, führen lange Wartezeiten zu Unzufriedenheit bei Patienten und Mitarbeitern. Um die Pünktlichkeit von Patienten- und Warentransporten zu erhöhen, unnötige Wegstrecken von Mitarbeitern zu vermeiden, die Reaktionsfähigkeit des Transportdienstes im hektischen Klinikalltag zu sichern und zu steigern, ist eine intelligente Planung unumgänglich. Durch die vielen Transportmittel und Mitarbeiter ist die Planung und Steuerung von einem Einzelnen kaum zu überschauen, geschweige denn überhaupt manuell aufzusetzen. Intelligente Systeme hingegen können die Masse der Daten schnell verarbeiten und organisieren. Dadurch können extreme Wartezeiten in Krankenhäusern erheblich reduziert und die Zufriedenheit der Patienten gesteigert werden. Die Patienten heißen in der Regel zwar nicht Ronaldo oder Boateng, aber mit Hilfe von intelligenten Systemen kann sich auch der Otto-Normalverbraucher fast so umsorgt fühlen, als würde Dr. Müller-Wohlfahrt über den Platz gesprintet kommen.

Welche Systeme nutzen Sie für die Krankenhauslogistik?



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Über die Autorin

  • Luisa Walendy

    Luisa Walendy arbeitet seit 2015 für die INFORM GmbH und schreibt hauptsächlich zu den Themen Produktion und Industrielogistik.

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