Effiziente Schichtplanung im Maschinenbau – Ein Balanceakt zwischen knappen Ressourcen und Termintreue

von Stipo Nad

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau kann sich aus wirtschaftlicher Sicht über die letzten Jahre wirklich nicht beschweren. Gute Konjunkturprognosen, das erfolgreiche Jahr 2017 soll laut dem Maschinenbau-Barometer der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC dieses Jahr noch übertroffen werden. Und auch der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau bestätigt eine reales Produktionsplus von zwei Prozent im Vergleich zum Jahr 2018.

Dieses Hoch soll sich auch positiv auf die Investitionsbereitschaft für die Digitalisierung auswirken. Klingt gut. Doch eines trübt die gute Stimmung: der Fachkräftemangel. Denn die Knappheit an Fachkräften sowie der Mangel an Mitarbeitern in Produktion und Service stellen zum ersten Mal die größte Sorge der Maschinenbauer dar – noch vor aktuellen politischen Entwicklungen im Ausland. 80 Prozent der Befragten gaben den Fachkräftemangel als den Nachhaltigkeitsaspekt an, der das Geschäft in den kommenden fünf Jahren am stärksten beeinflussen werde. Dieses Ergebnis wirft folgende drängende Frage auf: Wie können Maschinenbauer dem Fachkräftemangel schon heute begegnen und aktiv angehen? Eine effiziente Planung kann dem Problem entgegenwirken, indem die vorhandenen Ressourcen möglichst gezielt genutzt werden.

Doch bei einer effizienten Kapazitätsplanung denken viele Maschinen- und Anlagenbauer zunächst an die Verteilung von Maschinen. Aber auch die Mitarbeiter spielen als Ressource in der Planung eine wichtige Rolle, welche insbesondere bei unerwarteten Ausfällen sichtbar wird. Hier sind schnelle Reaktionen gefordert, um Verschiebungen in der Produktion zu verhindern, was häufig aber nicht zu bewältigen ist: Abwesenheitszeiten müssen eingetragen, Schichtpläne angepasst und das Ergebnis kommuniziert werden. Gerade bei der Produktion von Kleinserien bis hin zu Losgröße 1, die durch kundenspezifische, kurzfristige Änderungen ohnehin schon sehr komplex ist, fällt eine reibungslose, effiziente Personalplanung schwer.

Personaleinsatz- und Schichtplanung flexibel nach Bedarf

Vor allem im Sinne einer Produktionsplanung, die den Anforderungen einer möglichst selbstorganisierten Produktion im Rahmen der Industrie 4.0 entspricht, ist eine flexible und dynamische Planung im Maschinen- und Anlagenbau wichtig. Automatisierung spielt hierbei eine große Rolle. Und auch die Steigerung der Effizienz.

Denn um Liefertreue sichern zu können, muss der Mitarbeitereinsatz genau auf die Anforderungen der aktuellen Produktion abgestimmt sein. Und dafür müssen alle Rahmenbedingungen der Produktion mit der Schichtplanung kombiniert werden. Man muss sich also in der Produktion von starren Schichtplänen verabschieden und dementsprechend intelligent planen.

Außerdem können beispielsweise Alternativvorschläge eine Lösung bieten, um die Produkte doch noch termingerecht an den Kunden auszuliefern. Die Lösungen schlagen Alternativen vor, wie Überstunden oder Nachtschichten, um auch bei unerwarteten Störungen hohe Termintreue zu garantieren. Intelligente Planungssysteme mit Simulationsfunktionen können hier unterstützen. Zusätzlich können die Mitarbeiter entsprechend ihrer unterschiedlichen Qualifikationen optimal bestimmten Maschinen zugewiesen werden.

Mensch und Maschine kombiniert geplant

Um den Mitarbeitern den Planungsprozess so angenehm wie möglich zu gestalten, ist es wichtig, mit aktuellen Daten zu arbeiten, die kurzfristige Änderungen sofort sichtbar machen.

Ein flexibler, bedarfsorientierter Personaleinsatz ist die Basis für viele Industrie-4.0-Konzepte. Gleichzeitig muss gewährleistet sein, dass der Mensch im Mittelpunkt bleibt. Mit einer flexiblen, dynamischen Planung können diese Kapazitäten kurzfristig an den aktuellen Bedarf angepasst und so die Produktion termingerecht realisiert werden. Eine manuelle Planung ist aufgrund der vielen zu berücksichtigenden Faktoren zu zeitintensiv und umständlich.

Fazit

Der Schichtrhythmus ist einerseits der Puls des Unternehmens und bestimmt andererseits maßgeblich das Leben der Mitarbeitenden. Natürlich haben nicht nur Maschinen, sondern auch Mitarbeiter begrenzte Kapazitäten und unterschiedliche Qualifikationen, die intelligent in die Planung integriert werden müssen. Der Fachkräftemangel in der Branche fordert vermehrt nach einem intelligenten Einsatz der vorhandenen Mitarbeiter und deren Fähigkeiten. Eine manuelle Planung ist aufgrund der hohen und weiter zunehmenden Komplexität kaum noch möglich. Alle Zeichen stehen auf Digitalisierung – auch in der Personalplanung.



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Über den Autor

  • Stipo Nad

    Stipo Nad ist seit 2001 bei der INFORM GmbH tätig und beschäftigt sich hauptsächlich mit den Themenschwerpunkten Advanced Planning & Scheduling, Produktionsplanung sowie Business Intelligence.

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