Ein Blick in die Zukunft: Schneller am Ziel dank Carsharing-Modellen

von Michael Schwemmle
Car sharing - car consisting of people

Eines Morgens in der Zukunft: Dienstag, 6:42 Uhr - der Wecker klingelt. Mein Smartphone hat gerade entschieden, meinen eigentlich bis 7 Uhr geplanten Schlaf vorzeitig zu beenden. Doch ein verschlafener Blick auf das Display verwandelt meinen anfänglichen Ärger über die verkürzte Nachtruhe in die Zufriedenheit eines geborenen Optimierers. Denn würde ich jetzt direkt aufstehen, könnte ich 30 Minuten Zeit auf dem Weg zu meinem Arbeitsplatz sparen. Warum? Ein intelligentes, datenbasiertes System hat meinen morgendlichen Alarm so berechnet, dass mich mein Carsharing-Partner direkt an meiner Haustür abholt. Die Software hat dabei auf Basis verschiedener Daten wie Verkehrsaufkommen und Wetterprognosen die größtmögliche Zeitersparnis für mich kalkuliert und dann an mein Smartphone weitergegeben. Auch meine persönlichen Vorlieben und Gewohnheiten sind Teil der Planung: Die Dauer meiner individuellen Rituale wie mein täglicher Coffee-to-go beim Bäcker in der Nähe werden von dem System ebenfalls einberechnet.

Pünktlich im Büro angekommen kann ich dann direkt zu einer Teambesprechung, deren Zeitpunkt sich an den Ankunftszeiten der Teilnehmer orientiert hat. Damit auch alle wirklich zu dem Termin erscheinen, muss dieser zeitnah bestätigt werden. Ansonsten plant das System die Termine kurzfristig um. Zeiteffizienz auf höchstem Niveau. Einziger Nachteil für mich: Ich sollte jetzt dringend aufstehen. Dennoch wird mir das leichter fallen als meinem Kollegen Thomas, der gestern lange und ausgiebig gefeiert hat. Dessen persönlicher Healthcheck-Assistant" - ein Teil des großen Datensystems - hat ihm vor wenigen Minuten nahegelegt, sich heute lieber nicht hinter das Steuer zu setzen, sondern die S-Bahn zu wählen. Seinen Plan, nach der Arbeit noch ins Fitnesscenter zu gehen, muss er dennoch nicht aufgeben: Der Workgroup-Scheduling Assistant" zeigt an, dass ich ihn abends mit einem Sharing-Car mitnehmen kann.

Vielleicht wirkt diese Vision zunächst überspitzt, dennoch zeigt sie, wozu intelligente Systeme in Zukunft fähig sein könnten. Meiner Meinung nach kann vor allem das Carsharing-Modell in vielen Bereichen Veränderungen bewirken. Die Idee, Mobilität in urbanen Regionen durch die Verfügbarkeit und gemeinsame Nutzung des PKW zu verbessern, ist ja bereits Realität - wenngleich noch ausbaufähig. Bei genauerer Betrachtung ergeben sich nahezu unerschöpflich viele neue Ideen und Modelle, die das Prinzip des Teilens weiter vorantreiben werden.

In der Gegenwart angekommen

Nicht nur Fahrzeuge eignen sich für diese Nutzungsmodelle: Auch Maschinen, Anlagen, Werkzeuge und weitere Dinge könnten gemeinschaftlich genutzt und in intelligent organisierten Nutzer-Pools bereitgestellt werden. Entsprechende Online-Planungsplattformen würden den komfortablen Zugang zu den Ressourcen ermöglichen.

Im Bereich Logistik gibt es bereits Konzepte, Nutzfahrzeuge der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, wenn sie gerade nicht von den eigentlichen Nutzern beansprucht werden. Beispielsweise hat die Daimler AG die Initiative Car2Share Cargo" ins Leben gerufen, die diesen Effizienz- und Nachhaltigkeitsgedanken aufgreift. Das Unternehmen möchte dort die automatische Buchung von Nutzfahrzeugen auf Stunden oder sogar Minutenbasis ermöglichen. Ohne eine komplizierte Schlüsselübergabe kann der Fahrer den Wagen mit dem Smartphone öffnen. Im System des Fahrzeugs werden daraufhin alle Aufträge aufgelistet. Ein intelligentes System berechnet die Routen so, dass beim Warentransport die Lieferungen (dank Echtzeit-Navigation und unter Berücksichtigung der aktuellen Verkehrslage) auf dem schnellsten Weg ans Ziel kommen.

Veränderung steht bevor

Dieses Beispiel zeigt, dass sich nicht nur der Personen- sondern auch der Warentransport nachhaltig verändert. Ein Uber für Transporte sozusagen - der Online-Vermittlungsdienst für Fahrdienstleistungen hat mit Uber Rush übrigens bereits einen ähnlichen Dienst ins Leben gerufen.

In naher Zukunft könnte schon jeder, der ein Fahrzeug nutzt und regelmäßige Touren fährt, wie beispielsweise Pendler, Pakete gegen eine Provision zwischen verschiedenen Standorten transportieren. Neue Versicherungsmodelle wären nötig, aber gleichzeitig könnten sich auf diese Weise Transportbörsen entwickeln, welche einfach und flexibel per Internetbuchung in Anspruch genommen werden könnten. Ich persönlich könnte zum Beispiel an einem Sonntagabend mit Hilfe von Zugangscode oder Chipkarte in einer vollautomatisierten Paketstation in Karlsruhe, einige Lieferungen abholen, um diese vier Stunden später in Aachen oder Umgebung an einer Paketstation abzuliefern. Der Empfänger könnte seine Lieferung über ein entsprechendes Tracking-Tool per Email oder anderer Messeging-Dienste verfolgen.

Gute Aussichten

Wenn man bedenkt, wie viele Pkw und Kleintransporter heutzutage mehr oder weniger nur Einzelpersonen und Leervolumen transportieren, klingt diese Idee nicht nur effizient, sondern auch nachhaltig. Intelligente Planungs-, Optimierungs- und Echtzeit-Steuerungssysteme könnten das Bild der heutigen Städte grundlegend verändern. Mit der Einführung autonomer Fahrzeuge würde sich der private Transport von Waren und Personen womöglich komplett automatisieren.

Außerdem könnte eine Verknüpfung der Systeme Zusatznutzen bringen: Zusätzliche intelligente Assistenten kennen individuelle Tagesabläufe und binden diese in die Planung ein. Die beliebige Kombination der vielfältigen Fortbewegungsmöglichkeiten würden darüber hinaus ungeahnte Möglichkeiten eröffnen: Mit dem eigenen Fahrrad oder einem Leihrad zum Carsharing Platz - von dort zum Büro und am Abend dann mit dem Bus oder der U-Bahn zurück. Natürlich auf kosten- und zeitoptimierter Route, alles bargeldlos über ein mobiles Konto. Eventuell holt mich in Zukunft anstelle meines Kollegen auch ein fahrerloses Fahrzeug direkt vor der Haustür ab - wer weiß?

Welche Potenziale sehen Sie in Sharing-Modellen für Unternehmen und deren logistischen Prozessen?



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Über den Autor

  • Michael Schwemmle

    Michael Schwemmle arbeitet seit 2015 bei der INFORM. Er begeistert sich für Zukunftsthemen und für die Fragestellung wie Digitalisierung Innovationen im Sinne der Nachhaltigkeit unterstützen kann.

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