Eine unorganisierte innerbetriebliche Logistik kostet Geld - und Nerven

von Luisa Walendy

Die Organisation der innerbetrieblichen Transporte hat einen ganz eigenen Charakter. Transportaufträge entstehen nämlich nicht verlässlich eingeplant, sondern meist spontan. Zudem müssen etliche Kriterien wie Entfernungen, Auftragsprioritäten, Termine oder Ladekapazitäten bei der Fahrzeuganweisung berücksichtigt werden. Diese Komplexität der Planung kann auch einen erfahrenen Disponenten schnell an seine Grenzen bringen. Doch auch die Nerven seines Vorgesetzten werden dabei häufig überstrapaziert. Denn ein stockender Werksverkehr bedeutet Kosten. Und dabei handelt es sich auch noch um eine gefürchtete Kombination: Hohe, aber vermeidbare Kosten. Wo diese Kosten größtenteils entstehen und wie Sie diese am besten reduzieren beziehungsweise gar nicht erst entstehen lassen, erfahren Sie im Folgenden.

Die Produktion verzögert sich

Oberstes Ziel der Organisation von innerbetrieblichen Transporten in produzierenden Unternehmen ist eine sichere und termingerechte Produktionsversorgung. Werden Liefertermine nicht eingehalten und verschoben, kann das schnell hohe Kosten verursachen. Strafzahlungen für verspätete Lieferungen sind in Branchen wie zum Beispiel dem Maschinen- und Anlagenbau keine Seltenheit und auch verärgerte Kunden führen langfristig zu einem Umsatzverlust.

Daher sollten die Transporte vom Wareneingang bis zum Produktionsstart intelligent gesteuert werden, damit eine termintreue Fertigung gesichert wird, die wiederum zufriedene Kunden sichert. Ein intelligentes Transportleitsystem kann durch Echtzeitsteuerung und Materialverfolgung eine zuverlässige Produktionsversorgung gewährleisten. Alle relevanten Informationen für die Steuerung und Überwachung von Ressourcen und Transportaufträgen werden transparent zusammengefasst. So kann ein solches System mit Hilfe mathematischer Algorithmen auf Basis von Operations Research und Fuzzy Logic eine optimale Kombination zwischen Aufträgen und Ressourcen ermitteln und die logistischen Prozesse mit der laufenden Produktion synchronisieren.

Leerfahrten sind teuer

Auf diese Weise werden die Transporte so effizient wie möglich organisiert, die Kosten bleiben entsprechend minimal. So effizient wie möglich bedeutet dann auch, dass der Einsatz der Transportfahrzeuge wie Gabelstapler, Zugmaschinen oder Routenzügen genau wie die Steuerung von Transporthilfsmitteln wie Hängern oder Containern aufeinander abgestimmt werden. Dadurch, dass eine intelligente Planung eine optimale Zuteilung der Transportaufträge auf den jeweils geeignetsten Fahrer unterstützt, kann der Leerfahrtenanteil deutlich reduziert werden. Eine höhere Effizienz bei der Transportabwicklung und ein minimierter Ressourcen-Einsatz wird erreicht.

Kosten, aber nicht Digitalisierung scheuen

Logistik verändert sich tiefgreifend und das sehr schnell“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder kürzlich voraus. Aus Sicht des Branchenverbands soll die Welt der Logistik binnen zehn Jahren bereits ganz anders aussehen als heute. Ob autonome Drohnen, Datenbrillen oder Roboter in der Lagerhalle – die Transportwelt wird sich laut Bitkom-Studie in einer deutlich höheren Geschwindigkeit als bisher verändern. Was die Studie auch untermauert: Nicht die Kosten sind das Problem der Digitalisierung, sondern vielmehr das Unwissen, wie der Weg in Richtung Digitalisierung gestartet werden soll.

Nach Meinung der befragten Unternehmen helfe eine digitalisierte Logistik vor allem, die Kosten zu senken, Transporte zu beschleunigen und die Fehleranfälligkeit in der Transportkette zu reduzieren. Und genau diese Vorteile unterstützt sie auch in der innerbetrieblichen Logistik. Intelligente Transportleitsysteme sorgen hier für digitalisierte Prozesse in der Transportabwicklung. Der intelligente Einsatz der Transportmittel und auch der personellen Ressourcen kann durch Software-Systeme und deren Algorithmen so berechnet werden, dass die Wege der Fahrzeuge möglichst kurz und effizient sind und dennoch alle wichtigen Kriterien wie Liefertermine oder Ladekapazität berücksichtigt wurden. Der Disponent muss nicht mehr viel Zeit mit der manuellen Planung verschwenden und kann sich stattdessen anderen Aufgaben widmen.

Fazit

Intelligente Systeme in der innerbetrieblichen Logistik digitalisieren die Transportprozesse. Durch die starke Komplexität von verschiedenen Rahmenbedingungen wie Entfernungen, Auftragsprioritäten oder Terminen ist eine reibungslose Transportdisposition für die Mitarbeiter manuell kaum noch umsetzbar. Durch die Digitalisierung werden die komplexen logistischen Prozesse stark vereinfacht, transparent sowie nachvollziehbar.

So können Unternehmen eine Komplettsteuerung ihres innerbetrieblichen Materialflusses von der Rampe bis ans Band verwirklichen – dynamisch und in Echtzeit. Daraus ergeben sich für die produzierenden Unternehmen Wettbewerbsvorteile. Doch vor allem werden durch eine intelligente Transportsteuerung die Kosten gesenkt, die sonst durch Leerfahrten, Terminverschiebungen und lange Durchlaufzeiten entstehen. Eine vollautomatische und durchgängige Steuerung der internen Supply Chain wird ermöglicht und weder Disponenten noch die Chefetage müssen hohe innerbetriebliche Transportkosten fürchten.

Welche Herausforderungen kennen Sie aus der innerbetrieblichen Logistik? Digitalisieren Sie die Transportprozesse bereits?



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Über den Autor

  • Luisa Walendy

    Luisa Walendy arbeitet seit 2015 für die INFORM GmbH und schreibt hauptsächlich zu den Themen Produktion und Industrielogistik.

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