Elektro-Lkw – Emissionsfrei und leise durch die Stadt

von Luisa Walendy

Volvo und Tesla machen es, Daimler macht es und VW macht es auch. Sie produzieren elektrische Lkw. Das Unternehmen Renault Trucks, das seit 2011 zur Volvo-Gruppe gehört, hat angekündigt, 2019 mit der Serienproduktion von rein elektrisch-betriebenen Nutzfahrzeugen zu beginnen. Bereits seit 2009 soll der französische Lkw-Hersteller in die Forschung und Entwicklung von Elektro-Lkw investieren. Erste Praxistests bezüglich Batterieeinsatz, Lade-Infrastruktur und Wartung zusammen mit den Unternehmen Carrefour, Guerlain, Nestlé und der Delanchy-Gruppe laufen bereits. Für Renault Trucks ist Elektromobilität der Grundpfeiler seiner Energiestrategie. Die Konkurrenz sieht das ähnlich. Die VW-Tochter MAN plant die ersten E-Lkw in Serie für 2021. MAN-Chef Joachim Drees sieht einen starken Anstieg der Nachfrage ab spätestens 2025 voraus. Tesla hat laut Medienberichten schon die ersten großen Aufträge für seinen Elektro-Lkw an Land gezogen. Daimler will die ersten Fahrzeuge für den Warentransport innerhalb der Stadt mit einem Zulassungsgewicht von bis zu 25 Tonnen noch dieses Jahr ausliefern.

Die Bemühungen der Hersteller sollen dazu führen, dass dieses Jahr die ersten E-Lkw in Kleinserie auf deutschen Straßen fahren. Oder besser gesagt, flüsterleise dahinrollen. Denn ein großer Vorteil der tonnenschweren Elektrofahrzeuge ist, dass sie wesentlich leiser als ihre Diesel-betriebenen Pendants sind. Zum Vergleich: Während der herkömmliche Lkw eine Lautstärke von etwa 90 Dezibel erzeugt, bewegen sich Elektro-Lkw in einem Lautstärkenbereich um die 60 Dezibel.

Und die Hersteller liegen nicht umsonst in den Startlöchern. Die Elektro-Lkw leisten nicht nur für die Umwelt einen großen Beitrag, auch die in Deutschland stark beanspruchte Lkw-Logistik wird voraussichtlich stark entlastet.

24-Stunden-Logistik

Ein typisches Einsatzgebiet der Elektro-Fahrzeuge könnte die Belieferung von Supermärkten in Innenstädten sein. Dass die tonnenschweren Lkw tatsächlich neben emissionsfrei auch geräuscharm über die Straßen fahren können, ist gerade in Ballungsräumen ein Vorteil. Sie könnten dafür sorgen, dass die regionalen Nachtfahrverbote für Lkw weiter aufgelockert und Transportaufträge dadurch vermehrt am Abend oder in der Nacht verteilt werden.

In Stockholms Innenstadt wurde bereits getestet, wie sich die Abend- und Nachtfahrten auswirken. Die Lkw brauchten für die Ausführung ihrer Transportaufträge nur ein Drittel der sonst üblichen Zeit, wenn sie nicht im Berufsverkehr fahren mussten.

Mit Blick auf die bevorstehenden Diesel-Fahrverbote können Elektro-Lkw außerdem eine Möglichkeit bieten, die Grundversorgung der Städte angemessen aufrechtzuerhalten. Gerade im Transportgewerbe könnte das Verbot zu wirtschaftlichen Einbußen führen.

Entlastung von Verkehr und Umwelt

Zudem können CO2-Emissionen reduziert und Staus zu Stoßzeiten verhindert werden. Sowohl das Straßennetz als auch die Fahrzeuge lassen sich so besser nutzen.

Und diese Entlastung des Verkehrs wird zunehmend wichtig. Laut UN soll die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf neun Milliarden Menschen ansteigen, davon werden voraussichtlich etwa 70 Prozent in Städten wohnen. Das heißt, es müssen immer mehr Menschen mit Gütern in urbanen Regionen versorgt werden, am besten emissions- und lärmfrei.

Intelligente Planung verbessert die Auslastung der E-Lkw

Durch den Einsatz in den Abend- und Nachtstunden kann man viele kleinere Fahrzeuge durch wenige, aber größere Fahrzeuge ersetzen und so den Emissionsausstoß und das Verkehrsaufkommen reduzieren. Eine weitere Hilfe für die Entlastung des Verkehrs und der Umwelt sind intelligente Systeme für die Lkw-Zulaufsteuerung. Mit ihrer Hilfe können Lkw nachverfolgt und ihre Routen als Gesamtsystem optimiert werden.

Im Jahr 2016 wurden laut der Güterkraftverkehrsstatistik etwa 24 Milliarden Lastkilometer gefahren, diesen gegenüber standen 6,5 Milliarden Leerkilometer. Eine Ineffizienz, die sich durch eine verbesserte Planung beseitigen ließe. Unvorhersehbare Störungen in der Abwicklung werden durch Systeme zur Lkw-Zulaufsteuerung in Echtzeit berichtet und ineffiziente Leerfahrten vermieden. Für produzierende Unternehmen können schon heute Staus im und vor dem Werk durch eine optimierte Lkw-Abwicklung reduziert werden. Aus Sicht der Transportunternehmen könnte durch eine verbesserte Planung die Ressourcenauslastung, also der Einsatz der Fahrzeuge, weiter verbessert werden. Die Verwendung der intelligenten Systeme in Kombination mit elektrischen Lkw könnte helfen, Verkehr und Umwelt maximal zu entlasten.

Die Entschuldigung Reichweite gilt nicht mehr

Ein Einwand beim Thema Elektromobilität ist häufig die mangelnde Reichweite. Bei den Elektro-Lkw besteht hier aber eigentlich kein Grund zur Sorge: 200 Kilometer reichen vorerst für Tagestouren im Verteilerverkehr aus. Gerade in innerstädtischen Ballungsräumen ist diese Reichweite keine Entschuldigung mehr, keine elektrisch-betriebenen Lkw einzusetzen.

Was zurzeit noch fehlt, ist hingegen eine ausreichende Infrastruktur von Ladestationen. Wenn die Strecken in Zukunft länger werden sollen, müsste das Netzwerk an Ladestationen ausgebaut und in die Tourenplanung integriert werden. Zurzeit spielen einige Unternehmen wie beispielsweise Tesla gemeinsam mit PepsiCo. oder UPS schon mit dem Gedanken, sich zusammenzuschließen und die Megacharger gemeinsam umzusetzen.

Fazit

Die Serienproduktion von elektrischen Lkw rollt langsam an. Für deutsche Straßen könnte das bei einem effizienten Einsatz von großen E-Lkw in den Abendstunden eine Entlastung des Verkehrs und der Umwelt bedeuten. In verschiedenen Unternehmen unterstützen intelligente Systeme bereits eine schnelle Abwicklung und Planung der Lkw. In Kombination könnten eine intelligente Planung und die Elektro-Lkw zu einer sehr effizienten, umweltfreundlichen Güterlogistik führen - wenn alle Grundvoraussetzungen wie eine flächendeckende Lade-Infrastruktur gegeben sind.

Welche Szenarien können Sie sich in Kombination mit elektrischen Lkw vorstellen? Welche Herausforderungen sehen Sie?

 

 



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Über den Autor

  • Luisa Walendy

    Luisa Walendy arbeitet seit 2015 für die INFORM GmbH und schreibt hauptsächlich zu den Themen Produktion und Industrielogistik.

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