Forum Bestandsmanagement und Materialwirtschaft 4.0

von Kristina Pelzel

In der Eventbeschreibung des BME-Forums „Bestandsmanagement und Materialwirtschaft 4.0“ am 4. April in Stuttgart heißt es: „Es lohnt sich, die Prozesse in der Materialwirt­schaft und im Bestandsmanagement vor dem Hintergrund Industrie 4.0 zu beleuchten, um Potenziale und Risiken zu bewerten.“ Diese Aussage kann ich guten Gewissens unterschreiben und in diesem Artikel möchte ich Ihnen dafür drei gute Gründe nennen:

1) Materialwirtschaft und Bestandsmanagement sind sogar Teil einer Industrie 4.0

Auch wenn das Management von Lagerbeständen sowie Disposition und Einkauf erst einmal nicht nach Industrie 4.0 klingen, haben sie doch großen Einfluss auf ihr Gelingen. Die Rahmenbedingungen für eine vollkommen vernetzte Industrie bildet nämlich auch ein optimierter Warenbestand: immer der richtige Artikel zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Für dieses Ziel ist es notwendig, den Bedarf des Marktes exakt zu prognostizieren und alle Prozesse der internen Supply Chain auf die schnelle und pünktliche Kundenbelieferung ausrichten zu können. Aus diesem Grund darf für eine industrielle Revolution nicht nur die Produktionsabteilung betrachtet werden.

2) Mit eigener Kraft in die Revolution

Um innerhalb der gesamten Lieferkette eine Integration aller Teilprozesse mit der intelligenten Produktion zu erreichen, benötigt man Ressourcen in Form von Zeit und Kapital. Sicherlich profitieren manche Unternehmen von der Neueinstellung einer Fachkraft für die Industrie 4.0, doch wieso es nicht erst einmal mit den eigenen klugen Köpfen versuchen? Um die eigenen Mitarbeiter aus Materialwirtschaft, Produktion und EDV für strategische Aufgaben im Bereich der Industrie 4.0 zu gewinnen, muss ihnen ausreichend Freiraum geschaffen werden – den es in der Regel aufgrund der begrenzten Ressourcen nicht gibt. Natürlich muss auch weiterhin das gleiche Arbeitspensum erledigt werden, jedoch können Fachkräften viele Routinetätigkeiten abgenommen werden. So genannte Management-by-Exception Ansätze in intelligenten Planungs- und Dispositionstools priorisieren die tägliche Arbeit und stellen kritische Handlungssituationen in den Vordergrund, während sie zum Beispiel einfache Bestellungen automatisieren. Dies schafft mehr Zeit und die Etablierung der Industrie 4.0 und smarter Prozesse mit eigener Unternehmenskraft.

3) Industrie 4.0 steht in untrennbarem Zusammenhang mit Digitalisierung

Dass es im Supply Chain Management schon lange nicht mehr ohne digitalisierte Prozesse geht, das wissen wir. Und ohne eine voranschreitende Digitalisierung ist die Vision der Industrie 4.0 gar nicht erst realisierbar. Denn sie beinhaltet unter anderem die Vernetzung von Produktionsprozessen und die Kommunikation zwischen Maschinen und Menschen. Nun, diese Kommunikation wiederrum funktioniert nur durch den schnellen Austausch aller relevanten Daten. Folglich ist die Konsequenz aus dem Ziel der Industrie 4.0 eine vorgelagerte Digitalisierung der richtigen Daten und ihres Transfers über Abteilungsgrenzen hinweg. In der Materialwirtschaft laufen viele notwendige Daten zusammen: Welcher Artikel, welches Vorprodukt oder Zukaufteil ist zu welchem Zeitpunkt an welchem Ort verfügbar? Und wann muss für eine Auslieferung an Tag X die Vorproduktion angesteuert werden? Wie viel wird der Kunde morgen bestellen und wann kann ich das nötige Material dafür vom Lieferanten erwarten? Als Teil der gesamten internen Supply Chain ist die Produktion von diesen Daten aus der Supply Chain Planung abhängig.

Potenzial erkannt – jetzt muss die Umsetzung konkret ausgestaltet werden

Studien, Tests und erste Praxiserfahrungen prophezeien uns gute Ergebnisse durch die vierte industrielle Revolution: Mehr Produkte in mehr Variationen werden möglich sein, der Kunden wird aktiv in den Gestaltungsprozess eingebunden sein, Fertigungsprozesse werden schneller, nachhaltiger und ertragsreicher. Den Schritt in die tatsächliche Umsetzung zu wagen, hemmt jedoch in vielen (vor allem kleinen- und mittelständischen) Unternehmen noch die Sorge vor fehlendem Know-How, großem Veränderungsdruck, hohen Kosten und unbekannten Auswirkungen im Falle eines Scheiterns. Mein Ratschlag hierzu lautet: In kleinen Schritten arbeiten. Die Prozesse der Industrie 4.0 lassen sich nicht von heute auf morgen etablieren und für ihren Erfolg müssen zunächst einige Weichen gestellt sein. Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist die Optimierung der bereits bestehenden Prozesse.

Digitalisierung im Bestandsmanagement

Intelligente IT kann im zentralen Zielkonflikt des Bestandsmanagements (zwischen niedrigen Beständen und hoher Verfügbarkeit) schon große Abhilfe leisten. Durch kostenoptimierte Bestell- und Produktionsvorschläge sowie verlässliche Bedarfsprognosen konnte der INFORM Kunde Roemheld GmbH, Hersteller von Elementen und Systemen für die Fertigungstechnik, seine Bestände um 20% senken, bei gleichzeitig erhöhter Verfügbarkeit. Auf diese Weise können Unternehmen Kapital für neue Investitionen in moderne Technologie freisetzen und schnellere Schritte in Richtung Digitalisierung gehen.

Wie das Optimierungsprojekt bei Roemheld im Detail ausgesehen hat, berichtet Logistik-Leiter Jörg Wörner auf dem BME Forum „Bestandsmanagement und Materialwirtschaft 4.0“. Sollten Sie diesen Termin nicht wahrnehmen können, aber sich dennoch für das Projekt bei Roemheld interessieren, dann kontaktieren Sie mich doch gerne.



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Über den Autor

  • Kristina Pelzel

    Kristina Pelzel unterstützt im Rahmen ihrer Tätigkeit als Senior Vertriebsbeauftragte der INFORM GmbH Interessenten im Entscheidungsprozess bei der Auswahl für ein intelligentes Optimierungswerkzeug. Die Bereiche Absatzplanung, Bestandsoptimierung und Stichprobeninventur sind ihre Themenschwerpunkte. 

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