Freiwilligenarbeit und Reisen: Die große Chance, etwas zurückzugeben

von Sandra Gaviria
Credits: Sarah Böcking

Fundraising Initiative Bolivien

Man sagt, dass Reisen die Augen öffnet und meint damit nicht nur das Kennenlernen schöner und rätselhafter Orte. All die bereichernden Kontakte, die man unterwegs knüpft, mit neuen und erfrischenden Perspektiven, lassen einen erkennen, dass es so viel mehr außerhalb der eigenen Heimat gibt. Die Welt ist riesig, mit so vielen kulturellen Gegensätzen und Gesellschaften. Ein Teil dieser unterschiedlichen Realitäten sind die Orte fernab der großen Stadtzentren. Es gibt zum Beispiel viele unterversorgte Gemeinden in Entwicklungsländern, in denen die Kinder täglich viele Kilometer zu Fuß zur Schule gehen müssen und in Armut leben. Wir sind es gewohnt, diese Armut zu sehen und akzeptieren irgendwie, dass es sie vielleicht immer geben wird. Doch wir sollten nicht länger gleichgültig sein.

Wenn jemand beschließt, die atemberaubende Erfahrung des Reisens mit wertvoller Hilfe für andere zu verbinden, gibt es dabei einiges zu beachten. Sarah Böcking, Marketing Managerin Aviation bei INFORM, weiß es, denn sie arbeitete als Freiwillige im Ausland. Sie entschied sich für ein Sabbatical, um andere Länder zu entdecken. Die Reise führte sie unter anderem nach Cochabamba, einer Stadt in Zentralbolivien in einem Tal einer Andenkette. Dort arbeitete sie in einigen Projekten der NGO Bolivia Digna. Nun erzählt sie uns von ihren Erfahrungen mit den Kindern von Mercado Campesino.

Hallo Sarah! Ich möchte gleich mit einer häufigen Frage beginnen, die sich viele stellen, wenn sie eine ehrenamtliche Tätigkeit planen. Was war die Motivation, dich auf Reisen in sozialen Projekten zu engagieren?
Eine sehr berechtigte Frage. Für mich war von Anfang an klar, dass ich mehr wollte als nur die Sehenswürdigkeiten eines Landes "abzuklappern". Vielmehr wollte ich die Kultur, das Land und die Menschen näher kennenlernen. Für einen solchen interkulturellen Austausch ist ein Freiwilligendienst genau das Richtige, denn man lebt im Land, lernt den Alltag der Menschen kennen und lernt, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Außerdem mag ich den Gedanken, "etwas zurückzugeben" und Menschen zu unterstützen, die Hilfe brauchen. Nach dieser Erfahrung kann ich sagen, dass ich am Ende wahrscheinlich mehr erhalten habe, als ich gegeben habe. Die unglaubliche Dankbarkeit und Herzlichkeit der Menschen, die strahlenden Gesichter der Kinder, neue Freundschaften und Perspektiven werden mir immer in Erinnerung bleiben. Es war eine großartige Erfahrung und ich würde es jederzeit wieder tun!

Wie bist du in Kontakt mit der NGO Bolivia Digna gekommen?
Bereits in Ecuador hatte ich an einer Schule Englisch unterrichtet und die Erfahrung war grandios! Also wollte ich mich in einem ähnlichen Projekt in Bolivien engagieren. Auf der Suche nach NGOs, die Bildungshilfe für Kinder anbieten, fand ich Bolivia Digna. Diese Organisation arbeitet mit Gemeinden in den Vorstädten von Cochabamba an mehreren Projekten. Ein großes Projekt, das ich vor Ort unterstützt habe, war die Gemeinde Mercado Campesino. Die Menschen dort leben in slumähnlichen Häusern und haben keine Grundversorgung, wie Wasser- und Abwassersysteme sowie Strom. Die meisten Erwachsenen sind Analphabeten und arbeiten in langen Schichten in schlecht bezahlten Jobs. Oft sind sie gezwungen, lange Zeit von ihren Familien und Kindern getrennt zu bleiben, besonders wenn sie in die Stadt ziehen müssen, um bessere Arbeit zu finden.

Wie unterstützt Bolivia Digna die Gemeinde?
Die NGO stattet die Klassenräume aus und versorgt die Schülerinnen und Schüler mit wichtigen Lernmaterialien wie Bücher, Hefte, Stifte und Bastelsachen. Ein Team von Pädagogen und Freiwilligen ist täglich vor Ort und versorgt jedes Kind mit einem gesunden Snack. Nach der regulären Schulzeit starten sie ein eigenes Programm, etwa zusätzlicher Sprachunterricht, Kunstprojekte, Ernährungs- und Hygieneprogramme sowie Sport. Die Ziele sind:

  • Den Kindern Spaß am Lernen zu vermitteln und ihnen die Unterstützung zu geben, die sie zu Hause nicht bekommen
  • Eine sichere Umgebung für sie zu schaffen
  • Ihnen einen Teil der Verantwortung abzunehmen, damit sie wieder Kinder sein können
  • Sie zu moralischen Werten zu erziehen

Als Freiwilliger kann man durch seine Unterstützung und Fürsorge einen bedeutenden Unterschied im Leben eines Kindes machen.
Als Freiwillige/-r kann man durch seine Unterstützung und Fürsorge einen bedeutenden Unterschied im Leben eines Kindes machen.

Du hast sogar eine Fundraising-Kampagne organisiert. Wie entstand die Idee dazu?
Da muss ich kurz ausholen: Im Mercado Campesino gibt es etwa 200 Kinder und Jugendliche, die eine öffentliche Schule besuchen. Aufgrund der Pandemie mussten alle Bildungszentren in Bolivien schließen. Daher konnten die Kinder etwa ein Jahr lang keinen regulären Unterricht besuchen. Das Lernen von zu Hause aus war nicht möglich, da die Familien dort nicht über Computer, Handys oder andere benötigte Lernmaterialien verfügten. Als ich das erfuhr, begann ich darüber nachzudenken, wie man diesen Kindern helfen und ihnen mehr Bildung ermöglichen könnte.

Bei der Spendenaktion ging es in erster Linie darum, genügend Handys zu kaufen, damit die Kinder an ihrem Unterricht online teilnehmen können. Durch eine SIM-Karte ist das ohne WLAN möglich, was in der Gegend nicht zur Verfügung steht. Wir starteten die Kampagne mit dem Slogan: "Unterstützen Sie die Zukunft von Boliviens Kindern und halten Sie Träume während der Pandemie am Leben".

Wie geht es mit dem Projekt weiter? Ist es immer noch möglich zu spenden?
Natürlich ist das möglich – und leider auch notwendig. Die Familien in Mercado Campesino haben immer noch mit den schweren Konsequenzen des Coronavirus zu kämpfen. Ihr tägliches Einkommen hat sich verringert, das bedeutet weniger Geld, um die Familie zu ernähren. Bolivia Digna unterstützt die Kommune in diesen schwierigen Zeiten und verteilt regelmäßig Lebensmittelpakete an bedürftige Familien, versorgt sie mit notwendigen Medikamenten und stellt kostenlose Arztbesuche zur Verfügung. Dafür ist die Organisation hauptsächlich auf Spenden angewiesen.

Mit 12 Euro können wir zum Beispiel ein Kind einen Monat lang täglich mit einem nahrhaften Snack versorgen. Mit 36 Euro kann ein Kind ein ganzes Jahr lang mit Hygieneartikeln wie Seife, Zahnpasta, Zahnbürste und mit Medikamenten versorgt werden. Jede Hilfe zählt, damit die Kinder und Jugendlichen in Bolivien das Leben führen können, das sie verdienen.

Sie möchten spenden? Einfach hier klicken: https://gofund.me/d6f6dfc9



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Über die Autorin

  • Aviation wurde eine ihrer großen Leidenschaften, seit sie im Alter von 5 Jahren erstmals ein Flugzeug betrat. Erst viel später dann, nämlich im Jahr 2020, begann Sandra bei INFORM im Geschäftsbereich Aviation als Marketing Manager, wo sie für digitale Projekte und Social Media zuständig ist.

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