Frischer Fisch braucht intelligente IT– Ein Interview mit Deutsche See

von Kai Keppner

Immer mehr Leute essen Fisch. Wie eine Studie des Fisch-Informationszentrums zeigt, wurden 2015 in Deutschland pro Kopf 14,1 Kilogramm Fisch und Meeresfrüchte verzehrt, Tendenz steigend. Dass es nicht einfach ist, die Kunden mit so viel Ware pünktlich und in bester Qualität zu versorgen, weiß der neue INFORM Kunde, die Deutsche See GmbH. Die Fischmanufaktur hat sich dem Motto „Bester Fisch für alle“ verschrieben und bringt Fisch aus der ganzen Welt nach Deutschland, um ihn am Hauptsitz in Bremerhaven weiterzuverarbeiten. In diesem Interview erzählt Stefan Kaune, Leiter IT-Zentrale Warenwirtschaft, Deutsche See, von den Herausforderungen, denen sich die Disponenten der fischverarbeitenden Industrie stellen müssen und was das Unternehmen von der Umstellung auf eine softwaregestützte Bestandsoptimierung erwartet.

1. Herr Kaune, welche branchenspezifischen Herausforderungen müssen Sie bei der Bestandsoptimierung bewältigen?

Fisch ist ein sehr schwer kalkulierbares Lebensmittel. Dies liegt vor allem an dem unberechenbaren Bestellverhalten unserer Kunden, das nicht nur zu saisonalen Höhepunkten und Feiertagen stark schwankt. Um pünktlich produzieren zu können, müssen wir daher den Eingang der Rohware exakt disponieren. Erschwerend kommt hinzu, dass viele unserer Bestelleingänge sehr kurzfristig eintreffen. Hauptabnehmer unserer Fischprodukte sind der Einzelhandel und die Gastronomie, die bundesweit von unseren 22 Niederlassungen beliefert werden. Diese ordern die gewünschte Ware bei uns in der Regel erst zwei Stunden vor dem Abgang der LKW, um ihre eigenen Lagerbestände niedrig zu halten.

2. Wieso haben Sie sich bei Deutsche See für ein softwaregestütztes Bestandsmanagement entschieden?

Wir haben lange Zeit selbst Tools und Formeln entwickelt, um unsere Bestände zu managen. Irgendwann sind wir dann an einen Punkt gekommen, an dem unsere eigene Lösung an ihre Grenzen stieß, weil die Disposition zu komplex geworden war. Als Fischmanufaktur müssen wir genaue Bestellvorgänge generieren, die die zum Teil sehr kurze Haltbarkeit unserer Produkte berücksichtigt. Das ist eine schwierige Aufgabe, vor allem, weil wir unseren Kunden ein breites Produktspektrum bieten: Neben leicht verderblicher Ware wie Sushi und Frischfisch führen wir auch länger haltbare Lebensmittel wie geräucherte Makrele und gefrorenen Seelachs in unserem Sortiment. Das alles mit einer Formel zu disponieren ist extrem kompliziert. Der Planungsaufwand wurde mit unserer eigenen Lösung immer größer und lieferte unzureichende Ergebnisse.

3. Was versprechen Sie sich von dem Einsatz der Software?

In erster Linie wollen wir mit der Software add*ONE unsere Planungsqualität erhöhen. Dadurch werden sich auch die Beschaffungskosten reduzieren lassen, da uns Fehlbestände rechtzeitig angezeigt werden. So können wir die Ware frühzeitig zum Ursprungspreis kaufen und den kurzfristigen Marktpreis damit umgehen. Ein weiterer positiver Nebeneffekt, den wir von einer softwaregestützen Bestandsoptimierung erwarten, sind eine bessere Lagerauslastung, längere Zyklen für die Vorproduktion sowie weniger Umplanungen.

Zusätzlich möchten wir auch die Arbeitsweise für unsere Mitarbeiter verbessern. Denn bisher waren die Planer auf die Disposition eines Fachbereichs spezialisiert. Wenn ein Mitarbeiter im Urlaub war, musste sich ein Kollege in kürzester Zeit in die entsprechende Liste einarbeiten und diese ohne Vorkenntnisse disponieren. Das war kein leichtes Unterfangen, weil die Planung der Produkte teilweise unterschiedlich ausfällt. Das bisher bestehende Inselwissen können wir damit in Zukunft – da alle Bestellvorgänge standardisiert werden – auflösen und einen einheitlichen Wissensstand schaffen. Zudem wollen wir die Erfahrung unserer Mitarbeiter vor allem dort einsetzen, wo sie am meisten benötigt wird: bei Problemfällen, wie etwa bei akuten oder drohenden Fehlbeständen sowie Lieferproblemen. Deshalb haben wir bei der Auswahl der Software auf einen Management-by-Exception-Ansatz sowie auf eine übersichtliche Visualisierung viel Wert gelegt.

4. Wie weit ist die Implementierung der Software bei Deutsche See fortgeschritten?

Aktuell sind wir noch bei der Validierung der Daten aus unserem ERP-System. Ziel dieser Vorbereitungsphase ist die Erstellung einer sauberen Datenbasis. Wir haben bereits eine erste Schulung erhalten, in der uns vermittelt wurde, wie wir uns im System bewegen und die Daten validieren können. Im zweiten Schritt beginnen wir dann die Parameter für die Prognose für uns passend einzustellen. Hierbei stehen wir in engem Austausch mit INFORM. Wir sind also mitten im Implementierungsprozess und sehr gespannt, wie es in den nächsten Monaten mit dem Projekt weiter geht.

Herr Kaune, haben Sie vielen Dank für das Interview.

 

Über Deutsche See

Deutsche See mit Hauptsitz in Bremerhaven ist in Deutschland die Nummer eins bei der Vermarktung von Fisch und Meeresfrüchten. In bundesweit 22 Niederlassungen beschäftigt das Unternehmen über 1.700 Mitarbeiter und beliefert mehr als 35.000 Kunden vom Lebensmitteleinzelhandel, der Gastronomie und Top-Gastronomie über Caterer bis hin zur Betriebs- und Sozialgastronomie. Der weltweite Einkauf hochwertiger Rohwaren, die sorgfältige und kundenindividuelle Produktion und Veredelung in der Bremerhavener Manufaktur, das überdurchschnittliche Qualitätsmanagement und die im Markt einzigartige Logistik zeichnen das Unternehmen aus. Seit 2003 gehört die Feinkostmarke BEECK zu Deutsche See. Als Marktführer ist man sich der ökologischen, gesellschaftlichen und sozialen Verantwortung zum nachhaltigen Schutz der natürlichen Ressourcen bewusst. Deutsche See engagiert sich schon lange aktiv für den Erhalt der Fischbestände und den Umweltschutz und wurde dafür 2010 als „Deutschlands nachhaltigstes Unternehmen“ mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. Einen wunderbaren Einblick in das Tagesgeschäft bei Deutsche See erhalten Sie im folgenden Video:

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