Hybride Flotten: Wie die Steuerung von Mensch und Maschine in der Intralogistik gelingt

von Ulf König
Es gibt Millionen Wege, um den internen Transport zu organisieren - doch welcher ist der richtige?

Die digitale Transformation in der Intralogistik ist stark vom Einsatz autonomer Fahrzeuge geprägt. In vielen Fällen werden diese autonomen Flotten allerdings in klar abgegrenzten Bereichen und/oder Prozessschritten eingesetzt. Die Flotte an konventionellen Transportmitteln und Menschen bleibt somit häufig getrennt von autonomen Systemen. Selbst wenn die autonomen Fahrzeuge zusammen auf der gleichen Fläche wie konventionelle Transportsysteme und Menschen, in sogenannten hybriden Flotten, eingesetzt werden, bleibt die Steuerung der Systeme häufig (noch) getrennt.

Diese Trennung steht der vollen Ausnutzung des Potentials von FTS und der weiteren Potentialen durch die gesamtheitliche Effizienzsteigerung der Intralogistik entgegen. Durch die Schaffung von Grenzen entlang der eingesetzten Transportmittel ohne gemeinsame Steuerungsebene wird eine intelligente Steuerung und Optimierung über den gesamten Wertstrom behindert. Wie ein solches intelligentes System den Überblick über alle internen Transporte behält und alle Aufträge in eine optimierte Reihenfolge bringen kann, schauen wir uns jetzt an.

Einsatzgebiete von FTS nehmen zu

Die meisten Industriebetriebe setzen für die Auftragsabwicklung nach wie vor auf Stapler als wichtigstes Transportmittel. Das bestätigt der Werkslogistik 2021 Trendreport von INFORM. In 25 Prozent der befragten deutschen Industriebetriebe kommen jedoch bereits FTS zum Einsatz. Im Vergleich zu einer Untersuchung der Werkslogistik im Jahr 2013 sind dies mehr als doppelt so viele. Damals waren es nur 11,6 Prozent. Insgesamt entwickelt sich die innerbetriebliche Logistik also positiv und die Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen scheint heute auf der Agenda vieler Fachkräfte in der Intralogistik zu stehen.

Flächendeckend übernehmen FTS den innerbetrieblichen Transport demnach jedoch noch nicht. Das liegt unter anderem daran, dass nicht jedes Fahrzeug für jede Art von Transportgut geeignet ist. Wenn die zu befördernden Güter von der konventionellen Palette oder Box stark abweichen, können die FTS-Anschaffungskosten schnell ansteigen. Dazu erfordert die Einführung eines FTS eine gute Organisation und Planung. Einmal eingeführte Systeme sind dann in der Regel auch nicht so flexibel einsetzbar wie konventionelle Stapler. Sich häufig und schnell ändernde Prozesse können dann oft nicht wirtschaftlich mit FTS abgedeckt werden. Somit stellt sich die Frage, ob ein hybrider Einsatz von FTS und Stapler nicht die bessere Lösung für die innerbetriebliche Logistik ist. Nur wie gelingt die übergreifende Steuerung von menschen-gesteuerten und selbstfahrenden Flurförderzeugen?

VDA 5050: Die technische Grundlage für die Vernetzung

Damit eine hybride Flotte funktioniert, braucht es Systeme, die FTS und manuell gesteuerte Flurfördermittel vernetzen und als ein so genanntes Leitsystem aus einer Meta-Perspektive alle Fahrzeuge steuern. Die VDA 5050 ist eine vom Verband der Automobilindustrie (VDA) und Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) standardisierte Schnittstelle zur Kommunikation zwischen Fahrerlosen Transportfahrzeugen (FTF) und einer Leitsteuerung. Sie schafft die Basis für eine Vernetzung von FTS unterschiedlicher Hersteller und bringt heterogene Systeme in eine Umgebung. Warum ist eine solche Schnittstelle nötig? FTS werden meist als Komplettpaket beim FTS-Lieferanten gekauft. Sie enthalten dann zwar eine Teilsteuerung und Sensorik, doch vor allem die FTS unterschiedlicher Hersteller kommunizieren nicht miteinander.

Die Lösung: intelligente Transportleitsysteme

Das Transportleitsystem SYNCROTESS nutzt Optimierungsalgorithmen auf Basis von Künstlicher Intelligenz, die in der Lage sind, aus der spezifischen Situation ad-hoc abzuleiten, welches Transportfahrzeug welchen Auftrag als nächstes durchführen sollte, damit das gesamte Auftragsnetz optimal funktioniert und Leerfahrten vermieden werden. Das System fasst alle relevanten Informationen für die Disposition, Steuerung und Überwachung von Ressourcen und Transportaufträgen zusammen und synchronisiert die Prozesse. So erreichen Unternehmen eine Minimierung des Ressourcen-Einsatzes bei gleichzeitiger Maximierung ihrer Transportleistung.

Durch die VDA 5050 Schnittstelle wird SYNCROTESS außerdem zum Leitsystem für die gesamte interne Transportlogistik. Die Software kommuniziert mit Fahrzeugtypen aller Art und kann jeden Transportauftrag beliebig zuordnen, sodass ein Gesamtoptimum erreicht wird. Ob ein Stapler, ein FTS oder ein Routenzug den Auftrag erfüllt, entscheidet die Software eigenständig unter Berücksichtigung sämtlicher Parameter und Rahmenbedingungen. Der Transport wird an das Fahrzeug übermittelt und dieses sendet seinen Status in Echtzeit zurück. So entsteht maximale Transparenz, was in Störungsfällen eine schnelle Reaktion ermöglicht. Darüber hinaus können mehr Transportaufträge in weniger Zeit erledigt werden, da das System alle Transporte wege- und zeitoptimiert verteilt. Der Konflikt zwischen FTS und manuell gesteuerten Stapler wird damit aufgehoben, da der Medienbruch entfällt.

Die Betreiber der Flotte können jederzeit ihre Transportleistung skalieren, indem sie neue konventionelle oder automatisierte Transportmittel (unabhängig vom Hersteller und bestehenden Systemen) der Flotte hinzufügen. Die hybride Flotte funktioniert effizient und weist den Weg in die Zukunft der Intralogistik.



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Über den Autor

  • Ulf König kam 2021 zu INFORM und ist für die strategische Geschäftsentwicklung im Geschäftsbereich Industrielogistik verantwortlich. Er arbeitet eng mit dem Team und den Kunden zusammen, um die gemeinsamen Bemühungen für nachhaltige Digitalisierung, verbesserte Entscheidungsfindung und Effizienzsteigerung in der Logistik voranzutreiben.

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