Intelligente Lkw-Zulaufsteuerung: Die Vision von einer staufreien Transportlogistik

von Luisa Walendy

Elon Musk macht es vor: Man darf noch Träume haben. Der Mitgründer von PayPal, SpaceX und Tesla hat eine neue Vision. Musk möchte den Verkehr in riesigen Röhren unter die Erde legen. Über 30 Ebenen tief soll sich das unterirdische Verkehrsnetz ausbreiten. Natürlich, er möchte auch den Mars besiedeln, doch ich schätze, die Idee für einen unterirdischen Tunnel ist tatsächlich realitätsnäher. Zu den Kosten gibt es noch keine Angaben, also wird es vermutlich teuer.

Musks Idee einer Unterdruckröhre, die Menschen mit Überschallgeschwindigkeit transportiert, dem Hyperloop, ist bereits auf einer Teststrecke mitten in der Wüste Nevadas unterwegs. Fest steht: Elon Musk möchte die Transportwelt verändern. Bereits Mitte Dezember letzten Jahres twitterte er: „Der Verkehr macht mich verrückt. Ich werde eine Tunnelbohrmaschine bauen und einfach losgraben.“ Klingt zunächst größenwahnsinnig, aber im ersten Satz wird sich der ein oder andere wiederfinden. Denn stockender Verkehr und volle Autobahnen bringen jeden von uns sicher hin und wieder an die Grenzen der Geduld.

Die Straßen sind und bleiben voll

Und es soll vorerst nicht besser werden. Zumindest besagt das die Verkehrsverflechtungsprognose 2030 des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Laut dieser Prognose wird das Verkehrsaufkommen in Deutschland in Form von Fahrten und Verkehrsleistung zunehmen. Auch wenn es dabei je nach Verkehrsträgern und Region Unterschiede gibt, ist die Tendenz bis 2030 gleichweg steigend: Das Verkehrsaufkommen im Personenverkehr steigt zwischen 2010 und 2030 von insgesamt 101,8 Milliarden Personenwege auf 103 Milliarden. Der Pkw-Verkehr nimmt dabei um rund 10 Prozent zu, der Luftverkehr um ganze 65 Prozent. Dennoch wird deutlich, dass nicht der Personenverkehr das größte Problem ist. Denn im Vergleich zum Gütervekehr ist das Wachstum hier relativ gering.

Der Güterverkehr steigt von 3.7 Milliarden Tonnen im Jahr 2010 auf 4.4 Milliarden Tonnen im Jahr 2030 (+ 17,6 Prozent). Das Lkw-Aufkommen wächst hier um etwa 39 Prozent.

Lkw-Aufkommen kann reduziert werden

Neben Elon Musks Zukunftsvisionen zum Transportwesen gibt es bereits realistisch umsetzbare Ansätze, um das Verkehrsaufkommen zu reduzieren. Gerade dem Lieferverkehr im wirtschaftlichen Bereich kann man mit einer genaueren Planung entgegenwirken. Intelligente Planungssysteme für die Lkw-Zulaufsteuerung sorgen beispielsweise dafür, dass die Anzahl der eingesetzten Fahrzeuge deutlich reduziert wird. Dadurch, dass vorausschauend geplant wird, kann eine gleichmäßigere Auslastung der Ressourcen erreicht werden.

Eine Technologie, welche die Planung der Systeme bereits verbessert, ist Geo Fencing. Mit Hilfe der virtuellen Zäune kann die Planung der an- und abfahrenden Lkw an einem Produktionsstandort noch weiter konkretisiert und realitätsnah abgebildet werden. Sobald ein Lkw einen der virtuellen Grenzen überschreitet, wird ein Planungssystem via Sensor über die Distanz des Lkw zum Werk informiert. Die Lkw-Zulaufsteuerung plant somit wesentlich effizienter und genauer. Der Ankunftszeitpunkt von Lieferungen kann so minutengenau bestimmt werden.

Auch wenn diese intelligente Planung bereits über die Werkstore hinausgeht, reicht sie immer noch nicht weit genug, um das Straßennetz weitgehend zu entlasten. Visionär gedacht, könnte man diese Planung in Zukunft erweitern, indem man Informationen wie ideale Geschwindigkeit und die optimale Zeit für Unterbrechungen der Lkw-Fahrt errechnet. Eine Datenauslese über die Werksgrenzen einzelner Unternehmen hinaus könnte dabei zu großen Logistiknetzwerken führen, deren Fahrten optimal aufeinander abgestimmt sind. Doch soweit ist es noch nicht. Dennoch können durch diese genaue Planung und Steuerung der Lkw Warte- und Durchlaufzeiten im Warenverkehr deutlich reduziert werden. Zudem wird die Auslastung der Fahrzeuge optimiert und die Zahl der einzelnen Einsätze verringert.

Fazit

Mit zunehmender Verkehrsdichte nimmt auch die Bedeutung einer vorausschauenden Planung zu. Intelligente Systeme können dabei unterstützen, die Verkehrs- und Logistikprobleme in den Griff zu bekommen. Neue Visionen, Ideen und Konzepte können zunächst dabei helfen, auf diese Probleme aufmerksam zu machen und zum Nachdenken anregen. Welche Lösungsansätze der richtige Weg sind – und ob es vielleicht ein unterirdischer Tunnel ist - wird sich in ein paar Jahren sicher zeigen.

Welche Innovationen finden Sie für die Transportlogistik interessant? Welche Visionen haben Sie für die Transportindustrie?

 

 



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Über den Autor

  • Luisa Walendy

    Luisa Walendy arbeitet seit 2015 für die INFORM GmbH und schreibt hauptsächlich zu den Themen Produktion und Industrielogistik.

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