­Intelligente Produktionsplanung beschleunigt den Maschinenbau für die Maskenproduktion

von Jörg Böhme
Two FFP2 masks on a wooden table
(c) Getty Images - Sonja Rachbauer

Es ist eine schwierige Zeit für einen Großteil der Wirtschaft. Noch liegen Einzelhandel, Gastronomie und Tourismus brach. Und noch ist ungewiss, wie lange der Shutdown einzelne Wirtschaftszweige pausieren lässt. Die Länge der Pause hängt immer noch davon ab, wie schnell das Coronavirus und dessen Verbreitung eingedämmt werden kann. Hierfür ist wiederum die Versorgung mit Schutzmitteln wie FFP2-Masken nötig.

Am besten werden die Schutzmasken dort produziert, wo sie benötigt werden, um eine schnelle Versorgung zu sichern. Zu Beginn der Coronakrise wurde ein Großteil der Masken jedoch in Asien, speziell China, gefertigt und dort eingekauft. Es kam zu enormen Engpässen. In Deutschland und ganz Europa sind deshalb viele Unternehmen in die Maskenproduktion eingestiegen. Der Bedarf an dem dafür benötigten Filtermaterial, dem Meltblownvlies, ist plötzlich drastisch angestiegen. Die Firma Reifenhäuser stand damit fast von heute auf morgen vor einer großen Herausforderung: Die Unternehmensgruppe mit 1600 Mitarbeitern ist Weltmarktführer für Kunststoffextrusionsanlagen und baut unter anderem Anlagen für die Vlies-Herstellung. Anlagen für die Produktion von Meltblown waren immer ein Nischenprodukt, bis COVID-19 die Nachfrage nach diesen Anlagen im Frühjahr 2020 in die Höhe katapultierte. So viele Anlagen so schnell wie möglich auszuliefern war ab diesem Zeitpunkt absolute Priorität des Unternehmens und gleichzeitig eine echte Herausforderung.

Termintreu liefern trotz komplexer Planung?

Vliesstoffanlagen bestehen aus etlichen Einzelteilen, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort zur Verfügung stehen müssen, damit die Montage der Maschine rechtzeitig starten kann. Der Bau ist ein komplexes Zusammenspiel aus verschiedenen Fertigungsprozessen und dem Zukauf von Teilen. Die Planung solcher Prozesse ist manuell nicht zu bewältigen. Kommt es zu einer Störung - zum Beispiel durch eine verspätete Lieferung - muss der komplette Prozess umgeplant werden. Gerade bei hohen Auftragsbeständen birgt dies Risiken: Aufträge könnten in zu kurzer Zeit auf zu viele Maschinen verteilt werden; zu beschaffende Teile könnten nicht rechtzeitig angefordert werden. Es fehlt die nötige Transparenz über alle Fertigungsaufträge. Terminrückstände und halb fertiggestellte Teile in der Produktion können die Folge sein. Doch gerade in Zeiten, in denen die Nachfrage unerwartet stark steigt, müssen produzierende Unternehmen schnell reagieren können und sollten sich nicht stundenlang mit der manuellen Umplanung von Prozessen befassen müssen.

Intelligente Produktionsplanungssysteme ermöglichen termintreue Lieferung

Eine automatisierte und intelligente Planung bieten sogenannte Advanced Planning and Scheduling (APS) Systeme. Diese planen im Gegensatz zu herkömmlichen Produktionsplanungssystemen auf Basis begrenzter Kapazitäten. Das heißt, die in der Produktion real vorhandenen Ressourcen wie Maschinen oder Mitarbeiter werden in der Planung berücksichtigt. Auch bei kurzfristigen Änderungen oder Störungen, wie Maschinenausfällen, reagiert das System schnell, um entsprechend umzuplanen. Das Ergebnis ist eine wesentlich bessere Termintreue. Auch der Maschinenbauer Reifenhäuser setzt auf eine intelligente Planung mit dem APS-System FELIOS, um

  • Rückstände und Lagerbestände zu minimieren,
  • Termintreue auch bei hohen Auftragsaufkommen zu sichern,
  • den Planungsaufwand zu reduzieren,
  • kürzere Durchlaufzeiten zu erzielen und
  • abteilungsübergreifende Prozesstransparenz zu schaffen.

Außerdem lassen sich durch die intelligente Produktionsplanung Lieferzeiten verkürzen – während der Pandemie eines der wichtigsten Ziele von Reifenhäuser Reicofil. Schließlich war eine schnelle Versorgung der Bevölkerung mit Atemschutzmasken und medizinischer Schutzkleidung auch von der Performance des Unternehmens abhängig.

Fazit
Die Krise fordert Unternehmen, umzudenken. Auch der Maschinenbauer Reifenhäuser hat das erkannt und mit Schichtarbeit und angepassten Prozessen schnell auf die neue Auftragslage reagiert. Beim Bau der komplexen Maschinen setzt das Unternehmen auf eine intelligente Planung, die Effizienz in der Produktion und Termintreue bei der Auslieferung zum Kunden sicherstellt. Auch auf starke Schwankungen beim Auftragseingang und Störungen in der Produktion kann das Unternehmen so dynamisch reagieren.

Welche Systeme setzen Sie ein, um Ihre Produktion zu planen? Setzen Sie bereits auf ein intelligentes Produktionsplanungssystem?



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Über den Autor

  • Jörg Böhme ist seit 1998 bei INFORM tätig und beschäftigt sich hauptsächlich mit den Themenschwerpunkten digitale Produktion und intelligente Produktionsplanung.

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