Intelligente Prozesse für Deutschland – setzt die Logistik bereits auf Künstliche Intelligenz?

von Mona Helmchen

Auf der diesjährigen Hannover Messe äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel zu den bislang eher zurückhaltenden Ausrichtungsversuchen des deutschen Marktes in Sachen "Künstliche Intelligenz" (KI). Angesichts der Tatsache, dass große Industrienationen wie China ihren Kurs auf der KI-Überholspur ankündigen, sei es auch für Deutschland höchste Zeit, einen Gang hochzuschalten, um im Wettbewerb vorne mit dabei zu sein, so Merkel. Der digitale Infrastrukturausbau hinkt der Technik hinterher, was die Bundesregierung künftig ändern will. Aber wie wird das Thema KI von deutschen Unternehmen eigentlich wahrgenommen?

Künstliche Intelligenz in der Logistik - Wissen, Erwartungen und Einsatz

Nehmen wir z.B. einmal die Logistikbranche als einen der größten Wirtschaftszweige. Ist Künstliche Intelligenz möglicherweise die Zukunft der Logistik? Diese Frage haben sich die Teilnehmer einer Umfrage von INFORM mit LOGISTIK HEUTE gestellt. Unter den Befragten befinden sich 123 Mitarbeiter und Führungskräfte verschiedener logistischer Disziplinen, so z.B. aus Logistikdienstleistern, Großhandel, Automobilindustrie sowie Maschinen- und Anlagenbau. Sie stammen zu 85 Prozent aus Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland. Die Studienergebnisse über den Nutzen und das Interesse an KI in der Logistik sprechen für sich: das Thema KI macht neugierig und wird von der Mehrheit der Umfrageteilnehmer nicht als ein Hype-Thema abgetan, sondern tatsächlich als relevant erachtet. Insgesamt knapp über 80% der Befragten sehen in intelligenten Prozessen die Zukunft der Logistik und betiteln KI als Innovationsthema mit fundierter Forschung und praxisorientierten Ansätzen. Auch was die Erwartungen daran betrifft, wie sich KI in Unternehmen auf die Positionierung am Markt auswirken kann, so rechnen über 90% mit einer Verbesserung.

Die Umfrage zeigt auch das allgemeine Stimmungsbild der Befragten, was das Thema KI in der Logistik betrifft. 60% meinen, dass das Thema bislang eher weniger durchgedrungen sei. Der Blick in die Praxis zeigt, dass gerade einmal 26% der befragten Unternehmen bereits aktiv KI in Logistikprozessen einsetzen. Die Mehrheit hat bisher keine konkreten Handlungen eingeleitet und steckt noch in der Findungsphase. Für viele scheint das Thema noch nicht wirklich erschlossen. Dabei sind KI-Systeme doch mittlerweile deutlich leistungsfähiger, zugänglicher und kostengünstiger als noch vor ein paar Jahren und stellen ein nicht zu unterschätzendes Potenzial für Logistikprozesse dar. Dies belegte bereits ein 2015 erschienener Bericht von DHL und IBM.

Ganz so einfach ist es eben nicht. Das sagt auch Nils Reiprich, Logistikleiter der STEINEL Gruppe und Teilnehmer an der Umfrage: "Wie auch das Thema Industrie 4.0 einige Zeit der Etablierung und Bewusstseinsschaffung in Anspruch genommen hat, ist auch die KI nicht von heute auf morgen in den Prozessen und Köpfen der Prozesseigner zu verankern". Es gibt noch reichlich Luft nach oben, was die Verbreitung und Etablierung dieses Themas in der Logistik betreffen. Auch wenn sich einige der Befragten bereits recht gut informiert fühlen, bemängeln viele eine unzureichende Unterstützung.

Darüber hinaus gaben knapp 74% an, bisher noch keine KI einzusetzen und rechtfertigen diese Tatsache mit fehlendem Know-How im Betrieb. Hinzu kommen Bedenken, was die Möglichkeiten und Kapazitäten der bestehenden IT-Infrastruktur betreffen. Auch die Kosten, die möglicherweise mit dem Einsatz von KI verbunden sind, verursachen Magenschmerzen bei den Studienteilnehmern.

Dabei liegt die Verantwortung für die Umsetzung gar nicht allein beim Unternehmen. Die Interessenten können sich auf das Expertenwissen eines entsprechenden Softwareanbieters und dessen kompetente Beratung verlassen. Letztlich steht die Mehrheit der Befragten trotz vereinzelter Skepsis bereits in den Startlöchern und ist sich einig darüber, dass Handlungsbedarf besteht. Einen konkreten Nutzen sehen die Umfrageteilnehmer z.B. im Hinblick auf Anwendungsgebiete wie Bedarfsprognosen und Absatzplanung, Produktions- sowie Transportoptimierung oder auch Risikoerkennung. Für die Logistik besteht laut Umfrage der größte Nutzen in einer gesteigerten Automatisierung, einer optimierten Ressourcenauslastung und einer Effizienzsteigerung. Weitere zusätzliche Konsequenzen von intelligenten Prozessen können zudem eine Reduzierung von Fehlern und nachhaltigere, umweltfreundlichere Transportprozesse sein.

Damit die konkrete Anwendung nicht nur ein imaginäres Zukunftsszenario bleibt, bedarf es allerdings noch eines besseren Überblicks über den Stand der Technik. Da der Anteil von KI-einsetzenden Unternehmen jedoch steigt und über 50% der Befragten einen akuten Handlungsbedarf hinsichtlich der Optimierung logistischer Prozesse durch KI sehen, kann künftig mit mehr Business Cases gerechnet werden, wodurch der direkte Bezug zur Praxis in der Branche immer deutlicher werden sollte. Je besser sich Unternehmen über KI informiert fühlen, desto mehr werden sie den langfristen Nutzen dieser Technologien erkennen und den Schritt hin zu intelligenten Prozessen gehen. Denn aller Anfang ist zwar schwer, aber frisch gewagt ist schließlich auch halb gewonnen.

Wenn Sie an den ausführlichen Studienergebnissen interessiert sind, senden Sie uns gerne eine Nachricht an addone@informinform-software.com.



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Über den Autor

  • Mona Helmchen

    Dr. Mona Helmchen arbeitet seit 2018 bei der INFORM GmbH und beschäftigt sich mit Trends und Themen rund um die Optimierung von Supply-Chain-Prozessen.

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