Ist der 3D-Druck das Ende der globalen Supply Chain?

von Kristina Pelzel

Vielleicht gerade weil man heute fast täglich über neue spektakuläre Anwendungen des 3D-Drucks liest, vom Druck von ganzen Häusern über Organe bis zum Einsatz auf der internationalen Raumstation ISS, wirkt die Technologie immer noch wie eine Zukunftsvision. Das Medieninteresse hat derartig überbordende Erwartungen an die Zukunft geschaffen, das kaum ein Blick für das Hier und Jetzt bleibt. Denn die Technologie ist schon lange im industriellen Einsatz.

Bei 30% aller Endprodukte war schon jetzt ein 3D-Drucker beteiligt

Einem Whitepaper des britischen Marktforschungsunternehmens Transport Intelligence zufolge, ist bei der Produktion von 30% aller Endprodukte an irgendeiner Stelle ein 3D-Drucker im Spiel gewesen. Für das Jahr 2020 wird erwartet, dass dieser Anteil auf 80% ansteigt. Neben der schnellen Bereitstellung von Prototypen wird die Technologie schon jetzt z.B. bei Zahnprothesen oder in der Luftfahrtindustrie für echte Bauteile eingesetzt. So verwendet der US-Flugzeugproduzent Boeing bei der Produktion des Kampfjets F-18 Hornet Teile aus dem 3D-Drucker. Bedenkt man neben dem Einsatz in der Industrie, dass die Hardware zum 3D-Druck immer günstiger wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Technologie in den Händen von Endverbrauchern landet. Einige Analysten sind sich jetzt schon sicher, dass der 3D-Druck einen ähnlichen Fußabdruck wie einst das Internet haben wird.

Die Funktionsweise der Hardware ist schnell erklärt: ein Computer-generiertes 3D-Modell wird Schicht für Schicht aus unterschiedlichen Granulaten bzw. Flüssigkeiten wie Metallen, Plastik oder Keramik zusammengesetzt. Dabei werden die Schichten durch Erhitzung z.B. mit Hilfe eines Lasers verschmolzen. Der gesamte Prozess kann je nach Größe des Objektes Stunden oder Tage dauern.

Das Ende der globalen Supply Chain?

Bedenkt man die Möglichkeiten, dann könnte das traditionelle Modell globaler Supply Chains schon bald ausgedient haben. Komplexe Prozesse mit riesigen Stücklisten, Massenlagerung von Endprodukten und lange Transportwege wären in einem Szenario, in dem der 3D-Druck das dominante Werkzeug zur Produktion und in diesem Zusammenhang Make-to-order der Normalfall wird, nicht mehr notwendig. Es wäre sogar denkbar, dass die Technologie zu sehr kurzen Supply Chains führt – wenn nämlich alles dort produziert wird, wo es auch verkauft wird. Diese Infografik erklärt sehr eindrücklich den möglichen Wandel der Versorgungsketten:

blog_infografik

(Quelle: http://www.joneslanglasalle.eu/EMEA/EN-GB/Pages/the-impact-of-3D-printing-on-supply-chains-infographic.aspx)

Einige Branchen werden ganz besonders von der Entwicklung profitieren. Ersatzteilhändler müssen unter anderem nicht mehr riesige Sortimente mit Langsamdrehern vorhalten, sondern wählen einfach das gewünschte Model aus einer Liste aus und drucken den entsprechenden Artikel. Je nach Artikel kann so ein Prozess auch in einem Servicewagen erfolgen – der Techniker hat also immer das Ersatzteil für ein defektes Gerät gleich vor Ort.

Allein die Transportbranche betrachtet die Entwicklung mit einigem Argwohn, lukrative Geschäfte mit Transporten aus Fernost wären möglicherweise Vergangenheit. Dabei bietet der 3D-Druck auch in diesem Bereich neue Herausforderungen und Chancen: Ein ganz neuer Logistik-Sektor könnte entstehen, der sich mit der Lagerung und dem Transport der Rohmaterialien für die 3D-Drucker beschäftigt. Ein hohes Transportvolumen ist hier garantiert: Setzen sich die Geräte wie erwartet als Consumer Produkte durch, werden auch Lieferungen an die Haustüre der Endverbraucher eine starke Nachfrage finden.

Der nächste Schritt: 4D-Druck

Die Geschwindigkeit, mit der sich der 3D-Druck entwickelt, ist wirklich atemberaubend. Das zeigt sich auch daran, dass 3D-Druck fast schon wieder „kalter Kaffee“ ist. Findige Tüftler haben bereits mit 4D-Druck begonnen: Dabei handelt es sich um Materialien aus dem 3D-Druck, die sich selbständig zu Objekten zusammensetzen können. Wer zu diesen so genannten „Smart Components“ mehr erfahren will, sollte sich den TED-Talk mit dem Direktor des Self Assembly Lab des MIT, Skylar Tibbits, anschauen.

https://www.youtube.com/watch?v=0gMCZFHv9v8

Und an dieser Stelle würde ich gerne Sie fragen: Was erhoffen Sie sich vom 3D-Druck? Haben die globalen Supply Chains wirklich ausgedient?



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Über den Autor

  • Kristina Pelzel

    Kristina Pelzel unterstützt im Rahmen ihrer Tätigkeit als Senior Vertriebsbeauftragte der INFORM GmbH Interessenten im Entscheidungsprozess bei der Auswahl für ein intelligentes Optimierungswerkzeug. Die Bereiche Absatzplanung, Bestandsoptimierung und Stichprobeninventur sind ihre Themenschwerpunkte. 

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