Ist der Maschinen- und Anlagenbau bereit für die Industrie 4.0?

von Luisa Walendy

Industrie 4.0. Smart Factory. Internet der Dinge. Diese Begriffe hört man zurzeit von allen Seiten. Doch was steckt eigentlich dahinter? Wo finden sich deutsche Unternehmen in diesen Begriffen wieder? Und inwieweit werden solche Konzepte schon in der deutschen Industrie umgesetzt? Fragen über Fragen.

Zunächst einmal zur Definition. Laut Wikipedia ist Industrie 4.0 „ein Zukunftsprojekt im Bereich der Hightech-Strategie der deutschen Bundesregierung und der Industrie, mit dem in erster Linie die Informatisierung der Fertigungstechnik vorangetrieben werden soll.“ Ziel ist laut der Online-Enzyklopädie, die intelligente Fabrik. Denglische Übersetzung: Smart Factory. Diese zeichnet sich durch Dynamik, Ressourceneffizienz und ergonomische Wertschöpfungsprozesse aus. Etwas einfacher ausgedrückt, fasst der Begriff Industrie 4.0 industrielle Innovationen zusammen, die aus den Basisentwicklungen Digitalisierung, Internet der Dinge, Big Data, Algorithmen und Robotern entstehen. Doch wie das in den Fabriken der deutschen Industrie wirklich aussehen soll, weiß man oft nicht genau. Was als vierte industrielle Revolution bezeichnet wird, hat noch nicht alle deutschen Unternehmen erreicht und steht gerade erst am Anfang seiner Entwicklung. Die Industrie in Deutschland lebt davon, die Chancen der Informationstechnik stets für sich zu nutzen und mit traditionellen Stärken wie beispielsweise der industriellen Produktion zu verbinden. Dennoch ist die Umsetzung oft eine schwere Herausforderung, gerade für traditionsreiche Firmen wie zum Beispiel deutsche Maschinen- und Anlagenbauer.

Maschinen- und Anlagenbauer erkennen das Potenzial

Wo sich die Unternehmen tatsächlich in der Entwicklung der Industrie 4.0 sehen und wie sie in Bezug auf die gesamte Branche des Maschinen- und Anlagenbaus erlebt wird, zeigte eine Umfrage auf einer Kundentagung der Aachener INFORM, bei der rund 120 Branchenvertreter zusammenkamen. Neben dem Austausch von Erfahrungen und Neuigkeiten in der Produktionsplanung, stand auch eine Standortbestimmung zum Thema Industrie 4.0 auf der Tagesordnung. Ergebnis war, dass die teilnehmenden deutschen Maschinen- und Anlagenbauer wissen, dass der Aufbau der Industrie 4.0 gerade erst beginnt. 63 Prozent der Befragten gaben an, dass das Thema Industrie 4.0 zwar strategisch eine zunehmende Bedeutung hat, aber auf dem Weg zu einer automatisierten Fabrik sah sich die Mehrheit der Kongressbesucher (83 Prozent) erst am Anfang der zu begehenden Reise. Diese Einschätzung geht mit der von Experten nicht weit auseinander: Hinter dem Konzept Industrie 4.0 sollen neue Möglichkeiten für innovative Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle stecken. Das Potenzial der industriellen Revolution ist gerade im Bereich Produktion groß. 44 Prozent der befragten Maschinen- und Anlagenbauer nutzen noch gar keine smarten Geräte in den Anlagen Ihres Unternehmens, 52 Prozent schon teilweise und nur vier Prozent bestätigten eine hohe Nutzung.

Weg zur Smart Factory_Umfrage_Industrie40

Die Befragten sehen auch verschiedene Schwierigkeiten für ihr Unternehmen aufgrund der Industrie 4.0. Größtes Problem ist nach Angaben der Maschinen- und Anlagenbauer die fehlende Standardisierung (25 Prozent), dicht gefolgt von dem Reifegrad der Technologien (20 Prozent) und der Datensicherheit sowie mangelnder Fachkräfte mit je 18 Prozent. Auch den unklaren wirtschaftlichen Nutzen sehen die befragten Unternehmen als Schwierigkeit (14%).

Schwierigkeiten_Umfrage_Industrie40

Fazit

Unbestreitbar ist, dass die vierte industrielle Revolution gerade stattfindet. Vor allem im Maschinen- und Anlagenbau können die Individualisierung und der Variantenreichtum in der Produktion, die intelligente Software ermöglicht, von großem Vorteil sein. In der digitalisierten Fabrik kann innerhalb kürzester Zeit auf die Kundenwünsche und –änderungen eingegangen werden. Ziel der Industrie 4.0 ist, dass Produktion und Dienstleistung gekoppelt sowie Kunden und Geschäftspartner in die Geschäftsprozesse integriert sind. Und obwohl der Begriff selbst nicht ganz einheitlich und somit auch nicht einfach zu definieren ist, ist Individualisierung eine durchgängige Komponente.

Auch wenn die Einsatzfelder des Internet der Dinge vielfältig sind, zählen Fabriken zu den Bereichen mit dem größten Potenzial. Vor allem in der Fertigung können intelligente Maschinen, die Produktivität, Effizienz und die personalisierte Produktion ungemein steigern. Wer die notwendige Industrie 4.0 Intelligenz mitbringt, kann in der Produktionssteuerung besser langfristig planen und unnötige Eingriffe in die Fertigung vermeiden. Ich bin sehr gespannt, welche Chancen innovative Technologien im Bereich der Industrie 4.0 noch bieten werden und wie sich das Thema tatsächlich weiterentwickeln wird.

Wie die Umfrage gezeigt hat, haben deutsche Maschinen- und Anlagenbauer erkannt, welches Potenzial in dieser Entwicklung steckt und greifen immer mehr nach den Möglichkeiten, die moderne Technologien bieten. Wie gehen Sie in Ihrem Unternehmen mit den Herausforderungen der Industrie 4.0 um?



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Über die Autorin

  • Luisa Walendy

    Luisa Walendy arbeitet seit 2015 für die INFORM GmbH und schreibt hauptsächlich zu den Themen Produktion und Industrielogistik.

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