KFZ-Versicherungen im Jahr 2023 – Wie die Digitalisierung Risikomodelle beeinflusst

von Albert Wienen

Die Digitalisierung verändert die Welt in rasantem Tempo. Innovationen und neue Technologien haben uns dem selbstfahrenden und eigenständig denkenden Auto sehr nah gebracht.

Doch trotz der Anstrengungen der politischen Institutionen wie der Europäischen Union, Tech-Unternehmen wie Google oder den KFZ-Herstellern selbst - wie Tesla, Mercedes Benz oder General Motors – wird es meiner Meinung nach noch mindestens weitere 5 Jahre dauern, bis das selbstfahrende Auto für die Allgemeinheit verfügbar und erschwinglich sein wird. Doch über kurz oder lang wird diese Neuentwicklung auf jeden aktiven oder passiven Verkehrsteilnehmer Auswirkungen haben.

Der Einfluss neuer Technologien auf die Schadenhöhe

Diese Entwicklung wird auch KFZ-Versicherungen betreffen - insbesondere auch bezüglich der Frage, wie in der Zukunft die zu zahlende Prämie von KFZ-Policen berechnet wird. Bereits heute zeigen weit verbreitete Sicherheitssysteme wie Parksensoren, Abstandsregeltempomate und Parkassistenten positive Auswirkungen auf die Schadenhäufigkeit bei Versicherungen. Auf der anderen Seite steigen die Reparaturkosten für die hochwertigen Sicherheitssysteme im Schadenfall.

In der Gesamtheit betrachtet werden die Vorteile der Neuentwicklungen jedoch Unfälle vermeiden und die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen, so dass die Schadengesamtkosten vermutlich sinken werden.

Risikobasierte Prämien

Bei dieser Entwicklung steht die Frage im Fokus, wie KFZ-Versicherungen zukünftig die Höhe von Versicherungsprämien berechnen werden. Autobesitzer werden erwarten, dass sich die Investition in neue Technologien auch in geringeren Versicherungsprämien niederschlagen wird. Die aktuellen Prämienmodelle der Versicherungen können diese Differenzierung jedoch nicht leisten. Deshalb wird die Einführung und Nutzung neuer Risikoindikatoren notwendig werden.

Dabei könnte die Verwendung einer persönlichen Risikoeinstufung helfen, die aus den folgenden drei Dimensionen besteht

  1. Die erste Komponente ist die moralische: Diese deckt Dimensionen wie Vorschäden, Zahlungshistorie, Vorstrafenregister, Wechselbereitschaft bei Versicherungen und versicherungsfreie Zeiträume ab.
  2. Die zweite Komponente ist das technische Risiko: Sie umfasst Alter, Dauer der Fahrpraxis, schadenfreie Zeiträume, Familienkonstellation, die aktuelle finanzielle Situation, jährliche Fahrleistung, Wohnort und räumliche KFZ Verwendung.
  3. Die Dritte Komponente ist Big Data: KFZ-Hersteller sammeln seit Jahrzehnten immense Datenmengen. Diese könnten von KFZ-Versicherern genutzt werden, um Prämien basierend auf dem Risiko von KFZ-Marke, KFZ-Typ, Leistung, Design, Sicherheitssystemen und sogar der Farbe zu bestimmen.

Offene Märkte für individualisierte Verträge

Die Einführung einer persönlichen Risikoeinstufung macht den Weg frei für neue digitale Plattformen, auf denen KFZ-Versicherungen und potentielle Kunden zusammenfinden können. Individuen können auf diesen Plattformen ihr Profil zusammen mit der persönlichen Risikoeinstufung sowie der gewünschten Deckung hinterlegen. Basierend auf diesen Informationen können ihnen angeschlossene KFZ-Versicherungen Angebote unterbreiten. Diese neue Vertriebsart basierend auf Angebot und Nachfrage zwingt Versicherungsunternehmen, Personen mit niedrigem Risiko günstige Angebote zu unterbreiten. Personen mit hohem Risiko zahlen höhere Versicherungsprämien – ganz nach dem Ansatz „Der Verursacher zahlt“.

In 5 Jahren wissen wir mehr darüber, wie die Zukunft in 2023 aussehen wird. Es ist jedoch eine Tatsache, dass sich in den nächsten Jahren durch technologische Innovationen und die Verfügbarkeit von Big Data viel für Versicherungsunternehmen und Versicherte ändern wird.



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Über den Autor

  • Albert Wienen

    Als Business Consultant spezialisiert sich Albert Wienen auf die Betrugserkennung und Schadenprozessoptimierung in den Bereichen Versicherungen und Krankenversicherung.

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