KI – Große Buchstaben viel dahinter

von Dr. Jörg Herbers

Darf ich vorstellen: KI – die große Unbekannte. Jetzt, da Sie sich kennen, brauchen Sie keine Angst mehr haben. Dass Künstliche Intelligenz bald vor der Tür stehen wird, daran besteht kein Zweifel. Wie KI entwickelt und genutzt werden sollte, darüber muss jetzt diskutiert werden.

Die Bundesregierung treibt mit ihrer KI-Strategie sowohl den Einsatz von KI als auch die Diskussion über sie voran. Noch in diesem Jahr soll ein deutsches „KI-Observatorium“ die Arbeit aufnehmen. So wichtig die technische Weiterentwicklung für den internationalen Wettbewerb ist, so wichtig ist die Diskussion über die Technologie. Die Gespräche geben Raum, um Ängste, Zweifel und Fragen zu äußern. Vor allem geben sie Raum, Antworten zu finden, denn es wird höchste Zeit.

Im Grunde genommen ist KI schon da und sie wird täglich besser. Die menschliche Intelligenz kann sie noch längst nicht vollends abbilden und es ist zweifelhaft, dass KI je menschlich sein wird, weil das, was sie leisten kann, schlichtweg anders ist. In manchen Teilbereichen ist sie dem Menschen bereits überlegen. KI ist eine Nischenintelligenz, die in einem klar definierten Rahmen viel bessere Lösungen erzielen kann, als es Menschen je möglich wäre. Viele Bereiche arbeiten schon mit KI: die Autoindustrie, Banken und nicht zuletzt die jedem bekannten Sprachassistenten Alexa und Siri. Klar ist: KI wird stetig besser. Nicht wenige verunsichert das. Welche Rolle spielt der Mensch in alledem?

KI im HR-Bereich

In kaum einer Branche ist die Skepsis gegenüber der KI so groß wie dort, wo es um Menschen geht. Und doch ist KI auch im Personalwesen auf dem Vormarsch. Laut einer Umfrage des Bundesverbands der Personalmanager unter 1.032 HR-Verantwortlichen aus unterschiedlichen Branchen beschäftigen sich bereits 41 Prozent der Befragten damit, ob KI-basierte Technologien einen Nutzen für das eigene Aufgabenfeld haben. 16 Prozent planen ihren konkreten Einsatz. Derselbe Anteil setzt nach eigenen Angaben bereits KI-basierte Technologien in der Personalarbeit im Unternehmen ein. Für ein Viertel kommt diese Technologie überhaupt nicht in Frage.

Vielleicht aber lässt sich auch diesem Viertel die Angst vor KI nehmen und ihr Nutzen aufzeigen. Es ist ein gutes Signal, dass sie durch die Teilnahme an der Umfrage an der Diskussion rund ums Thema KI teilnehmen. Der technologische Fortschritt wird weitergehen. Es ist also gut, wenn man sich damit beschäftigt. Umso erfreulicher sind Initiativen abseits großer (und oft weit entfernter) Projekte wie dem „KI-Observatorium“. Gut ist etwa das Engagement des Ethikbeirats HR Tech, ein Zusammenschluss aus Wissenschaftlern, Gewerkschaftern und (Personal-) Managern aus Unternehmen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, im Diskurs ein gemeinsames ethisches Verständnis für den Umgang mit HR-Tech zu finden und insbesondere Personalmanagern Orientierung für einen verantwortungsvollen Einsatz digitaler Innovationen zu geben. Ethik-Richtlinien sind auch im internationalen Kontext kein Hindernis, sondern schlichtweg notwendig. Der Entwurf der Richtlinien liegt vor, doch damit ist das Thema sicher nicht abschließend behandelt.

Augmented Intelligence

Offene Diskussionsrunden wie auf der Digital Mind Change in München sind sehr wichtig, um gemeinsam herauszufiltern, wie wir KI in Zukunft nutzen möchten. Allein den Begriff Künstliche Intelligenz muss man bereits kritisch beleuchten, denn er suggeriert eine menschliche Intelligenz. Sicher ist, es braucht den Menschen, um KI zu steuern, um sie sinnvoll anzuwenden. Das Ziel muss sein, menschliche Intelligenz und Möglichkeiten der Technologie zusammenzubringen: daraus ergibt sich eine „Augmented Intelligence“: die Technologie erweitert die menschliche Intelligenz. Sie ersetzt sie nicht.

Für den Bereich Workforce Management bedeutet das, dass Themen wie New Work nun auch den Blue Collar Bereich betreffen, weil durch KI erhebliche Verbesserungen möglich sind. Einige Industrien sind da Vorreiter. Bei anderen beginnt die Debatte gerade erst, weil Arbeitszeit vor wenigen Jahren noch klar definiert war. Die Technologie ist aber reif genug, um die Vielfältigkeit von Arbeitszeiten zu berücksichtigen und die Interessen der Mitarbeiter mit den betrieblichen Belangen besser zu vereinen. Und in diesem Bereich ist KI unschlagbar.

Wie stehen Sie zu KI? Auch Ihre Meinung ist gefragt.



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Über den Autor

  • Dr. Jörg Herbers

    Jörg Herbers ist Leiter des Geschäftsbereichs Workforce Management bei der Inform GmbH. Seine Themenschwerpunkte sind Personaleinsatzplanung und Optimierung.

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