Krankenhaus 4.0 – und das Warten hat ein Ende

von Luisa Walendy

Den Begriff Industrie 4.0 kennen Sie wahrscheinlich bereits aus der Wirtschaft und Industrie. Zunehmend treten dementsprechend auch für andere Wirtschaftszweige Begriffsbezeichnungen für die digitale Revolution auf: Finanzen 4.0, Marketing 4.0, Logistik 4.0 oder Einkauf 4.0. Und auch im Gesundheitswesen schreitet die Digitalisierung voran. Erste Konzepte des Krankenhauses 4.0 werden hier schon umgesetzt. Dennoch ist die Digitalisierung der Krankenhäuser in vielen Teilen noch nicht angegangen und bleibt vorerst eine Zukunftsvision. Der Änderungsdruck ist allerdings schon da. Denn laut Statistischem Bundesamt gibt es in Deutschland immer mehr Patienten, die Zahl der Krankenhäuser nimmt hingegen ab. 2016 wurden 19,5 Millionen Menschen stationär behandelt, das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 1,4 Prozent. Im selben Jahr standen den Patienten 1.948 Krankenhäuser zur Verfügung, acht weniger als noch in 2015. Dieser Rückgang klingt zunächst nicht sonderlich drastisch, aber er ist Teil eines Trends: Im Jahr 2000 gab es noch 2.242 Krankenhäuser in Deutschland.

Diese gegensätzliche Entwicklung und der steigende Fachkräftemangel zeigen sich auch in den langen Wartezeiten der Patienten.

Was bedeutet Krankenhaus 4.0 genau?

In Krankenhäusern werden im Gegensatz zur Industrie 4.0 keine Produktionsprozesse digitalisiert: Hier steht die Patientenbehandlung im Vordergrund. Und diese kann mit Hilfe neuer Technologien, Produkte und Dienstleistungen unterstützt und verbessert werden. Die Gemeinsamkeit: Autonome Akteure werden die jeweils benötigten Informationen in Zukunft selbst erheben, analysieren und weiterverarbeiten.

Das ist wichtig. Denn die Abläufe in einem Krankenhaus, die meist im Hintergrund laufen und der Patient nur selten direkt wahrnimmt, sind vielfältig. Von der Betten- oder Arzneimittelversorgung bis zu allen Krankentransporten müssen alle Prozesse genau durchgeplant sein. Intelligente Systeme, die die Abläufe im Krankenhaus zentral steuern. können dabei Informationen gezielt weiterleiten und die Kommunikation zwischen Abteilungen, Stationen, verschiedenen Geräten, Ärzten und Patienten vereinfachen, beschleunigen und verbessern. Durch die zentrale Speicherung von Informationen und deren Anreicherung aus verschiedenen Systemen, kann darüber hinaus die Entscheidungsfindung bei der Prozessplanung optimiert werden.

Kurzgefasst bedeutet Krankenhaus 4.0 die Digitalisierung und Vernetzung von Behandlungs- und Versorgungsprozessen im Krankenhaus mit Hilfe von cyberphysischen Systemen.

Die Vorteile einer digitalisierten Krankenhauslogistik

Die Digitalisierung macht die Krankenhäuser also genau wie die Industrie und andere Wirtschaftsbereiche leistungsfähiger und wirtschaftlicher. Gerade in der Krankenhauslogistik wird oft deutlich, dass die gesamte Kette der Informations- und Arbeitsabläufe eine effektive Steuerung und Planung benötigt, um dem Krankenhauspersonal zu ermöglichen, sich voll und ganz auf die Patienten und deren Pflege zu konzentrieren. Eine effizient organisierte Krankenhauslogistik entlastet nämlich die Mitarbeiter von nicht-pflegerischen Aufgaben, wie dem Transport von Betten, Rollstühlen oder der Organisation von Serviceleistungen wie Reinigung und Bettenaufbereitung. Denn eine intelligente Logistiksteuerung im Krankenhaus hilft, den gesamten Ablauf aller Transporte in Echtzeit zu steuern. Die Mitarbeiter müssen dementsprechend keine unnötigen Wege zurücklegen und viel Zeit in die Planung investieren.

Die Vorteile eines solchen intelligenten Steuerungssystems für die Krankenhauslogistik sind genau wie die der meisten modernen 4.0-Lösungen mehr Prozesseffizienz und folglich weniger Kosten. Transportaufträge werden schneller und effizienter umgesetzt, und die aktuelle Transportsituation ist durch die zentrale Zusammenführung relevanter Informationen stets transparent überschaubar. Krankenhaus 4.0 bedeutet außerdem Vernetzung. Durch das zentrale System werden alle Beteiligten miteinander verbunden und zu einem Gesamtsystem vernetzt. Die automatische Transportdisposition minimiert dann übergreifend Leerläufe und optimiert die Auslastung der Transportmitarbeiter.

Durch die schnellere Umsetzung der Transportaufträge und eine bessere Reaktionsfähigkeit bei unvorhersehbaren Ereignissen und Notfällen, sinken die Wartezeiten der Patienten vor und nach den Untersuchungen.

Fazit

Aktuell unterscheiden sich Krankenhäuser noch stark im Status der Digitalisierung ihrer Prozesse. Viele stehen noch am Anfang des Weges und können nur mit neuen Konzepten und gezielten Investitionen an den richtigen Stellen die nächsten Schritte bewältigen. Die großen Potenziale des Krankenhauses der Zukunft lassen sich allerdings nur durch die Vernetzung der einzelnen Systeme und Bereiche erreichen.

In der Industrie beschreibt der Begriff Industrie 4.0 seit einiger Zeit eine Zukunftsvision für Produktion und Dienstleistung in Deutschland. Auch im Gesundheitswesen und Krankenhäusern wird das Label 4.0 in Zukunft eine tragende Rolle einnehmen.

Was bedeutet Krankenhaus 4.0 für Sie? Wo sehen Sie das größte Potenzial der Digitalisierung im Krankenhaus?

 



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Über den Autor

  • Luisa Walendy

    Luisa Walendy arbeitet seit 2015 für die INFORM GmbH und schreibt hauptsächlich zu den Themen Produktion und Industrielogistik.

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