Krankenhauslogistik - Immer in Bereitschaft!

von Luisa Walendy
Krankenhausmitarbeiter schieben Bett durch einen Flur

Jeder, der schon einmal in seinem Leben Patient in einem Krankenhaus gewesen ist, hat zu spüren bekommen, dass Wartezeiten in Krankenhäusern keine Seltenheit sind, sondern fast zum Normalfall gehören. Denn Krankenhäuser haben mit dem reibungslosen Ablauf ihrer Prozesse häufig Probleme. So ist es in Extremfällen schon dazu kommen, dass Patienten mehrere Stunden auf dem Flur warten mussten, bevor sie behandelt wurden. Deshalb ist eine leistungsfähige, wirtschaftliche und anpassungsfähige Krankenhauslogistik im heutigen Klinik-Alltag unabdingbar, um zufriedene Patienten sicherstellen zu können. Die Aufgabe der Krankenhauslogistik ist es, die Verfügbarkeit aller im Krankenhaus vorhandenen Ressourcen wie Personal, OP-Säle, Betten oder Medikamente sicherzustellen, um eine optimale Patientenversorgung zu ermöglichen und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit des Krankenhauses zu steigern.

Schließlich sollten sich Ärzte und Krankenhauspersonal vollständig auf die Behandlung und Pflege der Patienten konzentrieren können. Dafür muss die interne Krankenhauslogistik aber so organisiert sein, dass sie die Mitarbeiter in ihrer täglichen Arbeit unterstützt und von nicht-medizinischen Arbeiten entlastet.

Langes Warten ist kein Muss

Es gibt Krankenhäuser, die die Planung ihrer Patiententransporte, Waren- und Regeltransporte, Hol- und Bringdienste sowie Serviceleistungen nicht mehr dem Zufall überlassen und ihre Patienten nicht mehr länger als nötig auf den Gängen warten lassen. Denn auch die Abläufe in Krankenhäusern werden immer digitaler. Und es gibt schon seit einiger Zeit Systeme, die die Klinikprozesse intelligent planen.

Ein gutes Beispiel für eine optimierte Krankenhauslogistik ist das Klinikum Ingolstadt - mit 1.132 Betten und 3.000 Mitarbeitern das viertgrößte Akutkrankenhaus in Bayern mit zwischen 600 bis 700 Krankentransporten pro Tag. Seine internen Logistikprozesse organisiert das Krankenhaus jetzt bereits seit zehn Jahren mit einem intelligenten System und schafft so eine optimale Patientenversorgung. Dort werden nämlich Patienten- und Warentransporte mit Hilfe eines Transportleitsystems bestmöglich geplant und gesteuert. Im Krankenhaus selbst sieht das so aus: In einer Leitstelle reihen sich auf zwei gekoppelten Flachbildschirmen Nummern, Namen und Zahlenreihen aneinander. Anhand der gewonnenen Daten über vorhandene Ressourcen und Transportaufträge steuert das System den gesamten Patientenservice. Zusätzlich koordiniert es den Einsatz von aktiven Transportmitteln wie Fahrzeugen oder Transporteure sowie die Disposition von passiven Transportmitteln wie Betten, Rollstühlen oder Wagen. Über ein mobiles Kommunikationsgerät wie zum Beispiel ein Smartphone erhält das Personal den Transportauftrag, dessen Status über das Gerät vom Läufer oder Fahrer per mobilem Endgerät gemeldet wird.

Durch eine Steuerung in Echtzeit ist es außerdem möglich, dass spontane Ereignisse in der Planung berücksichtigt und alle Arbeitsprozesse dementsprechend neu geplant werden. Diese intelligente Steuerung bringt viele Vorteile auf Patienten- und Krankenhausseite mit sich. Die Kosten für Transporte werden reduziert, Patienten- und Materialtransporte sind pünktlich, schnellere Reaktionen bei Notfällen sind möglich und Ärzte sowie Pflegekräfte werden von Transporttätigkeiten entlastet. Auch im Klinikum Ingolstadt wurde mit der Einführung der Software das Ziel verfolgt, Patienten seltener warten zu lassen. Und dieses Ziel wurde erreicht: seit dem Einsatz des Systems warten 95 Prozent der Patienten weniger als fünf Minuten, bis sie abgeholt werden. Zusätzlich konnten die durchgeführten Krankentransporte um etwa 50 Prozent auf täglich 700 im Vergleich zu früher gesteigert werden. Mit 10 Jahren Erfahrung hat das Klinikum Ingolstadt schon sehr früh das Potenzial von Krankenhauslogistik-Software erkannt.

Healthcare-Bereich wird zunehmend digital

Und als Pionier hatte das Krankenhaus das richtige Gespür für die zukünftige Entwicklung seiner Branche. Denn der Gesundheitssektor wird Veränderungen durchleben. Durch die demografische Entwicklung wird der Anteil älterer und pflegebedürftiger Menschen zunehmend wachsen und damit auch der Pflege- und Gesundheitssektor. Zusätzlich wird von einem Personalmangel in der ärztlichen Versorgung, Pflege und Betreuung ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund werden hochinnovative, technische Entwicklungen wie Robotik und andere intelligente Systeme im Gesundheitswesen eine zunehmend bedeutende Rolle spielen.

Fazit

Die einheitliche und zentrale Logistiksteuerung bietet Krankenhäusern mit einer automatischen, individuell skalierbaren Leitstelle eine intelligente Vernetzung, optimierte Echtzeitsteuerung und eine einfache Integration in die vorhandene EDV. Wie das Klinikum Ingolstadt gezeigt hat, können solche intelligenten Systeme das Krankenhauspersonal entlasten, die Wartezeiten der Patienten verkürzen und die Wirtschaftlichkeit des Krankenhauses erhöhen. Auch wenn das Krankenhaus Ingolstadt ein Pionier in der intelligenten Krankenhauslogistik ist, gibt es mittlerweile einige Einrichtungen, die das Potenzial solcher Systeme erkannt haben und für sich nutzen. Flure voller Betten und Patienten sehen wir hoffentlich bald nur noch sehr selten!

Haben Sie schon Erfahrung mit intelligenten Systemen für die Krankenhauslogistik gemacht?



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Über die Autorin

  • Luisa Walendy

    Luisa Walendy arbeitet seit 2015 für die INFORM GmbH und schreibt hauptsächlich zu den Themen Produktion und Industrielogistik.

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