Kreislaufwirtschaft in Logistik und Produktion

von Dr. Dorothea Ernst
The circle of trust
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Wie Software zur Vermeidung von Abfall und Verschwendung beiträgt

In unserer zu 90 Prozent linear gestalteten Wirtschaft werden der Erde Ressourcen entnommen, zu Waren verarbeitet, genutzt und letztlich entsorgt. Lange ist bekannt, dass wir Menschen im Übermaß leben und regelmäßig bereits im Sommer die nachwachsenden Ressourcen der Erde verbraucht haben (in diesem Jahr haben wir den Erdüberlastungstag am 29. Juli erreicht). Mit der Etablierung der Kreislaufwirtschaft soll deshalb eine Verlängerung von Produktlebenszyklen, mehr Recycling und die Vermeidung von Verschwendung erreicht werden, um die Ressourcen unserer Erde zu schonen. Letzteres Ziel unterstützen schon heute intelligente IT-Systeme in Logistik und Industrie.

Verschwendung in der Lieferkette erkennen

Um Abfall und Verschwendung zu verhindern, gilt es zunächst, diese zu identifizieren. Im Lean Manufacturing werden acht Arten von Verschwendung differenziert:

Auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft sollten Unternehmen zunächst die eigene interne Lieferkette unter die Lupe zu nehmen, um Verschwendungen zu erkennen. Maßnahmen, diese anschließend zu verringern oder gar zu vermeiden, lassen sich mithilfe von Digitalisierung realisieren.

Intelligente IT-Systeme sorgen für mehr „Sauberkeit“ in Lieferketten, indem sie auf vorhandene Daten zugreifen und Prozesse optimieren. Sie analysieren etwa die Auftragslage und vorhandene Ressourcen, unterstützen Planungsprozesse, optimieren Abläufe und bringen Unternehmen dadurch nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern tragen auch signifikant zur Ressourcenschonung bei. Wie sich dieser Effekt zeigt, veranschaulichen die folgenden Beispiele:

1. Predictive Maintenance im Maschinenbau

Die moderne, datengetriebene Instandhaltungsstrategie des Predictive Maintenance hält mehr und mehr Einzug in den Maschinen- und Anlagenbau. Sie hilft dabei, die Lebenszeit von Maschinen und Komponenten maximal auszuschöpfen, in dem die Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen durch das Erfassen, Analysieren und Bewerten von anlagenspezifischen Daten vorausschauend geplant werden. Das verhindert einen unnötigen Austausch noch funktionierender Komponenten, reduziert die Anzahl an Serviceeinsätzen und Dienstreisen und leistet damit einen Beitrag zur Ressourcenschonung und der Reduktion von CO2-Emissionen.

2. Bessere Prognosen für Lebensmittelabsätze

22 Prozent aller Abfälle im Lebensmittelsektor entstehen bereits in der Verarbeitung und dem Handel. Oft wird mehr produziert, als Kunden tatsächlich nachfragen. Eine präzise Bedarfsplanung ist zwar möglich, jedoch sehr komplex: Faktoren wie Feiertage, Werbeaktionen, Saisonalitäten oder auch das Wetter müssen bei der Planung berücksichtigt werden. Selbstlernende Algorithmen, die solche Einflüsse auf den Absatz im Lebensmitteleinzelhandel berücksichtigen, können die Genauigkeit der Absatzprognosen um bis zu 50 Prozent steigern. Angebot und Nachfrage rücken damit näher zusammen, was Abfälle verringert und die Lieferkette bis hin zur Landwirtschaft oder Fischerei stabilisiert.

3. Verlässlichere Wiederbeschaffungszeiten

Verschwendung entsteht auch, wenn Lieferanten ihre Waren zu früh oder zu spät anliefern. Ein neuer Machine-Learning-Ansatz berechnet eine Prognose über die tatsächliche Anlieferzeit der Ware um bis zu 70 Prozent genauer. Dieser Gewinn an Sicherheit reduziert Überbestände bei verfrühter Lieferung oder kurzfristige Nachbestellungen, die oft mit hohem CO2-Fußabdruck per Luftfracht geliefert werden. Damit wird die Kreislaufwirtschaft aktiv gestaltet und gleichzeitig ein Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel geleistet.

4. Wiederverwendbare Transportbehälter

In der Lebensmittel- oder Automobilindustrie sind Mehrweg-Transportverpackungen (MTV) aus Kunststoff, Holz oder Metall ein wichtiger Bestandteil in der Lieferkette. Im Vergleich zu Einwegtransportverpackungen ermöglichen sie nicht nur Kosteneinsparungen, sondern reduzieren auch Abfall. Für einen echten Nachhaltigkeits-Effekt sollten sie jedoch möglichst lange im Kreislauf bleiben und immer zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle eingesetzt werden. Denn auch die Herstellung der MTV verursacht CO2-Emissionen. Intelligente Planungssoftware hilft dabei, die MTV richtig zu allokieren, indem präzise berechnet wird, wie viele Behälter zu welcher Zeit an welchem Ort benötigt werden.

Ausblick

Wir können unser Klima nicht retten, ohne Kreislaufwirtschaft zu betreiben. In unserer stark industrialisierten Welt ist sie ein großer Hebel für mehr Nachhaltigkeit. Die hier gezeigten Praxiserfolge sind nur Teilschritte auf unserem Weg zur Kreislaufwirtschaft. Da Unternehmen durch die Vermeidung von Verschwendungen aber gleichzeitig finanzielle Vorteile erzielen, muss kein Konflikt zwischen Profit und Nachhaltigkeit überwunden werden: Im Gegenteil nachhaltiges Handeln steigert die Wirtschaftlichkeit. Es wird Zeit, den Nachhaltigkeitsfokus Kreislaufwirtschaft als einen festen Bestandteil in jede Unternehmens-Strategie aufzunehmen. Schnelle, messbare Erfolge können Unternehmen mit Softwaresystemen zur Planung und Optimierung ihrer Logistik erzielen und somit den eigenen, ökologischen Fußabdruck langfristig verbessern.



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Über die Autorin

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    Dr. Dorothea Ernst arbeitet seit 2020 bei der INFORM. Sie steht für Nachhaltigkeit als Innovationskraft und bringt zu diesem Thema > 15 Jahre Praxiserfahrung ein.

     

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