Künstliche Intelligenz – was längst bekannt und was wirklich neu ist

von Peter Frerichs

Im Frühjahr 1968 erzählt Prof. Karl Steinbuch der Süddeutschen Zeitung in einem Interview, dass die künstliche Intelligenz von Maschinen, sobald man die Technologie richtig beherrscht, Grenzen der menschlichen Intelligenz übersteigen wird. Der Titel des Interviews "Der Computer macht sich selbständig" wurde damals sicherlich spektakulärer aufgefasst als heute, doch er beweist, dass die Idee der lernenden Maschine (mindestens) schon ein halbes Jahrhundert existiert. Steinbuch gilt als Mitbegründer der künstlichen Intelligenz, er verstarb 2005.

 

Quelle: Süddeutsche Zeitung, Wissensseite 22.2.1968

 

Der Vorteil liegt in der Masse

Es gibt heute bereits zahlreiche Anwendungsbeispiele der künstlichen Intelligenz. Doch überall dort, wo die Maschine in der Lage ist, besser als der Mensch zu sein, ist dies auf eine Besonderheit zurückzuführen: die enorme Aufnahmefähigkeit der Maschine. Wenn ein Algorithmus Hautkrebs besser analysiert als ein Arzt, liegt das nicht an mangelnder Qualifikation des Mediziners, sondern daran, dass die Maschine so viele Lernbeispiele hat, wie ein Mensch sie in seinem Berufsleben nie erreichen könnte. Wenn ein Algorithmus einen Profi-Spieler im Strategiespiel "Go" schlägt, basiert das auf der Tatsache, dass die Maschine unzählige Spiele gegen sich selbst spielen kann und sich dadurch schneller und kontinuierlicher verbessert als der Mensch es je könnte. Wenn ein Algorithmus in meinem Smartphone schon vor mir weiß, welche Nachricht ich meiner Frau über einen Messenger schicken möchte, dann, weil er die häufigste Kombination von Wörtern in einem Satz über unzählige Konversationen erforscht hat. Dieser Idee folgte Steinbuch bereits im Jahr 1968, als er davon sprach, dass ein entsprechender Computer nicht isoliert betrieben werden darf, sondern Kontakt mit der "Außenwelt", also einem unbegrenzten Informationspool benötigt, um auf Basis aller möglichen Daten Erfahrung zu sammeln und mit neuen, selbstlernenden Methoden auszuwerten.

Durchbruch durch Rechenleistung und Big Data

Obwohl die Idee damit konzeptionell schon früh sehr reif war, waren die technologischen und hardwarebasierten Möglichkeiten lange begrenzt. Für Berechnungen, die heute sekundenschnell passieren, waren vor einigen Jahren noch Monate nötig. Neben der drastisch gestiegenen Leistungsfähigkeit von Hardware, hat auch die Digitalisierung in den vergangenen Jahren den Start in die anwendbare künstliche Intelligenz ermöglicht: Faltbare Landkarten sind den "Digital Natives" völlig unbekannt, denn das Smartphone navigiert überall hin, eingekauft wird meist online (und bezahlt ebenso), Lagerbewegungen erfassen ein RFID-Gerät oder die Augmented Reality Brille, den LKW-Standort übermittelt GPS. Zahlreiche weitere Beispiele von digitaler Datenerfassung lassen sich hier anfügen.

Aus dieser Digitalisierung ergibt sich eine rasant steigende Datenmenge, das so genannte Big Data. Diese wird für die Unternehmen nicht mehr handhabbar, die Daten sind unüberschaubar und ohne entsprechende Technologie auch unbrauchbar. Doch erst die Existenz dieses Phänomens ermöglicht uns, künstliche Intelligenz wirklich anzuwenden, da die Daten blitzschnell überall verfügbar sind. Mit dem Ziel, bessere Kenntnis über Kunden zu erlangen, Branchenentwicklungen genauer vorhersagen zu können und Prozesse effizienter zu gestalten.

Fazit

Künstliche Intelligenz ist in ihrer Idee und der Theorie keineswegs neu, sondern wurde schon vor 50 Jahren diskutiert und erforscht. Dass wir dennoch heute so einen "Hype" um die Technologie erleben, liegt an der sich herausbildenden Praktikabilität der innovativen Ansätze durch die Kombination aus Machine Learning oder Deep Learning und der entsprechenden Hardware. Wir sprechen nicht mehr nur von Visionen, sondern können operativ mit Anwendungen arbeiten. Das verdanken wir auch der Verfügbarkeit weltweit digital erfasster Daten.

Umfrage

Wie blicken Sie dieser Entwicklung entgegen? Sehen Sie großes Potenzial von künstlicher Intelligenz in der Logistik? In einer Umfrage wollen wir gemeinsam mit der Fachzeitschrift Logistik Heute diesem Thema auf den Grund gehen. Ich würde mich freuen, wenn Sie an der Kurzumfrage teilnehmen würden (ca. 5 Minuten). Hier gelangen Sie dorthin. Unter allen Teilnehmern verlosen wir einen Jochen Schweizer Gutschein im Wert von 200€. Viel Glück!



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