Mitarbeiter/-innen, Schüler*innen, Student(inn)en – wie wir bei INFORM mit dem Thema gendergerechte Sprache umgehen

von Vanessa Sack
(c) Stadtratte - Getty Images

Geschlechtergerechte Sprache ist aktuell ein viel wie auch heiß diskutiertes Thema. Auch wir bei INFORM setzen uns seit einiger Zeit damit auseinander. Wir achten nicht nur immer mehr in unserer Kommunikation mit (potenziellen) Mitarbeiter/-innen und (potenziellen) Kund/-innen darauf, dass wir gendern, sondern haben auch eine interne Arbeitsgruppe gegründet, die unseren Kolleginnen und Kollegen bestmöglich über das Thema aufklären und eine Hilfestellung an die Hand geben möchte. Warum wir uns für eine geschlechtergerechte Sprache aussprechen, erfährst du in diesem Blogbeitrag.

Das generische Maskulinum – ein Wort für alle?

Wenn wir im Deutschen von Gruppen sprechen, die aus Frauen und Männern bestehen oder bei denen das Geschlecht unbekannt ist, dann verwenden wir oft die männliche Form (die Mitarbeiter, die Schüler), das sogenannte „generische Maskulinum“. Das generische Maskulinum ist eine grammatisch männliche Bezeichnung, die aber laut Definition keine Verbindung zum biologischen Geschlecht hat. Die Mitarbeiter meint also eine Gruppe von Personen, die einem Unternehmen angehören – über deren biologisches Geschlecht sagt der Begriff an sich jedoch nichts aus.

Im Deutschen hat die männliche Pluralform demnach eine Doppelfunktion, nämlich gleichzeitig für Männer und Frauen zu stehen. Insbesondere bei Berufsbezeichnungen bildet das generische Maskulinum traditionelle Rollenbilder ab: Damals hatten hauptsächlich Männer bestimmte Rollen bzw. Positionen inne (z. B. Arzt) und das Problem des möglichen Ausschlusses bestimmter Geschlechtergruppen kam oftmals gar nicht auf.

Psycholinguistische Studien zeigen: Frauen werden gedanklich weniger miteinbezogen

Sicherlich kann es sein, dass sich Frauen bei Bezeichnungen wie Arzt oder Anwalt mitgemeint fühlen. Viele psycholinguistische Studien zeigen jedoch, dass diese vermeintlich neutralen Bezeichnungen vor allem Assoziationen von Männern hervorrufen und Frauen bei Sätzen im generischen Maskulinum automatisch selten mitgedacht werden. Ob man Testpersonen nach politischen Kandidaten für das Amt des Bundeskanzlers oder berühmten Musikern oder Schriftstellern fragt: In beiden Fällen werden deutlich mehr Männer genannt, als wenn nach „Kanzlerinnen und Kanzlern“ bzw. „Musikerinnen und Musikern“ gefragt wird.

Das generische Maskulinum formt unseren Blick auf die Welt, stellt diese aber nicht so dar, wie sie heute eigentlich ist. Gendern kann hier Abhilfe schaffen und Geschlechterstereotypen und -vorurteilen in unseren Köpfen entgegenwirken. Denn das, was wir häufiger lesen, schreiben, sagen oder hören ist präsenter. Und was präsenter ist, wird einfacher reproduziert. Der Duden hat Anfang 2020 ein Zeichen gesetzt und möchte in der Online-Ausgabe seines Wörterbuchs das generische Maskulinum abschaffen. Zu 12.000 Artikeln über Personen- und Berufsbezeichnungen soll jeweils ein zweiter, weiblicher Artikel hinzukommen. Mittlerweile können wir uns einer Fülle an unterschiedlichsten Möglichkeiten bedienen, um Sprache gendergerecht zu gestalten.

Die verschiedenen Formen des Genderings

Neben dem generischen Maskulinum gibt es im Deutschen eine Vielzahl an gendergerechten Schreibformen, die grob in die drei Kategorien Feminisierung, Neutralisierung und Gender-Zeichen unterteilt werden.

Feminisierung

Formen der Feminisierung sollen Frauen in der Sprache sichtbarer machen. Im Gegensatz zu den Genderzeichen wird hier die Zweigeschlechtlichkeit (männlich/weiblich) vorausgesetzt und diverse Menschen werden nicht mitgedacht.

  • Paarform/Doppelnennung: die Softwareentwicklerinnen und Softwareentwickler
  • Schrägstrich (mit Ergänzungsbindestrich): der Entwickler/die Entwicklerin bzw. der/die Entwickler/-in
  • Binnen-I: SoftwareentwicklerInnen
  • Klammer: Softwareentwickler(in), Kolleg(inn)en

Neutralisierung

  • Substantivierte Adjektive: der/die Erziehungsberechtigte
  • Substantivierte Partizipien: die Studierenden, die Mitarbeitenden

Genderzeichen

Die Genderzeichen sind ein Platzhalter für alle, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen. Deshalb werden sie insbesondere in Kontexten verwendet, in denen Geschlecht als nicht binär verstanden wird.

  • Gendersternchen: Softwareentwickler*innen
  • Genderunterstrich/-gap: Softwareentwickler_innen
  • Doppelpunkt: Softwareentwickler:innen

Neben diesen Formen gibt es noch weitere mehr oder weniger kreative Lösungen gendergerecht zu schreiben. Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) – ein Verein, der die deutsche Sprache pflegt und erforscht – hat in einem seiner Artikel Leitlinien zu den Möglichkeiten des Genderings aufgestellt und die verschiedenen Formen des Genderings bewertet. Laut dem Rat für deutsche Rechtsschreibung gibt es allerdings bisher keine eindeutige Tendenz, welche der Möglichkeiten am besten geeignet ist, um Sprache gendergerecht zu gestalten.

Warum wir bei INFORM gendern

Frauen werden durch gendergerechte Sprache nicht nur gedanklich mehr einbezogen. Auch im beruflichen Kontext kann Gendern positive Effekte haben und zum Beispiel die Berufswahl beeinflussen. So hat eine Studie der Freien Universität Berlin aus dem Jahre 2015 herausgefunden, dass geschlechtergerechte Sprache die kindliche Wahrnehmung von Berufen prägt: Kindern, denen geschlechtergerechte Berufsbezeichnungen vorgelesen wurden, trauten sich viel eher zu, einen typisch männlichen bzw. typisch weiblichen Beruf zu ergreifen als solche, denen nur die männliche bzw. weibliche Pluralform präsentiert wurde. Typisch männliche Berufe wurden nach der geschlechtergerechten Bezeichnung von den Kindern als leichter erlernbar und weniger schwierig eingeschätzt.

Wir bei INFORM haben uns für eine gendergerechte Sprache entschieden, weil wir als IT-Arbeitgeber (junge) Frauen dazu ermutigen möchten, ihre Chance auf einen technischen Beruf zu ergreifen. Denn für uns ist selbstverständlich, dass IT-Berufe für alle Geschlechter geeignet sind. Unser aktueller Frauenanteil von 31 Prozent kann sich in unserer Branche schon sehen lassen, aber es gibt natürlich weiterhin Luft nach oben, weshalb wir Mädchen und Frauen im MINT-Bereich fördern. Darüber hinaus ist der Wunsch nach Gendering vor allen Dingen bei den jüngeren Generationen ausgeprägt, was die Studie „OK Zoomer – Marketing für die Gen Z“ zeigt. Wir möchten dem Nachwuchs von morgen also respektvoll gegenübertreten und alle Personen richtig ansprechen.

Sprache wandelt sich stetig und das kann mitunter ungemütlich für das eigene Sprachempfinden sein. Denn alles, was von den gelernten Regeln abweicht, finden wir erst einmal ungewohnt. Aber wenn gendergerechte Sprache es tatsächlich schaffen kann, für mehr Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft zu sorgen, wieso sollten wir diese Chance dann nicht wahrnehmen?

Wie stehst du zum Thema Gendern? Welche Form des Genderings favorisierst du und warum? Lass uns gerne einen Kommentar da :-)



Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

Gesund und fit durch die Ausbildung bei INFORM – Fit am Arbeitsplatz

Lesen

Mein Praktikum bei INFORM – Supply Chains und vieles mehr!

Lesen

MINT-Talente zeichnen INFORM als „MINT Minded Company 2022" aus

Lesen

Über die Autorin

  • Vanessa Sack arbeitet seit Dezember 2019 bei INFORM. Sie ist verantwortlich für den Bereich Personalmarketing und beschäftigt sich mit den Themen Azubi- und Online-Marketing, PR sowie Kooperationen bzw. Sponsorings.

    Alle Beiträge dieser Autorin

    Mehr über diese Autorin unter:

Unsere Autoren

Finden Sie alle unsere Autoren auf einen Blick!

Alle Autoren

Nach oben