Montageplanung GO! – Augmented Reality in der Industrie

von Stipo Nad
Mann mit Datenbrille

Nach einigen Wochen der völligen Nutzer-Überschwemmung, nehmen die Fluten der Pokemonjäger auf deutschen Straßen mittlerweile wieder ab, auch wenn hin und wieder noch ein Teenager mit geneigtem Kopf am Hotspot auf den besonderen Fang wartet. Diese Ebbe tut dem Erfolg von Pokemon Go dennoch keinen Abbruch, denn jegliche Nutzerrekorde über alle Trend-Apps hinweg wurden bereits gebrochen. Die Meinungen zum Spiel gehen jedenfalls stark auseinander. Doch unbestreitbar bleibt, dass die Faszination für Augmented Reality grundsätzlich groß ist. Für alle, an denen der Hype bisher noch unbemerkt vorbeigezogen ist (ich vermute, das sind nicht viele unter Ihnen): Unter Augmented Reality versteht man eine computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung. Diese bezieht sich dabei meist nur auf die visuelle Wahrnehmung, also die Ergänzung von Bildern oder Videos mit computergenerierten Zusatzinformationen oder virtuellen Objekten mittels Einblendung oder Überlagerung.

Diese erweiterte Realität kann sich nun entweder darin zeigen, dass  Pokemons plötzlich in unserer unmittelbaren Umgebung auftauchen, oder aber auch in industriellen Anwendungen berufsorientierten Gebrauch finden. Denn die computergestützte Realität ist längst nicht mehr ausschließlich Terrain für die Spieleindustrie. Autohersteller nutzen die Technik seit mehreren Jahren in der Entwicklung und auch der Maschinenbau greift vermehrt auf entsprechende Anwendungen zurück, um Prozesse zu simulieren.

Augmented Reality in der Montageplanung

Im Maschinen- und Anlagenbau eröffnet Augmented Reality vor allem den Monteuren neue Möglichkeiten zur Prozessverbesserung. Beispielsweise können sie die Technologie nutzen, um den nächsten Arbeitsschritt direkt in ihr Sichtfeld einblenden zu lassen oder einzelne Bauteile virtuell zu beschriften. Ein anderes Anwendungsszenario wäre, wenn die Maschine der App Informationen sendet, wie beispielsweise über kaputte oder fehlende Bauteile, die dann sofort auf dem Bildschirm angezeigt und lokalisiert werden. So kann die erweiterte Realität zur wertvollen Hilfestellung bei komplexen Aufgaben werden. Auch wenn die Anwendung im Maschinen- und Anlagenbau noch nicht sehr weit verbreitet ist, erkennt die Branche zunehmend die Bedeutung der Digitalisierung und richtet Ihre Produktion vermehrt digital aus.

Doch bevor man sich an die Augmented Reality in der Montageplanung wagt, sollten die Prozesse für die Montage bereits gut geplant sein. Erst wenn feststeht, wann welches Teil wo eingebaut werden soll, können die Informationen mit Hilfe von mobilen Endgeräten über das reale Bild gelegt werden. Augmented Reality übernimmt in diesem Fall keine Planungsaufgaben, sondern unterstützt durch Visualisierung vorhandener Informationen an der richtigen Stelle, zum richtigen Zeitpunkt.

Richtige Planung muss sein

Zunächst sollte also die Planung optimiert sein. Doch die Montageplanung ist komplex und birgt häufig terminliche Probleme. Denn Fehlteile, hochindividuelle Einzelaggregate und wachsende Stücklisten verhindern oft die pünktliche/terminorientierte? Planung. Hinzukommen im Maschinen- und Anlagenbau typischerweise kurzfristige Kundenänderungen. Wenn die Montage dann erst einmal zu stocken droht, wird es schwierig, die Verspätung aufzuhalten. Mit der Fehlteilliste in der Hand rennt der Mitarbeiter dann hektisch durch die Produktion. Eine alltägliche Situation im Maschinen- und Anlagenbau.

Um aber eine stabile Basis für Augmented Reality in der Montage zu schaffen, sollte die Montageplanung daher termingerecht abgeschlossen sein. Denn wenn die Bauteile nicht rechtzeitig da sind oder falsch eingeplant wurden, können die Daten für die Technologie nicht richtig verarbeitet werden. Deshalb müssen die Fertigungs- und Beschaffungsprozesse für die Montage so geplant sein, dass alle notwendigen Teile, Materialien und Ressourcen bei Montagestart bereitgestellt sind oder in angemessener Zeit angeliefert werden. An dieser Stelle setzen intelligente APS-Systeme an und synchronisieren die Arbeits-, Beschaffungs- und Bereitstellungsvorgänge pünktlich zur Montage. Dank der entscheidungsintelligenten Systeme können alle Prozesse transparent abgebildet, Fehlteile reduziert, stimmige Terminaussagen gegenüber Kunden getroffen und der Planungsaufwand reduziert werden. Insgesamt senken verbesserte Arbeitsabläufe und weniger Terminverschiebungen die Kosten in der Montage und der gehetzte „Terminjäger“ gewinnt Zeit für die Weiterentwicklung anderer Arbeitsprozesse.

Fazit

Augmented Reality wird die Montage im Maschinen- und Anlagenbau vermutlich in Zukunft stark verändern. Als Mensch-Maschine-Schnittstelle bietet die neue Simulationstechnologie die Möglichkeit, dass Menschen große und komplizierte Datenmengen im Raum visualisieren können. Das ermöglicht Zeitersparnis, Interaktion und Simulation, was wiederum Raum für Optimierung lässt. Dennoch muss das komplexe Werk aus Zukaufteilen und Eigenfertigung optimal geplant sein, damit moderne Technologien überhaupt greifen können. Bevor die Augmented Reality in deutsche Fabrikhallen einzieht, sollte daher dafür gesorgt sein, dass die Montageplanung reibungslos verläuft. Denn die Anweisung per erweiterter Realität hat nur einen Mehrwert, wenn die Planung stimmt.

Und wer weiß, vielleicht verirrt sich ja auch mal ein Pokemon in die Montage einer Anlage.



Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

Sechs Stellschrauben für mehr Nachhaltigkeit im Maschinenbau

Lesen

Ausgezeichnet: Industrie 4.0 in der Praxis bei Benz

Lesen

Digitales Shopfloor Management in Krisenzeiten

Lesen

Über den Autor

  • Stipo Nad

    Stipo Nad ist seit 2001 bei INFORM tätig und beschäftigt sich hauptsächlich mit den Themenschwerpunkten Advanced Planning & Scheduling, Produktionsplanung sowie Business Intelligence.

    Alle Beiträge dieses Autors

    Mehr über diesen Autor unter:

Unsere Autoren

Finden Sie alle unsere Autoren auf einen Blick!

Alle Autoren

Nach oben