​​​​​​​Post-Corona – Eine Zeit nachhaltigeren Wirtschaftens?

von Adrian Weiler
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(c) AlexBrylov - Getty Images

Es gibt zurzeit eigentlich nur ein Thema, das die Redaktionspläne und Medienberichte dominiert. Wir alle haben bereits vielfach gelesen und erlebt, welche immensen Auswirkungen Covid-19 auf das politische, wirtschaftliche und soziale Leben hat. Anstatt diese Zahlen und Prognosen zu wiederholen, möchte ich die Aufmerksamkeit wieder auf die noch globalere Herausforderung lenken, um die sich die öffentliche Debatte vor Ausbruch des Virus drehte: Nachhaltigkeit angesichts des fortschreitenden Klimawandels.

Bereits Anfang März wurden erste Stimmen laut, die ein ebenso konsequentes Handeln für den globalen Klimaschutz forderten, wie es zur Vermeidung weiterer Virusinfektionen umgesetzt wurde. Auslöser waren häufig Berichte über Verbesserungen der Luft- und Wasserqualität an Orten, an denen intensive Emissionen spontan ausgesetzt werden mussten. Doch die weitreichende Disruption der Wirtschaft und Gesellschaft durch Corona ist ein vielschichtiges Problem, das keine vereinfachten, einseitigen Antworten zulässt. Natürlich werden und sollen stillgelegte Anlagen und Lieferketten wieder in Betrieb genommen werden, wenn die allgemeine Situation es wieder zulässt. Schließlich gehören auch produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN. Dennoch besteht Grund zur Annahme, dass dieser Neubeginn auf gemeinschaftlichere und nachhaltigere Weise geschehen könnte als es bisher möglich gehalten wurde.

Neuaufbau im Sinne der Nachhaltigkeit

So hart Covid-19 viele Menschen auch getroffen hat, so beeindruckend sind die vielen schnellen und kreativen Maßnahmen, mit denen man auf die Krise zu reagieren versucht. Damit sind nicht nur Besuchsverbote und Hygienemaßnahmen gemeint, sondern unternehmerische Initiativen, zwischenmenschliche Solidarität, innovative Arbeitsweisen und nicht zuletzt wirtschaftliche Projekte zur Unterstützung anderer. Plötzlich sind Dinge möglich, die vorher undenkbar schienen. Faszinierend ist auch, wie schnell sich Lebensgewohnheiten und etablierte Abläufe gänzlich umgestalten lassen, um in einer gemeinsam Not Abhilfe zu schaffen.

Vielleicht ist es diese Erfahrung, dass auch tiefgreifende Veränderungen kurzfristig möglich sind und wir als Gesellschaft unserer Zukunft proaktiv in die Hand nehmen können, die vor einigen Tagen eine Gruppe von 180 Ministern, EU-Abgeordneten, Managern bekannter Konzerne, Gewerkschaftern, Nicht-Regierungsorganisationen und Experten zur Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung bewogen hat. Das Handelsblatt zitiert: „Der Umbau zu einer klimaneutralen Wirtschaft, der Schutz der Artenvielfalt und die Umgestaltung der Agrar- und Lebensmittelindustrie bieten die Möglichkeit zum schnellen Aufbau von Jobs und Wachstum – und können dazu beitragen, Gesellschaften widerstandsfähiger zu machen.“ Zusammengefasst sprechen sie von einer Vision einer nachhaltigeren Lebensweise.

Nachhaltigkeit wird als „Art und Weise des Wirtschaftens“ definiert, „bei welcher derzeitige Bedürfnisse befriedigt werden, ohne zukünftigen Generationen die Lebensgrundlagen zu entziehen. Kennzeichnung durch langfristig orientiertes Denken und Handeln, um ein Fließgleichgewicht der natürlichen Ressourcen zu erreichen“ (Quelle).

Nachhaltigkeit und Profitabilität

Wenn der Ausblick auf eine nachhaltigere Zukunft mehr sein soll als leere Leitlinien, deren Befolgung oder Nicht-Befolgung keinerlei Konsequenzen nach sich ziehen, ist konkrete Aktion gefragt. Dazu ist der Beitrag vieler Experten und Expertinnen aus unterschiedlichen Richtungen ist gefragt. Unter anderem müssen Use Cases erarbeitet werden, wie unterschiedliche Technologien, Organisationsformen und Prozesse nachhaltiges, wirtschaftliches Handeln ermöglichen. Man denke etwa an die Energieeffizienz von Industrie- und Logistikimmobilien, an Kosten- und Emissionseinsparungen durch optimierte Prozesse sowie weichere Wettbewerbsfaktoren, wie Zertifikate für eine faire Beschaffung.

Seitens Digital Decision Making – also dem cleveren Einsatz von Algorithmen, Daten und KI bei der Optimierung betrieblicher Prozesse – stehen viele denkbare Anwendungen zur Auswahl, die einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten können. Zur Veranschaulichung konzentriere ich mich an dieser Stelle auf nur ein ausgewähltes Beispiel: Mittels eines algorithmisch gesteuerten Transportleitsystems lässt sich sowohl der Einsatz von Fahrzeugen wie Gabelstapler oder Lkw als auch die Disposition von Transporthilfsmitteln wie Hänger, oder Container in der innerbetrieblichen Logistik optimieren. Ziel ist es, automatisiert Leer- und Suchfahrten zu minimieren, unnötiges Umlagern zu vermeiden und alle Bewegungen termingerecht durchzuführen.

Betrachten wir einen einzelnen Dieselstapler im Einschicht-Betrieb, ist bereits von durchschnittlich 2.000 Betriebsstunden pro Jahr auszugehen; ebenso von einem CO2-Ausstoß von etwa 16 Kilogramm pro Stunde, also 32 Tonnen pro Jahr. Erfahrungsgemäß lässt sich der Staplereinsatz durch intelligente Echtzeit-Planung um etwa 25 Prozent verringern. Bedenkt man, dass INFORM-Systeme derzeit über 1.000 Stapler im innerbetrieblichen Verkehr steuern, summieren sich die jährlichen Einsparungen auf 8.000 Tonnen CO2. Dies entspricht knapp dem Jahresverbrauch von 930 deutschen Bundesbürgern (Quelle).

Problemlöser Digitalisierung?

Die Digitalisierung hilft uns in der Krise also nicht nur durch praktische Kommunikationswerkzeuge, die das Arbeiten im Home-Office erleichtern, sondern bietet konkrete Anwendungsbeispiele für ein nachhaltigeres Wirtschaften. Das gilt insbesondere für Digital Decision Making. Die Reduktion der Staplerfahrten führt schließlich nicht nur zu weniger Emissionen, sondern auch zu Zeit- und Kosteneinsparungen sowie reibungslosen Abläufen. Der logistische Prozess wird durch ein intelligentes System also in vielerlei Hinsicht resilient, d.h. widerstandsfähig gegen Disruptionen und Krisen. Dennoch ist intelligente IT natürlich nur einer von vielen Bausteinen, mit denen sich eine nachhaltigere Wirtschaftsform aufbauen lässt. Eine gute Zeit, um darüber nachzudenken, welche Veränderungen man heute anstoßen möchte.

Wie gehen Sie mit dem Thema Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen um?



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