Produktion für den Sommer rüsten

von Stefan Auerbach

Die ersten Sonnentage in diesem Jahr lassen uns hoffnungsvoll auf einen baldigen Frühlingsstart blicken und so mancher Ungeduldige sehnt sogar schon den Sommer herbei. Andere haben die Saison der heißen Tage aus unternehmerischen Gründen schon jetzt fest im Blick und so rüsten sich einige Industrien für den steigenden Absatz im Saisongeschäft. Ob Eis, Sonnencreme oder Getränke - die Sommermonate sind Hochsaison für so manche Branche.

Verfügbarkeit auch ohne Aufrüsten

Um bei diesem steigenden Absatz eine hohe Lieferfähigkeit zu garantieren, sind nicht zwingend zusätzliche Ressourcen nötig. Oft lasten Unternehmen die bereits vorhandenen Maschinen und Kapazitäten nicht optimal aus und verschenken dadurch Produktions- und Umsatzpotenzial. 

Eine gute und intelligente Planung der internen Prozesse, Maschinenkapazitäten und Materialien führt zu besserer Termintreue – auch bei wachsenden Marktanforderungen oder größeren Verkaufsmengen. Der Blick auf den Markt und den zu erwartenden Absatz ist eine weitere, wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Saison. Darüber hinaus spielt auch der Zeitpunkt der Vorproduktion eine große Rolle. Denn die Bevorratung für den Sommer sollte zuvor nicht zu Engpässen im Winter führen. Die Ziele sind also relativ klar umrissen: stetige Verfügbarkeit, marktorientierte Produktion, optimale Auslastung und frühzeitige Vorproduktion für das Saisongeschäft? Wie lässt sich das nun alles miteinander vereinbaren?

Ganzheitliche Planung von Absatz und Produktion

Die Lösung liegt in der ganzheitlichen Betrachtung der Lieferkette und der Integration aller relevanten Planungsabteilungen. Am Beginn steht die Absatzplanung. Diese sollte der Vertrieb keinesfalls isoliert vornehmen, ohne die Auswirkungen der Planung auf die Produktion, Beschaffung oder die Wünsche des Managements zu berücksichtigen. Eine gute Absatzplanung muss daher ohne Lücken oder Medienbrüche zwischen den betroffenen Abteilungen vorgenommen werden.

Ein Benchmark in der Getränkeindustrie, Capri-Sonne, hat diesen Schritt durch die Implementierung einer spezialisierten Software für die Absatzplanung gemacht. Vor dieser Veränderung des Prozesses bestand die Absatzplanung bei Capri-Sonne aus der Sammlung von verschiedenen Daten in Excel-Listen, die sowohl von regionalen Niederlassungen, Lizenz­nehmern als auch von Großkunden an den Capri-Sonne Standort in Eppel­heim herangetragen und dort konsolidiert wurden. Heute ist der Planungsprozess stärker vereinheitlicht, ohne die Detailtiefe zu vernachlässigen. Im Gegenteil kann die Planung durch die Möglichkeiten der Software nun sogar auf einzelne Produkte oder Länder heruntergebrochen werden. Das bietet mehr Transparenz und einen guten Blick auf die Konsequenzen bestimmter Handlungen für die gesamte Supply Chain.

Liegt in einem Unternehmen eine solche Absatzplanung als verlässliche Basis für die marktorientierte Produktion vor, wird auch der Produktionsplanungsprozess effizienter. Dabei ist es einerseits wichtig, die richtige Menge des Materials zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar zu haben. Außerdem sollte die Planung des vorhandenen Materials und der Maschinenauslastung gleichzeitig, also simultan, vorgenommen werden. Diese simultane Vorgehensweise bietet einen entscheidenden Vorteil: Sie ist realistisch und kostenoptimiert. Denn da die üblichen Planungsverfahren oft vor dem Irrglauben, es gäbe unbeschränkte Maschinenkapazitäten, und ohne Berücksichtigung des lagerhaltigen Materials planen, scheitern sie an den tatsächlichen Gegebenheiten: Das Material fehlt oder die Maschine ist längst belegt. Eine simultane Planung ermöglicht im Vergleich dazu eine optimierte Fertigung und Auslastung der vorhandenen Kapazitäten.

Einen weiteren Vorteil bietet die automatische Berücksichtigung der Vorproduktion. In einem intelligenten System für die simultane Produktionsplanung wird jede freie Kapazität in einem Vorlauf zur Saison automatisch und dynamisch für die vorgezogene Fertigung eingeplant. Damit bleibt die Handlungsfähigkeit im Alltagsgeschäft erhalten und Absatzschübe rufen keine Engpässe oder Hektik in der Produktion mehr hervor.

Fazit

Damit die Vorfreude auf das gute Wetter nicht vom Stress in der Fertigung überschattet wird, sollten Unternehmen ihre Prozesse frühzeitig auf den zusätzlichen Saisonabsatz ausrichten. Damit dies gelingt, sind eine marktorientierte Absatzplanung und simultane Produktionsplanung nötig. Damit wird die richtige Menge am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt bereitgestellt – auch ohne die Anschaffung zusätzlicher Maschinen oder Sonderschichten und eine kostspielige Bevorratung. Der Sommer kann kommen!



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Über den Autor

  • Stefan Auerbach

    Stefan Auerbach ist seit 2015 bei der INFORM GmbH tätig und beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Themenschwerpunkt Simultane Produktionsplanung.

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