Pünktlicher Maschinen- und Anlagenbau trotz komplexer Auftragsnetze

von Stipo Nad

Früher musste ich nicht nur oft lange auf Pakete warten, ich hatte auch keine Möglichkeit zu erfahren, wann ein einzelnes Paket denn ankommen wird. Diese Geduldsproben gehören heute längst der Vergangenheit an. Bestelle ich jetzt ein Paket, bekomme ich mit der Bestellbestätigung meist eine Tracking-ID zugeschickt. Mit dieser Identifikationsnummer kann ich permanent nachverfolgen, wo sich mein Paket gerade befindet und wann es genau bei mir ankommt. Jeder Logistikschritt meiner Lieferung kann so nachverfolgt werden. Präzise Liefertermine haben hier langes Warten der Kunden im Ungewissen abgelöst.

Saubere Daten für präzise Termine

Auch im Maschinen- und Anlagenbau spielt Termintreue eine wichtige Rolle. Lieferverzögerungen werden hier nämlich häufig mit hohen Pönalen bestraft. Doch gerade im Sondermaschinenbau ist es nicht immer einfach, einen verbindlichen Termin zu fixieren. Da sich die Planung von Zukaufteilen und Material meist nicht nur auf ein Produkt oder einen Auftrag bezieht, entstehen komplexe Auftragsnetze. Dabei ist es schwierig, den Überblick zu behalten, welches Teil genau für die Verzögerung verantwortlich war. Denn oftmals kommt es zu plötzlichen Stockungen in der Fertigung, da beispielsweise eine Maschine ausfällt oder sich ein Zulieferer verspätet. Dann steht die ganze Produktion für einen ungewissen Zeitraum still. Alle möglichen Szenarien können bei der Planung aber nur schwer berücksichtigt werden.

Um solche Auswertungen und Planungen realitätsnah und dynamisch umzusetzen, entstehen große Datenmengen. Und um diese Daten zielgerichtet nutzen zu können, müssen sie auch vollständig und korrekt sein. Erst dann können sie aus den verschiedenen Datenquellen wie dem ERP-System zu einem sinnvollen Auftragsnetz zusammengeführt werden, um einen Nutzen für die Produktion und folglich auch für die angeschlossenen Unternehmensbereiche zu generieren. Die abgeleiteten Kennzahlen geben den Mitarbeitern Informationen über den aktuellen Bearbeitungsstatus. Falls nötig kann so bei kundenspezifischen Änderungen sehr schnell eingegriffen werden.

Ein Blick zurück optimiert das Fehlteilmanagement

Die beschriebene Problematik in Kombination mit dem steigenden Datenvolumen zeigt, wie wichtig auch im Maschinen- und Anlagenbau ein System für das Tracking der Teile ist. Denn genau wie Logistiker benötigen die Produktionsplaner ein Tool, um Informationen aus Kundenaufträgen zu nutzen und auf deren Basis ein effizientes und vorausschauendes Fehlteilmanagement erreichen zu können. Die meisten Produktionsplanungssysteme zeigen aber nur den gegenwärtigen oder zukünftigen Produktionsstatus auf. Dadurch fehlt auch der Blick zurück in die Vergangenheit und folglich die Informationen zu gefährdeten Kundenaufträgen. Relevante Kennzahlen für vorausschauende Schlussfolgerungen oder Handlungsempfehlungen sind dementsprechend auch nicht vorhanden. Möglicherweise aufkommende Fragen hinsichtlich des Fehlteilmanagements können dann nicht fundiert beantwortet werden.

APS-Systeme bieten die Möglichkeit, zukünftige und vergangene Produktionsdaten von Aufträgen über alle Fertigungsstufen hinweg zu verknüpfen und bilden diese anschaulich ab. Somit kann der komplette Fertigungsprozess integriert betrachtet und sowohl einzeln als auch zusammenhängend analysiert werden. Änderungen in einem Auftrag bewirken automatisch Änderungen in den darauf folgenden oder parallel abhängigen Aufträgen. Dadurch werden Verzögerungen identifiziert und aufgedeckt, Mengen angepasst oder Arbeitsschritte verschoben.

Neben den benötigten Informationen über den derzeitigen Produktions- und Beschaffungsstatus erhält die Fertigung dank einem datenbasierten Auftragsnetz Antworten auf folgende Fragen:

  • Wann können wir ausliefern?
  • Welche Teile werden für einen Kundenauftrag benötigt?
  • Kommen alle Zukaufteile rechtzeitig an?
  • Welches Material ist für Verspätungen verantwortlich?

Folglich können gefährdete Liefertermine frühzeitig erkannt und Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, um die Kundenwünsche bestmöglich zu erfüllen.

Fazit

Intelligentes Tracking erlaubt Privatpersonen bereits, zu jeder Zeit mobil festzustellen, in welchem logistischen Arbeitsschritt sich das bestellte Produkt gerade befindet. Auch im Maschinen- und Anlagenbau ist es wichtig, alle beteiligten Prozesse nachverfolgen zu können, um so frühzeitig Informationen über künftige Ereignisse, wie zum Beispiel einen gefährdeten Kundenendtermin, zu erhalten. Die Datenmenge wächst aufgrund  zunehmender Kundenanforderungen und der Digitalisierung der Betriebe überproportional an. Um aus diesen Daten nützliche Schlüsse ziehen zu können und Managemententscheidungen zu unterstützen, helfen Auftragsnetze. Mit Analysen und Dashboards können Schwachstellen in der Fertigung aufgedeckt, Transparenz über alle Abteilungen und Produkte hinweg geschaffen sowie die Verhandlungsstärke gegenüber den Lieferanten gestärkt werden.

Wie gehen Sie mit der Steuerung ihrer Aufträge um? Haben Sie bereits intelligente Systeme im Einsatz, welche die Zusammenhänge ihrer Aufträge anschaulich auswerten und visualisieren?



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Über den Autor

  • Stipo Nad

    Stipo Nad ist seit 2001 bei INFORM tätig und beschäftigt sich hauptsächlich mit den Themenschwerpunkten Advanced Planning & Scheduling, Produktionsplanung sowie Business Intelligence.

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