Rampenwartezeiten: Eine Studie des Bundesverkehrsministeriums und Lösungsansätze zu ihrer Reduzierung

von Oliver Graf

Rampenwartezeiten: Eine Studie des Bundesverkehrsministeriums und Lösungsansätze zu ihrer Reduzierung

Ent- und Beladerampen sind ein logistischer Brennpunkt. Sie sind Schnitt-, Eng- und Konfliktstelle zwischen Transportunternehmen auf der einen, Handel und Industrie auf der anderen Seite. Transporteure beklagen sich über lange Wartezeiten an der Rampe oder über Zeitfensterzuweisungen, die ihnen ungünstige Tourenplanungen aufzwingen. Die Rampenbetreiber wiederum haben mit verspäteten Lkw, Staus von Lkw, die alle gleichzeitig entladen werden wollen, und einem allgemeinen Mangel an Informationsaustausch zu kämpfen.

Die Bedeutung der Rampe in der logistischen Kette hat auch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung erkannt und eine Studie in Auftrag gegeben, die jetzt unter dem Titel „Schnittstelle Rampe – Lösungen zur Vermeidung von Wartezeiten“ erschienen ist. Sie basiert auf den Antworten von 793 Unternehmen auf einen Fragebogen, 552 davon waren Logistikdienstleister, 122 Industrie- und 119 Handelsunternehmen.

Zentrales Fazit der Studie: Wartezeiten an Rampen sind ein Problem, auch wenn es große individuelle Unterschiede gibt. Bis zu einer Stunde Wartezeit gilt als vertretbar. 69 Prozent der Transportunternehmen und 56 der Industrieunternehmen geben an, dass die Wartezeiten länger sind. Die Handelsunternehmen sehen das entspannter, obwohl die übrigen Studienteilnehmer bei ihnen die größten Wartezeitenprobleme sehen.

Lösungsansätze zu weniger Wartezeit

Einen „hohen Lösungsbeitrag“ ordnen die Studienteilnehmer vor allem diesen Ansätzen zu:

  1. gesamthafte Optimierung der Prozesse entlang der Supply Chain
  2. beleglose Wareneingänge
  3. Einrichtung von Expressrampen
  4. flexible Zeitfenstermanagementsysteme
  5. Optimierung Avisierung Lkw-Ankunft
  6. Optimierung Infrastruktur
  7. Zugang zu sanitären Einrichtungen und Aufenthaltsräumen für Lkw-Fahrer/innen (in der Studie ging es nicht nur um logistische, sondern auch um soziale Aspekte von Wartezeiten)

Der Lösungsansatz „flexible Zeitfenstermanagementsysteme“ (ZMS) war den Studienmachern ein eigener Exkurs wert. Denn seine Bewertung streut breit über die möglichen Antworten: kein, geringer, hoher und sehr hoher Lösungsbeitrag.

Die Interpretation der Ergebnisse geht dahin, dass ein ZMS allein tatsächlich keine Optimierung bewirken kann. Gleichzeitig muss eine geeignete Infrastruktur vorgehalten werden und das Rampenmanagement dafür sorgen, dass in den gebuchten Zeitfenstern genügend Ressourcen bereitstehen, um die Lkw zügig zu entladen. Gibt es im Rampenmanagement oder in der Infrastruktur Defizite, nutzt auch ein ZMS nichts.

Aus der Inform-Perspektive sind bei Zeitfenstersystemen besonders zwei Aspekte wichtig, damit sie einen wesentlichen Lösungsbeitrag liefern können:

  1. Sie müssen mehr bieten als nur  Buchungsfunktionen. Sie benötigen eine eigene Intelligenz, mit denen Entlade-Slots optimiert nach den Bedürfnissen von Transporteuren und Ladungsempfängern vergeben und in Echtzeit neu verteilt werden, wenn die Situation am Entladetag es erfordert.
  2. Über die Zeitfensterplattform müssen auch die Rampenprozesse und die Verkehre zu und von den Rampen gesteuert werden. Nur dann ist gesichert, dass Personal, Entladeressourcen und Lkw zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Rampe zusammenkommen – auch wenn es zu Verzögerungen etwa durch eine schwierige Verkehrssituation kommt.

Sind Zeitfenstersysteme so ausgestattet und gleichzeitig mit einer leistungsfähigen Lkw-Zulaufsteuerung gekoppelt, die bereits vor den Werks- oder Lagertoren die Fahrzeuge steuert, können sie gleichzeitig Lösungsansätze zu den Punkten 1, 5 und 6 beitragen.

Die Inform-Studie zum Status Quo bei der Lkw-Zulaufsteuerung in Industrie-Unternehmen finden Sie hier.

Im letzten Jahr hat Inform bereits zur Problematik der Zeitfensterplattformen im Handel Stellung genommen. Die Pressemeldung dazu finden Sie hier



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Über den Autor

  • Oliver Graf

    Oliver Graf arbeitet seit 2010 bei der INFORM GmbH und beschäftigt sich hauptsächlich mit den Themen Zeitfenstermanagement, Lkw-Zulaufsteuerung, Echtzeitsteuerung und Transportplanung.

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