Routineaufgaben in der Logistik automatisieren, Jobs aufwerten

von Julia Severins
Quelle: Getty Images

Vor allem im Mittelstand sind Automatisierung, Digitalisierung und der Einsatz smarter Systeme noch nicht mehrheitlich umgesetzt. Ein Grund hierfür ist sicher auch, dass menschliche Expertise für bestimmte Unternehmensprozesse schlichtweg unerlässlich ist. Doch es gibt zahlreiche Aufgaben, die sich einfach von Maschinen erledigen lassen – vor allem, wenn sie sich stetig wiederholen.

Die Automatisierung solcher Routinetätigkeiten kann Fachkräften viel Freiraum verschaffen, der für strategische Tätigkeiten genutzt werden kann. Das wertet Berufsfelder auf, macht Jobs interessanter und entlastet Mitarbeiter in ihrem Daily-Business. In der aktuellen Corona-Krise ist Automatisierung ein entscheidender Wettbewerbsvorteil, denn Kurzarbeit und Auftragseinbrüche erfordern ohnehin eine starke Priorisierung von Aufgaben.

Automatische Bestellung von C-Teilen

Die Disposition von C-Teilen, also Artikeln, die günstig in der Beschaffung sind und kundenseitig häufig nachgefragt werden, zeigt das Einsparpotenzial durch Automatisierung sehr deutlich. Die Bestellung dieser Artikel erfolgt vor allem im technischen Großhandel sehr routiniert: Hier werden etwa Schrauben oder andere kleine Verbindungselemente in regelmäßigen Abständen in derselben Menge geordert. Die Bestellabwicklung ist an sich nicht komplex, aber in Summe sehr zeitintensiv. Ein intelligentes Dispositionssystem kann den Fachkräften diese Aufgabe abnehmen, in dem es:

  • die Bestell-, und Absatzhistorie jedes einzelnen Artikels analysiert,
  • daraufhin mithilfe zahlreicher Prognoseverfahren berechnet, wann der beste Zeitpunkt für die nächste Bestellung ist und welche Menge gerade benötigt wird,
  • dem Anwender konkrete Bestellvorschläge ausgibt, die mit einem Klick freigegeben werden können,
  • Lieferantenkonditionen sowie Servicegradvorgaben oder auch Lagerkosten in die Berechnung von Menge und Zeitpunkt einfließen lässt.

Im Ergebnis wird eine Warenverfügbarkeit nicht einfach nur gewährleistet, sondern auch kostenoptimal gestaltet. Im Lager liegt also nur, was auch tatsächlich gebraucht wird.

Auch das Zusammenfassen von Bestellungen nach Lieferantenkonditionen kann im operativen Tagesgeschäft viel Zeit in Anspruch nehmen. Dabei gilt es, Mindestbestellmengen einzuhalten und die Bestellpositionen sinnvoll zu bündeln. Auch diese Arbeit muss nicht von Fachkräften erledigt werden, sondern kann automatisiert werden. Sind die Stammdaten einmal im ERP-System hinterlegt, können Optimierungssysteme auf diese Daten zugreifen und die Beschaffungslogistik daraufhin optimal ausrichten.

In der aktuellen Pandemie bieten diese Zeitersparnis und Entlastung der Ressourcen Unternehmen einen klaren Wettbewerbsvorteil. Denn den Betrieben steht mehr Zeit zur Verfügung, um Supply Chain Prozesse zu überdenken und an die neuen Hygienestandards anzupassen. Außerdem erfordert die interne Kommunikation durch Home-Office und Kurzarbeit mehr Aufmerksamkeit. Je mehr Zeit dafür zur Verfügung steht, desto stabiler wird die gesamte Wertschöpfungskette.

Aufwertung von Tätigkeitsfeldern

Laut Adrian Weiler, CEO bei INFORM GmbH, wirkt sich die Einführung solcher intelligenten Optimierungssysteme „ausgesprochen positiv auf den Arbeitsalltag der beteiligten Mitarbeiter aus. Sie führt unter anderem zu mehr Transparenz, konkreten Arbeitserleichterungen und der Möglichkeit, sich auf verantwortungsvollere Aufgaben zu konzentrieren, was eine Aufwertung des Arbeitsplatzes bedeutet“.

Das bestätigt auch Dispoleiter bei FAMO GmbH & Co. KG, Carsten Kunad, in diesem Fachartikel. Der Einsatz der Software zur Bestandsoptimierung von INFORM steigerte bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Großhändlers für Fahrzeug- und Motorenteile die Arbeitsmotivation, da Routinetätigkeiten automatisiert werden konnten. Sie entwickelten sich von reinen Bestellabwicklern zu Artikelmanagern. Heute übernehmen sie auch strategische Aufgaben, wie etwa das Vorantreiben von Verkaufsaktionen zum gezielten Bestandsabbau.

Der Umgang mit intelligenten Systemen als Einstellungskriterium?

Wenngleich bei einem guten Optimierungssystem die komplexe Mathematik im Hintergrund bleibt, sind Fach- und Führungskräfte in Zukunft stärker gefordert, sich auch mit IT-technischen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Die computergestützte Arbeit ist bereits fester Bestandteil der Branche geworden, entsprechende „Soft Skills“ werden zukünftig immer wichtiger. Auch der Umgang oder gar die direkte Zusammenarbeit mit Maschinen wie intelligenten Roboterarmen wird in Zukunft sicher vermehrt in Logistik-Jobprofilen zu finden sein.

Welche Routinetätigkeiten erledigen Sie Tag für Tag? Erachten Sie die Automatisierung dieser Tätigkeiten für sinnvoll?



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Über den Autor

  • Julia Severins

    Julia Severins arbeitet seit 2012 bei der INFORM und schreibt hauptsächlich zu den Themen Bestandsoptimierung, Absatzplanung und Stichprobeninventur.

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