Sabbatical – Ein Jahr um die Welt

von Carsten Goesmann

Wörtlich lässt sich Sabbatjahr, das sogenannte Sabbatical, aus dem hebräisch stammenden Wort šabat mit „Inne halten“ übersetzen. Damit lässt sich auch wunderbar die heutige Bedeutung zusammenfassen: Inne halten, eine Auszeit vom Arbeitsalltag nehmen und Ruhe finden.

In der heutigen Arbeitswelt bieten viele Unternehmen ein „Sabbatical“ an, bei dem ihre Mitarbeiter eine drei- bis zwölfmonatige berufliche Auszeit nehmen können. Das Ziel und die Dauer sind individuell gestaltbar und reichen von einer mehrmonatigen Radtour durch Europa, einer Wanderung rund um die Welt über soziales Engagement in Entwicklungsländern bis hin zum Erlernen fremder Sprachen.

Mein Arbeitgeber INFORM unterstützt Mitarbeiter, die ein Sabbatical planen und einlegen möchten. Dafür wird im Vorhinein individuell besprochen, wie man das Sabbatical am besten finanziell plant und umsetzt.

Ich habe mir den Traum dieser Auszeit bereits erfüllt und bin mit meiner Frau von August 2015 bis August 2016 einmal um die Welt gereist.

Die Idee einer längeren Freizeit kam auf, als wir das Weitwandern für uns entdeckt haben. Angefangen hat alles mit dem Eifelsteig, der ja direkt vor unserer Haustür in Aachen startet. Wir wollten einfach mal ausprobieren, ob wir die 300 Kilometer mit Rucksack bis Trier schaffen. Nach ein paar längeren Wegen in unseren Sommerurlauben, reifte der Wunsch, eine wirklich lange Wanderung nur mit dem Nötigsten auf dem Rücken zu unternehmen. Nach einer kurzen Recherche fiel die Wahl sehr schnell auf Neuseeland, wo es seit 2011 den 3000 Kilometer langen Fernwanderweg Te Araroa gibt, der von Nord nach Süd über beide Inseln durch das ganze Land geht.

Eigentlich war die Idee, nur nach Neuseeland zu reisen. Aber dank dem Hinweis eines Kollegen haben wir uns schließlich für ein Around-the-World-Ticket entschieden. Und so ging die Reise von Hong Kong über Neuseeland, die Cookinseln, bis zur amerikanischen Westküste und nach Kanada. Die Flüge, die bei dem Around-the-World-Ticket bereits im Voraus gebucht werden, waren auf unserer Reise die einzigen Termine, die wir einhalten mussten.

Den größten Teil unserer Reise – fast neun Monate – haben wir in Neuseeland verbracht, und haben die 3000 Kilometer mit allen Höhen und Tiefen tatsächlich zu Fuß hinter uns gebracht.

Tief in Erinnerung werden mir die atemberaubenden Gegenden und Landschaften bleiben, die wir auf unserer Reise erleben durften. Der Nordteil der Südinsel Neuseelands, wo wir im Gebiet der Richmond Ranges und Nelson Lakes zeitweise in totaler Einsamkeit unterwegs waren, werde ich nie vergessen. Dieses Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit, wenn einem klar wird, dass die 13 bis 14 kg Gepäck, die man dabeihat, wirklich alles sind, was man gerade benötigt, ist ziemlich unbeschreiblich.

Mindestens genauso wichtig waren natürlich auch die ganz vielen tollen Menschen, die wir auf der Reise getroffen haben. Gerade die Gastfreundschaft der „Kiwis“, wie sich die Neuseeländer gerne selbst bezeichnen, sucht ihresgleichen. Mehr als einmal wurden wir „von der Straße weg“ eingeladen, saßen abends beim Barbecue mit eigentlich wildfremden Menschen zusammen und hatten sogar ein Dach über dem Kopf.

Durch die Reise hat sich für mich persönlich viel geändert: Unter anderem habe ich meine Ernährung umgestellt, lebe insgesamt gesünder und achte einfach mehr auf mich. Auch die Sicht auf die Welt hat sich ein klein wenig geändert. Das Gefühl, irgendwo fremd zu sein, kann ich durch meine Reise besser nachvollziehen und der Wert von Gastfreundschaft ist mir bewusster geworden.

Wenn ich Anderen von meiner Auszeit berichte, höre ich oft, dass es als sehr mutig empfunden wird, einen solchen Schritt zu wagen. Durch die Unterstützung von INFORM war aber weit weniger Mut erforderlich als man annehmen könnte. Ich hatte immer die Sicherheit, nach meiner Auszeit an meinen Arbeitsplatz zurückkehren zu können. Das hat mir sehr dabei geholfen, diese Zeit ohne Sorgen und absolut gelassen bestmöglich zu genießen.

Angst vor einem Karriereknick hatte ich ohnehin nicht. Ein langjähriges Projekt konnte ich vor dem Antritt meiner Auszeit an einen Kollegen weitergegeben. Auch für das Verständnis meiner Kollegen bin ich sehr dankbar. Nach meiner Rückkehr hatte ich außerdem die Möglichkeit, mich innerhalb meines Geschäftsbereichs neu zu orientieren und nehme jetzt eine neue Rolle mit sehr spannenden Aufgaben wahr.

Das einzige, was mir nach dem Sabbatical allerdings tatsächlich ein wenig schwerfiel, war die Rückkehr in den Alltag. Die Normalität und die geregelten Tagesabläufe schienen mir zunächst fremd. INFORM hat mir die Rückkehr allerdings leichtgemacht. Durch die gute Organisation und einen angepassten Wiedereinstieg war der Übergang für mich sehr reibungslos. Und nachdem ich im Alltag angekommen war, habe ich gemerkt, dass ich stressresistenter und insgesamt gelassener geworden bin.



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Über den Autor

  • Carsten Goesmann

    Carsten arbeitet seit 2009 bei INFORM. Er war mehrere Jahre als Projektleiter und Produktmanager im Geschäftsbereich Industrielogistik / Healthcare Management tätig und beschäftigt sich dort heute mit den Themen User Experience und User Interface Design.

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