Schadensbegrenzung in der Logistik – Integrieren Sie unerwartete Ereignisse in die Planung

von Luisa Walendy

In den vergangenen Monaten hat eine nicht mehr befahrbare Bahnlinie die Logistik in Teilen Deutschlands komplett durcheinandergebracht. Die Sperrung der Rheintalbahn bis Anfang Oktober nach einem Tunneleinbruch im baden-württembergischen Raststatt soll Verluste der Schienen-Güterverkehrsunternehmen im dreistelligen Millionenbereich verursacht haben. Pro Woche werden diese Verluste momentan noch auf etwa 12 bis 20 Millionen Euro geschätzt. Eine ganze Menge Geld, und das obwohl nicht einmal ein Zehntel des deutschen Güterverkehrs via Schiene transportiert wird. Die Strecke ist Teil der europäischen Nord-Süd-Hauptachse von der Nordsee durch den Gotthard-Basistunnel bis nach Genua. Das Hauptproblem liegt hier bei den fehlenden Umleitungsmöglichkeiten. Nur etwa 20 Prozent der Züge konnten umgeleitet werden. Außerdem gibt es nicht genügend verfügbare Lkw, um die Gütermenge aufzufangen. Normalerweise nutzen etwa 200 Güterzüge mit einer Ladekapazität von jeweils 60 Lkw die betroffene Stelle. Vielen Unternehmen drohen daher Schadensersatzforderungen, weil Lieferverträgen nicht nachgekommen werden konnte. Was wieder einmal deutlich wurde: Wenn es in der Logistik nur an einer wichtigen Stelle klemmt, bekommt häufig das ganze System Probleme.

Unvorhersehbare Ereignisse sind in der Lkw-Disposition alltäglich

Das ist auch in der Lkw-Zulaufsteuerung der Fall. Die Logistik der Lieferprozesse stellt Industrieunternehmen vor komplexe Herausforderungen. Zahlreiche An- und Auslieferungen von verschiedenen Lieferanten müssen koordiniert und möglichst transparente Prozesse geschaffen werden - auch in Stoßzeiten. Staus vor und im Werk sollen möglichst verhindert und somit Standgelder sowie Frachtraten minimiert werden. Außerdem sollen die Be- und Entladeressourcen optimal ausgelastet werden. Dabei muss wie in den meisten Logistikbereichen berücksichtigt werden, dass unvorhergesehene Ereignisse die komplette Planung vollkommen umwerfen können.

Es ist in der Lkw-Zulaufsteuerung leider üblich, dass ein Lkw zu früh, zu spät oder gar nicht erst angemeldet ist. Außerdem kommt es vor, dass er das falsche oder zu viel Material liefert. Hinzukommen andere Zwischenfälle, unter anderem kann eine Ladestelle temporär ausfallen oder ein Lkw bringt dringend benötigtes Engpassmaterial. Kurz um: Die gesamte Lkw-Zulaufsteuerung muss für den Tag neu geplant werden, sobald ein unvorhergesehenes Ereignis eintritt. Und das am besten in kürzester Zeit.

Basis für eine schnelle Planung: Transparenz

Wichtiger Faktor für so eine schnelle Umplanung ist Transparenz. Denn nur wenn alle Informationen über die zu planenden Ressourcen vorhanden sind, kann ein optimaler Abfertigungsplan kalkuliert werden. Daher macht es Sinn, alle relevanten Informationen über den gesamten Lieferprozess in einem zentralen System zu bündeln und zur Verfügung zu stellen.

Auf Basis dieser Daten kann ein intelligentes Zeitfenstermanagement ansetzen. Es verbessert die Informationstransparenz aller Prozessbeteiligten und erleichtert die Planung. Mit Hilfe eines intelligenten Zeitfenstermanagementsystems kann ein entscheidendes Bindeglied zwischen Verlader, Spedition, Abholer und Werk zur Unterstützung des Informationsflusses entstehen. Der optimierte Zeitfensterplan kann wiederum von einer intelligenten Zulaufsteuerung unterstützt werden, sobald unvorhersehbare Ereignisse den bereits fertigen Plan durchkreuzen. Denn anders als beim Güterschienenverkehr ist die Anzahl der Ausweichmöglichkeiten in der Planung der Lkw-Zulaufsteuerung meist doch groß genug, um zeitnah reagieren zu können.

Vorteile

Dann wird für die veränderte Situation ein neuer Abfertigungsplan unter Berücksichtigung aller wichtigen Rahmenbedingungen wie Zielort oder Rampenbelegung erstellt. Eine optimale Durchlaufreihenfolge wird geplant, die eine gleichmäßige Auslastung aller Ressourcen und Ladestellen vorsieht. Auf diese Weise werden Warte- und Durchlaufzeiten reduziert und durch den optimierten Abfertigungsplan wird eine pünktliche und sichere Materialversorgung der Produktion erreicht. Ein Vorteil für die Lkw-Fahrer: Elektronische Telematik-Systeme ermöglichen eine schnelle Einfahrt am Werkstor und reduzieren den manuellen Erfassungs- und Abwicklungsaufwand. Langfristig werden Staus im und vor dem Werk eingedämmt.

Fazit

Unvorhersehbare Ereignisse können in der Logistik starke Auswirkungen haben. Meist zeichnen sie sich vor allem durch hohe Kosten aus, da Staus im und vor dem Werk sowie verspätete Liefertermine sehr kostspielig sein können. In der Planung von Lkw-Anlieferprozessen gibt es die Möglichkeit, auch ungeplante Ereignisse schnell in die Planung zu integrieren und von intelligenten Systemen in kürzester Zeit neu kalkulieren zu lassen. Verspätungen und finanzielle Schäden werden damit verhindert. Außerdem kann so jederzeit eine optimale Ressourcenauslastung und eine möglichst effiziente Prozessabwicklung gesichert werden. Eine vorausschauende Planung kann in der Logistik nie schaden. Ganz im Gegenteil: Anstelle einer reinen Schadensbegrenzung verhilft sie Unternehmen zu effizienteren Logistikprozessen.

Mit welchen unerwarteten Ereignissen mussten Sie bereits in der Logistik umgehen?



Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

Wird das teuer? Die neuen Maut-Gebühren und mögliche Folgen für die Lkw-Logistik

Lesen

Trend-Technologien in der innerbetrieblichen Logistik – ein Widerspruch?

Lesen

LogiMAT 2018 – vernetzte Logistikprozesse und künstliche Intelligenz

Lesen

Über den Autor

  • Luisa Walendy

    Luisa Walendy arbeitet seit 2015 für die INFORM GmbH und schreibt hauptsächlich zu den Themen Produktion und Industrielogistik.

    Alle Beiträge dieses Autors

    Mehr über diesen Autor unter:

Unsere Autoren

Finden Sie alle unsere Autoren auf einen Blick!

Alle Autoren

Nach oben