Schluss mit verspäteten Lieferungen – ein Praxisbeispiel für eine termintreue Produktionsplanung trotz Losgröße 1

von Stipo Nad
Headerbild: Bühler Group

Oberstes Ziel im Maschinen- und Anlagenbau ist, qualitativ hochwertige Produkte termintreu an den Kunden zu liefern. Für die Produktionsplanung bedeutet dieses Ziel häufig Stress und kurzfristige Änderungen in der Planung. Hinzukommen weitere Ziele wie Verkürzung der Durchlaufzeiten und Bestandsverringerung, welche zusätzlich den Druck erhöhen, eine reibungslose Planung umzusetzen. Die Fragen, die sich Produktionsplaner dementsprechend häufig stellen: Was kann getan werden, um die Kundenwunschlieferzeit mit weniger Arbeitsaufwand und Kosten zu erreichen? Wie lassen sich die Prozesse so verändern, dass die Durchlaufzeiten verkürzt und Bestände reduziert werden und gleichzeitig die Termintreue steigt?

Intelligente Produktionsplanung bei der Bühler AG

Ein Beispiel aus der Praxis beantwortet diese Fragen sehr gut. Die Bühler AG ist globaler Anbieter von industriellen Lösungen zur Verarbeitung von Grundnahrungsmitteln und zur Produktion hochwertiger Materialien. Produziert werden sowohl komplette Anlagen als auch Maschinen und Ersatzteile. Die Prozesstechnologien von Bühler leisten einen bedeutenden Beitrag zur Lebensmittelsicherheit und begegnen uns häufig im Alltag: mit ihren Anlagen und Maschinen werden unter anderem Pasta und Schokolade hergestellt. Rund zwei Drittel der gesamten Schokoladenproduktion weltweit wird auf Bühler-Equipment verarbeitet. Und rund die Hälfte aller neuen PKW hat Druckgussteile mit Bühler-Technologie.

Jährlich bearbeitet der Maschinen- und Anlagenbauer rund 50 000 Kundenaufträge (10 000 Maschinen, 10 000 Anlagenteile und 30 000 Ersatzteilaufträge), eine Planung „aus dem Bauch heraus“ ist unmöglich. Bühler entschied sich daher für die Planung mithilfe einer intelligenten Advanced Planning and Scheduling (APS)-Software. Das System sollte zum einen klären, welche Aufträge aktuell abgearbeitet werden müssen und ob die benötigten Ressourcen (Mitarbeiter, Maschine, Material) verfügbar sind. Zum anderen sollte frühzeitig angezeigt werden, welche Maßnahmen wie zum Beispiel Einplanung von Mitarbeitern, Produktionsverlagerung zu Dritten, Beschleunigung von Bestellungen oder Mehrarbeit ergriffen werden müssen.

Die Anforderungen

Bis zu der Einführung des APS-Systems ermittelte Bühler mit seinem eigenentwickelten Enterprise-Resource-Planning-(ERP) Programm die Bedarfe an Material und Fertigungskapazität. Anhand von statischen Plandurchlaufzeiten errechnete das System die Start- und Endtermine für die einzelnen Produktionsaufträge. Unterstellt wurde die unbegrenzte Verfügbarkeit von Kapazitäten. Ergebnis war, dass Einflussgrößen wie die aktuelle Auslastung der Maschinen, Ausschussquote, Krankenstand von Bedienpersonal sowie Engpässe bei Zulieferern nicht in der Planung berücksichtigt wurden. Daher war die Hauptanforderung an das neue System, dass es mit begrenzten Kapazitäten plant, um eine möglichst realistische Produktionssteuerung umsetzen zu können.

Das APS-System musste außerdem in der Lage sein, auf die täglichen Störungen und Änderungen durch Expressaufträge, Ausfall von Ressourcen sowie Auftragsänderungen flexibel zu reagieren. Bühler entschied sich für das Produktionsplanungssystem FELIOS, das zusätzlich gewisse Freiheiten für manuelle Änderungen in der Abarbeitung der anstehenden Aufträge lässt, beispielsweise zur Rüstzeiten-Optimierung.

Das Ergebnis

Alle Fertigungsaufträge werden bei Bühler jetzt realistisch gegen begrenzte Kapazitäten an Personal, Maschinen und Materialverfügbarkeit geplant. Bei unerwartet auftretenden Änderungen berechnet die Software in Echtzeit die Planung neu. Durch eine intelligente Produktionsplanung werden eine umfassende Planungstransparenz, wirtschaftlichere Produktionsabläufe, hohe Termintreue sowie niedrige Bestände und kurze Durchlaufzeiten erreicht. In der Produktion wird die Arbeitsgang-Reihenfolge für ca. 300 Fertigungsstellen intelligent gesteuert. Rund 80 000 Fertigungsaufträge, die aus insgesamt 200 000 Arbeitsgängen bestehen, werden parallel geplant. Etwa 500 Mitarbeiter erhalten täglich ihre Arbeitslisten.

Fazit

Hoch sind bei Bühler nicht nur die Standards in Sachen Produktqualität, sondern auch in Sachen Liefertreue – ein wichtiger Faktor für die Zufriedenheit der Kunden. Hier wollte Bühler noch besser werden. Intelligente Produktionsplanungssysteme unterstützen Maschinen- und Anlagenbauer, ihre Termintreue zu erhöhen, Durchlaufzeiten und Bestände zu reduzieren. Auch Bühler konnte diese Ziele durch den Einsatz eines intelligenten APS-Systems erreichen. Bei dem Maschinen- und Anlagenbauer ist seitdem Schluss mit verspäteten Lieferungen und einer ineffizienten Produktionsplanung nach Bauchgefühl.

Wie planen Sie Ihre Produktion? Setzen Sie bereits intelligente Systeme ein?

Hier erfahren Sie mehr über die termintreue Produktionsplanung bei Bühler.

 

 

 



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Über den Autor

  • Stipo Nad

    Stipo Nad ist seit 2001 bei der INFORM GmbH tätig und beschäftigt sich hauptsächlich mit den Themenschwerpunkten Advanced Planning & Scheduling, Produktionsplanung sowie Business Intelligence.

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