Schöpfer fiktiver Welten bringen Nutzen für die Industrie – Synergie-Gedanken auf der Gamescom 2017

von Tom Gertjegerdes

Als Auftakt für vier pulsierende Tage voller brandneuer Entertaining-Erlebnisse auf der Spielemesse Gamescom 2017, spannte Bundeskanzlerin Angela Merkel den thematischen Bogen von der Spieleentwicklung zur Digitalisierung der Wirtschaft. In Ihrer Eingangsrede sprach die Bundeskanzlerin eine „branchenübergreifende Kooperation“ an, die Synergieeffekte für die Industrie mit sich bringt.  

Denn der „Innovationstreiber Computerspiele“ befeuert neue Technologien in den unterschiedlichsten Anwendungsfeldern der Industrie. Sowohl künstliche Intelligenz als auch Augmented und Virtual Reality (AR/ VR) finden hier zunehmend Anwendungsgebiete. Nicht zuletzt auch, weil das Datenaufkommen wächst (Big Data) und neue Möglichkeiten schafft. Eine virtuelle Umgebung zu kreieren, um Prozesse in der Logistik und im Supply Chain Management zu vereinfachen und zugänglicher zu machen, ist ein Traum, der mit Datenbrillen und dem dahinterstehenden Fortschritt in künstlicher Intelligenz und modernen Algorithmen schnell zur (virtuellen) Realität wird.  

Von der virtuellen Umgebung zu realer Prozessoptimierung

Die Verknüpfung innovativer Technologie aus der Spielebranche und der produzierenden Wirtschaft unter dem Dach von Industrie 4.0 ist schon lange existent. Im Maschinen- und Anlagenbau beispielsweise schafft Augmented Reality neue Möglichkeiten für Monteure zur Prozessverbesserung. So können diese die Technologie nutzen, um einzelne Bauteile virtuell zu beschriften oder umzugestalten. Zunehmend kommen Datenbrillen bei der Kommissionierung zum Einsatz, um Informationen schnell und zuverlässig dort abzurufen, wo sie gebraucht werden. Ähnlich wie es im Spiele-Hype „Pokemon Go“ aus dem vergangenen Jahr der Fall war, werden die Informationen bei den Datenbrillen in das reale Sichtfeld der Anwender einspielt - direkt am Lagerplatz des zu kommissionierenden Artikels. Als Ablösung herkömmlicher Handscanner befreien sie die Mitarbeiter von umständlicher Handhabung und ermöglichen eine schnellere und effizientere Arbeit. Im Fallbeispiel DHL Supply Chain führte ein Einsatz solcher Augmented-Reality-Brillen zu einer Effizienzsteigerung von 15%.

Künstliche Intelligenz ist ein Oberbegriff für eine Vielzahl von mathematischen, informationstechnischen und automatisierten Verfahren, mit denen sich unter anderem Prozesse in der Lagerhaltung und Produktion optimieren lassen. Beispielsweise im Bereich der Planung des zukünftigen Absatzes von Lebensmitteln. Planzahlen in diesem Bereich so verlässlich niederzuschreiben, dass keine Versorgungslücken entstehen, aber gleichzeitig auch keine Überproduktion zu Lebensmittelverschwendung führt, ist keine einfache Aufgabe. Machine-Learning-Algorithmen können diesen Prozess verbessern. Wie der Siegeszug eines neuronalen Netzwerkes gegenüber einem Meister im Strategiespiel Go bewiesen hat, sind die Algorithmen heute so hoch entwickelt, dass sie einen echten Mehrwert zur menschlichen Expertise leisten können. Für den Absatzplanungsprozess besteht der Mehrwert in der Hinsicht, dass sie eine große Menge externer Einflüsse auf den Absatz einbeziehen können. Zum Beispiel das Wetter: Die Berücksichtigung einer aktuell sehr warmen Wetterperiode in einer Planung führt dazu, dass der Absatz eines eher wetterabhängigen Produktes, wie etwa den Grillwürsten, deutlich verlässlicher vorhergesagt werden kann.

Wo Frau Merkel Recht hat...

Die Ideen, sowohl in der Entwicklung von Spielen als auch bei der Optimierung von Supply Chain Prozessen, überschneiden sich. Es kommt einem klugen Entscheidungsträger in der Industrie also auf jeden Fall zugute, die Augen und Ohren in alle möglichen Bereiche des alltäglichen Lebens offen zu halten und gegebenenfalls von sich entwickelnden Synergien zu profitieren. Die verschiedenen Beispiele zeigen, dass die Unterhaltungsbranche durchaus wichtige Impulse für ernsthafte Anwendungen in der Industrie liefern kann. Aus diesem Grund hat die Bundeskanzlerin vollkommen Recht mit ihrer Würdigung der Innovationskraft der Spieleindustrie. Damit die moderne Supply Chain in den Genuss dieses technologischen Fortschritts kommt, muss das technische Know-how durch Menschen mit geeigneter Expertise vermittelt werden. Dabei ist das Zusammenspiel aus Entwicklungskenntnis in den Bereichen VR, AR und KI und Branchenwissen aus Logistik und Supply Chain der Schlüssel zum Erfolg.

Die Bundeskanzlerin findet Gefallen am Landwirtschaftssimulator auf der Gamescom 2017 in Köln – Welches Spiel spielen Sie?

 

 



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Über den Autor

  • Tom Gertjegerdes

    Tom Gertjegerdes ist Masterstudent an der RWTH Aachen. Während seines Praktikums bei der INFORM GmbH beschäftigt er sich mit Trendthemen aus dem Bereich Supply Chain Management.

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