Schutzmasken-Versorgung: Wie die Maschinen dahinter termintreu produziert werden

von Jörg Böhme
Woman holding a lot of medical face dust filter masks, disposable FFP respirators in packaging.
(c) Getty Images - Evelien Doosje

Mundschutzmasken begleiten uns nun bereits fast ein ganzes Jahr auf fast jedem Weg außerhalb unserer vier Wände. Filtering-Face-Piece-(FFP)-Masken haben sich hier als sicherer Begleiter und gängiges Modell bewiesen. So ist die Produktion der Masken in kurzer Zeit rasant in die Höhe geschnellt. Seit Ende letzten Jahres verteilen Apotheken zudem je drei kostenlose FFP2-Masken an Risikopatienten. Die meisten Apotheken haben es rechtzeitig geschafft, sich die Masken zu beschaffen. Doch die Kontingente waren schnell vergriffen. Hinzukommt, dass sich in jüngsten Verhandlungen Ministerpräsidenten und die Bundeskanzlerin darauf geeinigt haben, eine Pflicht zum Tragen medizinischer Masken wie FFP2-Masken beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln in Zukunft geltend zu machen.
Folglich muss auch die Produktion der Masken der Nachfrage entsprechend schnell hochfahren. Mittlerweile haben sich neben spezialisierten Herstellern deshalb auch immer mehr Textil- und Bekleidungshersteller auf die Produktion der Masken umgestellt.

Komplexe Maschinen für eine schnelle Versorgung
Um die Masken herstellen zu können, benötigt man hochspezialisierte Einzelmaschinen bis hin zu vollautomatischen Produktionsanlagen. Der Maschinen- und Anlagenbauer Ruhlamat beispielsweise reagierte auf die aktuelle Situation und entwickelte in kürzester Zeit vollautomatische Fertigungsmaschinen für die Herstellung von N95-, FFP2-, FFP3- und OP-Masken mit einer Ausbringung von bis zu 100.000 Stück/Tag.
Um solche komplexen Maschinen termintreu und effektiv fertigen zu können, bedarf es einer intelligenten Planung. Denn die Komplexität der Produktion im Maschinen- und Anlagenbau erschwert häufig eine reibungslose Planung. Das Zusammenspiel von Eigenproduktion und Zukaufteilen sowie kundenspezifische Änderungen sind nur ein kleiner Auszug der Faktoren, die den geplanten Fertigungsablauf durcheinanderbringen können. Zusätzlich steigert die große Fertigungstiefe der kundenspezifischen Maschinenanlagen bei Ruhlamat diese Komplexität. Durch die Umstrukturierung des Produktportfolios sind mittlerweile ein Viertel der 320 Mitarbeiter mit den Masken-Maschinen beschäftigt und die Kurzarbeit von bislang etwa 60 Mitarbeitern konnte deutlich reduziert werden.

Intelligente Planung bei Ruhlamat für höhere Termintreue
Die Agilität und Flexibilität, mit der Ruhlamat auf die neuen Marktanforderungen reagiert hat, spiegelt sich auch in der Produktionsplanung des Unternehmens wider. Der Sondermaschinenbauer setzt bereits seit 2011 auf eine intelligente Produktionsplanung. Bis zu der Einführung des neuen Systems basierte die Fertigungsplanung auf einem System, das gegen unbegrenzte Kapazitäten plant – eine realistische Planung aller Ressourcen war dementsprechend nicht möglich. Die Folge war, dass bei hoher Auftragslage, wie sie aktuell auch der Fall ist, zu viele Aufträge in zu kurzer Zeit auf zu viele Maschinen verteilt oder zu beschaffende Teile nicht rechtzeitig angefordert wurden. Zusätzlich fehlte Transparenz über alle Fertigungsaufträge, so dass Terminrückstände und halb fertiggestellte Teile die Folge waren.
Das neue Produktionsplanungssystem FELIOS hingegen plant gegen real verfügbare Kapazitäten und bietet dementsprechend eine bereichsübergreifende Synchronisation aller Liefertermine. Auch bei kurzfristigen Änderungen oder Störungen wie Maschinenausfällen reagiert das System schnell, um entsprechend umzuplanen. Das Ergebnis ist eine wesentlich bessere Termintreue.
Gerade in der aktuellen Krisen-Situation sehen sich Maschinen- und Anlagenbauer mit vielen Problemen konfrontiert: Kunden stornieren angefangene Aufträge, Materiallieferungen fallen aus oder Mitarbeiter müssen kurzfristig in Quarantäne. Neben der schnellen Reaktion auf veränderte Marktanforderungen kann eine intelligente Planung außerdem unterstützen, folgende Fragen gezielt zu beantworten:

  • Auf welche Teile und Werkstücke muss sich ein Betrieb jetzt konzentrieren?

  • Welche Aufträge sollten sinnvollerweise vorgezogen werden?

  • Welche Mitarbeiterqualifikation braucht es wo und wann?

  • Wie lassen sich Personengruppen „corona-konform“ einplanen?

Fazit
Die Pandemie hat für starke Nachfrageänderungen bezüglich Schutzmasken und anderen Sicherheitsmaterialien gesorgt. Hinter der Herstellung steht oft auch die Produktion kundenspezifischer Maschinen und Anlagen. Um diese schnellstmöglich und termingerecht ausliefern zu können, müssen Maschinen- und Anlagenbauer ihre komplexen Prozesse intelligent planen. Manuell ist dies bei der hohen Komplexität der Produkte nicht mehr möglich. Intelligente Systeme planen daher automatisch Aufträge, Maschinen und Material so, dass alle Kundenaufträge termingerecht abgewickelt werden können. Die aktuelle Situation birgt noch viele Unsicherheiten. Setzen Sie daher auf eine sichere und verlässliche Planung.

Welche Erfahrungen haben Sie in der Produktionsplanung während der aktuellen Krise gemacht? Planen Sie Ihre Produktion bereits mit einem intelligenten Produktionsplanungssystem?
Bleiben Sie gesund!



Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

­Intelligente Produktionsplanung beschleunigt den Maschinenbau für die Maskenproduktion

Lesen

Digitalisierungsprojekte im Maschinenbau – Wie setzen Sie Investitionen richtig ein?

Lesen

3 Ziele, die Sie 2021 in der Produktionsplanung erreichen können

Lesen

Über den Autor

  • Jörg Böhme ist seit 1998 bei INFORM tätig und beschäftigt sich hauptsächlich mit den Themenschwerpunkten digitale Produktion und intelligente Produktionsplanung.

    Alle Beiträge dieses Autors

    Mehr über diesen Autor unter:

Unsere Autoren

Finden Sie alle unsere Autoren auf einen Blick!

Alle Autoren

Nach oben