Schwimmen oder untergehen? Agiles Management in Zeiten der Datenflut

von Adrian Weiler

Wir erleben den Beginn einer vierten industriellen Revolution. Besonders hier in Deutschland werden die gegenwärtigen Technologietrends jedenfalls kontinuierlich unter diesem Gesichtspunkt diskutiert. Es ist nun etwas mehr als ein Jahr her, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel die letzte Hannover Messe treffend mit folgenden Worten eröffnete: „Dass die Industrie in Deutschland traditionell einen hohen Stellenwert einnimmt, ist weithin bekannt. Aber das wäre nicht denkbar, wenn sich das produzierende Gewerbe nicht immer wieder weiterentwickeln würde. […] Aus den rauchenden Schloten und den stampfenden und dampfenden Maschinen sind Fertigungsprozesse mit modernsten Informationstechnologien geworden.“

Mich überrascht nicht, dass  die Veranstalter der Hannover Messe auch in diesem Jahr das Thema  „Integrated Industries“ zum Leitthema erkoren haben. Die mit Industrie 4.0 einhergehende Digitalisierung erfasst auch außerhalb der Industrie zunehmend alle anderen Lebensbereiche und beschäftigt die Menschen. Und da uns die immer umfangreichere Kommunikation von immer mehr Maschinen untereinander inzwischen eine wahre Flut von Daten beschert, die man sich vor einigen Jahren noch kaum vorstellen konnte, versteht es sich, dass viele Unternehmen enormes Potenzial in diesen Daten sehen. Wie kommt es also, dass sich speziell deutsche Unternehmen mit der Digitalisierung noch so schwer tun?

Nur Daten sammeln reicht nicht

An der Datenflut setzen IT-Techniken an, die unter den Schlagworten wie Big Data, Business Intelligence oder Analytics derzeit viel diskutiert werden. Sie versuchen, die Daten in Erkenntnis, Transparenz und Wissen zu kanalisieren. Das allein hilft jedoch oft nicht wirklich weiter, denn zur Optimierung von Prozessen gehört mehr als nur eine Menge an Informationen.

Wer unter Zeitdruck arbeiten muss, für den ist meist rasches Handel geboten, konkrete Aktion ist gefragt. Nicht die ohnehin unüberschaubare Masse der Daten oder fehlendes Wissen sind das Problem – es ist die Notwendigkeit, angesichts der Fülle alternativer Handlungsmöglichkeiten situationsgerecht und vor allem schnell eine sinnvolle Entscheidung zu treffen! Das gilt natürlich besonders dann, wenn sich die Erwartungen der Kunden immer mehr in Richtung einer optimalen Liefergeschwindigkeit und Termintreue verschieben.

Schnell und gut entscheiden, aber wie?

Ein Beispiel mag das verdeutlichen: Automobilhersteller beschicken ihre Produktion mit Bauteilen und Material. Der werksinterne Transport dient als Bindeglied zwischen den Lägern und der Produktion sowie zwischen verschiedenen Produktionsabteilungen. Stellflächen sind knapp. Deshalb muss das Material genau zum richtigen Zeitpunkt vor Ort sein. Es ist also sehr wichtig, eine möglichst optimale Transportreihenfolge einzuhalten. Kommt es zu irgendeiner Verzögerung im Produktionsablauf, so wirkt sich diese unmittelbar auf die gesamte Transportfolge aus. Leider kommen solche Verzögerungen – meist wenige Minuten, manchmal aber sogar Stunden – im Tagesverlauf recht häufig vor. Dann muss unter hohem Zeitdruck umdisponiert werden.

Für N Transportaufträge gibt es aber bekanntlich N! = 1 x 2 x ... x N mögliche Reihenfolgen. Bereits zehn Aufträge könnten durch über 3,6 Millionen verschiedene Transportfolgen beliefert werden. Die optimale Reihenfolge aus dieser Menge zu identifizieren, ist für einen menschlichen Disponenten unmöglich. Hingegen ist agile Optimierungssoftware auf Basis entscheidungsintelligenter Algorithmen in der Lage, bei jeder Störung oder Veränderung blitzschnell wieder eine neue optimierte Reihenfolge zu disponieren, mit maximaler Termintreue und minimalen Leerfahrten.

Übrigens gibt es bei Automobilherstellern wie zum Beispiel Audi, BMW oder Daimler typischerweise weit über 100.000 werksinterne Transporte pro Tag in einem einzigen Werk. Die Fülle alternativer Transportabläufe übersteigt in solch einem Fall die Anzahl der Atome im uns bekannten Universum! Und selbst kleine und mittelständische Fertigungsbetriebe bewegen für gewöhnlich 300 bis 1.000 Ladeeinheiten täglich. Ob groß oder klein: Agile Optimierungssoftware berechnet clevere, schnelle und situationsgerechte Handlungsvorschläge, etwa in Form optimierter Transportreihenfolgen, aber auch in anderen Bereichen wie der Produktionsplanung oder dem Bestandsmanagement.

Agile Optimierungssoftware macht Daten nutzbar

Bereits 2013 gab der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (BITKOM) einen Leitfaden für das Management von Big-Data-Projekten heraus. Dort liest man unter anderem: „Einen wirklichen Mehrwert für Unternehmen können große Datenbestände nur erlangen, wenn sie richtig interpretiert werden. Der Beratung und visuellen Aufbereitung wird daher ein zunehmender Stellenwert zukommen.“ Dieser Einschätzung möchte ich abschließend beipflichten. Um die Datenflut in einen echten Mehrwert zu verwandeln, brauchen Unternehmen den Dreiklang aus Planungsqualität, Geschwindigkeit und Interaktivität mit den Menschen, die am Ende die Entscheidungen treffen müssen.

Wie organisieren Sie Ihre Daten? Haben Sie einen Weg gefunden, echten Mehrwert aus den vielen Informationen zu ziehen?



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