Smart Factory 2020 – Wie Maschinen- und Anlagenbauer optimal ins neue Jahr starten

von Stipo Nad
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(c) ThomasVogel - Getty Images

2020 hat begonnen und somit wurden auch bereits die ersten Prognosen zu neuen Trends abgegeben. Im Maschinen- und Anlagenbau beschäftigen Fragen wie „Wie können produzierende Unternehmen auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben?“ oder „Wie funktioniert die Fabrik der Zukunft?“ die Branche. Denn das Thema Smart Factory und somit Digitalisierung und Automatisierung der Prozesse ist nach wie vor Haupttrendthema.

Der Kernpunkt der Smart Factory: Die Selbstorganisation. Das bedeutet, Prozesse und Planung werden zunehmend automatisiert und autonom gesteuert, um deren Effizienz zu erhöhen. Künstliche Intelligenz spielt hier eine ausschlaggebende Rolle, um Prozesse möglichst intelligent und eigenständig zu planen und zu steuern.

Jedoch sind viele Maschinen- und Anlagenbauer von dieser selbstorganisierten Smart Factory noch weit entfernt. Hier ein paar Tipps, wie Sie sich dem Thema schrittweise im neuen Jahr nähern können.

Halten Sie sich nicht mit Ihrer Datenqualität auf

Sowohl die Digitalisierung als auch Automatisierung von Prozessen in einer Smart Factory basieren immer auf Daten. Jedoch ist für den Einsatz intelligenter Systeme entgegen der verbreiteten Meinung nicht zwangsläufig eine gut aufbereitete Datengrundlage notwendig. Denn häufig reichen Schätzwerte schon aus. Beispielsweise sind die Grunddaten für eine tagesgenaue Fertigungsplanung bei den meisten Maschinen- und Anlagenbauern bereits ausreichend vorhanden. Eine realistische Terminplanung dank intelligentem System ist so schon möglich.

Außerdem können mithilfe von Maschinellem Lernen fehlerhafte Daten bereits automatisch identifiziert und die Datenqualität langfristig verbessert werden.

Zentral planen

Die größte Herausforderung in der Produktion im Maschinen- und Anlagenbau besteht darin, die vielen verschiedenen selbsthergestellten und zugekauften Teile so zu planen, dass die Maschine oder Anlage pünktlich zum vereinbarten Termin an den Kunden geliefert wird. Doch um diese Termintreue zu erreichen, hilft kein Abteilungsdenken. Gerade bei kurzfristigen Umplanungen wegen zum Beispiel verzögerter Lieferungen oder Maschinenausfällen, ist es nicht zielführend, wenn jeder Bereich wie Montage oder Fertigung separat für sich umplant.

Wichtig ist hingegen, eine abteilungsübergreifende Übersicht über alle Aufträge zu gewinnen und diese zentral zu planen und zu priorisieren. Nur so können mithilfe von Auftragsnetzen Zusammenhänge und Aufträge bereichsübergreifend optimiert und smart produziert werden.

Mobilität ist gefragt

Transparenz ist ein wichtiger Faktor, um stets über den Status aller Aufträge und mögliche Terminverschiebungen informiert zu sein. Diese Transparenz sollte in einer Smart Factory ihr Maximum erreichen und weder örtlich noch zeitlich beschränkt sein. Auch beim Gang durch die Fabrikhalle sollten alle Informationen zu Maschinen, Aufträgen und deren Einhaltung komfortabel und in Echtzeit verfügbar sein. Ziel dabei ist eine stärkere Vernetzung und Kommunikation mit Objekt- und Anlagendaten. In Zukunft könnte hier der Einsatz von Virtual und Augmented Reality eine stärkere Rolle spielen, um beispielsweise die Montage zu vereinfachen.

Mit steigender Mobilität kann das Produktionscontrolling ein ganz neues Level erreichen und auch Management-Ansätze wie Shopfloor Management können so noch schneller umgesetzt werden, da die Daten in Echtzeit vor Ort verfügbar sind.

Verlieren Sie die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine nicht aus den Augen

Die Frage, welche Rolle der Mensch in der Smart Factory der Zukunft spielt, beschäftigt die Branche kontinuierlich. Werden Roboter den Menschen ersetzen? Welche Aufgaben bleiben für den Menschen? Meiner Meinung nach wird der Mensch durch Software oder Maschinen nicht ersetzt, es verschiebt sich zukünftig lediglich sein Aufgabengebiet. Denn Technologie, unabhängig davon wie intelligent und autonom sie ist, muss nach wie vor implementiert und überwacht werden. Intelligente Systeme sollten also stets den Menschen bei seiner Arbeit entlasten und da unterstützen, wo beispielsweise Prozesse zu komplex oder Datenmengen zu groß werden, um sie als Mensch manuell zu steuern.

Fazit

Jeder Jahresbeginn bringt neue Trendprognosen mit sich. Es gibt jedoch oft Holpersteine in der praktischen Umsetzung und die Realität ist häufig noch weit entfernt von diesen Trends. Gerade im Maschinen- und Anlagenbau gibt es noch viele Unternehmen, die den Weg zur Smart Factory zwar angehen möchten, aber aktuell noch keinen Startpunkt ausmachen können. Die Vielzahl der Trends erschwert hier oft eine klare Vorgehensweise für die Praxis. Daher sollte man sich schrittweise heranwagen und sich nicht vom Weg abbringen lassen.

Welche Trends sehen Sie für 2020 im Maschinen- und Anlagenbau? Welche Herausforderungen bringen diese mit sich?

 



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Über den Autor

  • Stipo Nad

    Stipo Nad ist seit 2001 bei der INFORM GmbH tätig und beschäftigt sich hauptsächlich mit den Themenschwerpunkten Advanced Planning & Scheduling, Produktionsplanung sowie Business Intelligence.

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